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Sielenbach

01.08.2020

Heiß, trocken, staubig: Ein Tag bei der Weizenernte in Sielenbach

Unterwegs mit Landwirt Richard Herb: In diesen Tagen beginnt er bei Sielenbach mit der Weizenernte. Es ist ein trockener Job.
Bild: Marlene Weyerer

Plus In Sielenbach erntet Richard Herb mit dem Mähdrescher die ersten Weizenfelder. Der Landwirt braucht jede Menge Ausdauer. Im Artikel gibt´s auch ein Video.

Die Staubwolke, die Richard Herb hinter sich herzieht, ist ein gutes Zeichen. Je trockener der Weizen, desto besser lässt er sich lagern, ohne zu verschimmeln. Also am besten so staubtrocken wie heute. Auf dem Feld bei Sielenbach fährt der Landwirt seit einer Stunde seinen Mähdrescher und erntet. Viele Stunden in der Hitze liegen noch vor ihm. Wir haben Herb begleitet.

Fast 30 Grad hat es. Mitten am Feld ist es um 13.30 Uhr gefühlt noch heißer. Herb sitzt in der klimatisierten Fahrerkabine allerdings bei 23 Grad Celsius. Früher, als er noch ein Bub war, saßen die Bauern ganz ohne Kabine auf den Mähdreschern. Der Staub schlug ihnen entgegen, die Sonne prallte von oben herab. „Bei Weizen geht es ja noch, aber die Wintergerste zum Beispiel beißt richtig in die Haut“, erzählt Herb. Er schüttelt den Kopf. Und natürlich sei der ganze Staub auch nicht gesund für die Lungen.

Ernte in Sielenbach: Landwirt beginnt meist mittags mit der Ernte

Der 43-Jährige ist froh, dass das Ernten von Getreide in seiner Generation anders aussieht. Natürlich staubt es immer noch, wenn er in die Maschine ein- und aussteigt, fein angezogen sollte man nicht zur Ernte fahren. In der Regel beginnt Herb mittags mit der Ernte, wenn die Felder richtig trocken sind. Dann erntet er bis 21 oder 23 Uhr. Zumindest wenn das Wetter hält. Er sieht besorgt zu den hohen Wolken, die am Horizont entstehen. „Hoffen wir, dass wir vor dem Regen gut was wegbekommen“, sagt Herb. Sonst freue sich ein Landwirt immer über Regen, aber für die Getreideernte sei er schlecht. „Prinzipiell kann man es einem Landwirt nicht recht machen, entweder es ist zu trocken oder zu nass“, sagt er und lacht.

Heiß, trocken, staubig: Ein Tag bei der Weizenernte in Sielenbach

Jetzt in den Sommerferien sitzt oft seine älteste Tochter mit ihm im Mähdrescher. Die Zehnjährige hat auch heute schon angerufen, um zu wissen, wie lange die „Frau von der Zeitung“ noch da ist. Sie möchte mitfahren. „Die fährt da voll drauf ab“, sagt Herb und lächelt stolz. Er würde sich freuen, wenn seine Kinder mal den Betrieb übernehmen. Denn er findet: Landwirtschaft ist ein schöner Beruf. Auch wenn ihm Klimawandel und Trockenheit genauso Sorgen bereiten wie zu viel Kritik aus der Bevölkerung, die seiner Meinung nach manchmal vergisst, wo ihr Essen herkommt.

Der Mähdrescher schneidet die Weizenhalme mit großen Klingen vom Feld und trennt dann Körner und Stroh. Ein Getreidetank im Mähdrescher dient als Vorratsbehälter für das Korn. Das Stroh kommt hinten wieder heraus. Da wird der Landwirt dann später Gülle drüber verteilen, damit sich Humus bildet.

Auf einem Feld bei Sielenbach erntet der Landwirt Richard Herb Weizen. Das Getreide sollte dabei möglichst trocken sein. Ein Besuch bei einer Ernte, die vorzeitig endet.
Video: Marlene Weyerer

Herb fährt den riesigen Mähdrescher in geraden Linien auf und ab. Immer wieder springen Hasen aus dem Feld, sie hören den Mähdrescher von Weitem kommen. Seit 25 Jahren erntet Herb mit Mähdreschern Felder ab. Und nicht nur die eigenen. Denn für die eigenen 100 Hektar, auf denen Herb Futter für seine Viehwirtschaft anbaut, lohnt sich ein Mähdrescher nicht. Die Maschine kostet 300.000 Euro. „Nur für uns selber ist das zu teuer“, so Herb. Er schätzt, dass er die Maschine zu einem Drittel auf eigenen Feldern verwendet, der Rest sind fremde Felder. Heute gehört das Feld einem befreundeten Landwirt. Josef Held, wie Herb Schweinemäster, baut ebenfalls den Großteil seines Tierfutters selbst an.

Auf dem zweiten Feld fängt es an zu tröpfeln

Ein Piepen in der Kabine weist Richard Herb darauf hin, dass der Korntank voll ist. Sieben Tonnen sind also geerntet. Um Zeit zu sparen, können moderne Mähdrescher während der Fahrt die Körner abtanken. Josef Held fährt neben ihm mit einem Traktor und fängt die Körner in seinem Transportanhänger auf.

Der Landwirt Richard Herb erntet bei Sielenbach ein Weizenfeld. Dabei wirbelt er jede Menge Staub auf. Mit seinem Mähdrescher erntet Herb nicht nur die eigenen Felder, sondern auch die von anderen Landwirten. Heute zum Beispiel gehört das Weizenfeld Josef Held, einem befreundeten Schweinemäster, der die Körner später an seine Tiere verfüttert.
9 Bilder
Weizenernte in Sielenbach
Bild: Marlene Weyerer

Auf dem zweiten Feld fängt es zu tröpfeln an. Kurz macht Herb noch weiter, die Tropfen werden immer größer. „Jetzt ist Ende“, sagt der Landwirt und hält den Mähdrescher an. Er geht hinaus, läuft barfuß durch die Getreidestoppeln. Josef Held steht auch schon draußen. Sie fassen die Ähren an, sehen in den Himmel. Jetzt regnet es gerade nicht mehr, die Wolken sind weiter dunkel. Ihre Expertenmeinung: „Des hätt’s jetzt net braucht.“

Als Herb mit dem zweiten Feld beginnt, ziehen langsam hohe Wolken auf. Der Landwirt macht sich Sorgen, denn bei Regen kann er nicht weiterernten.
Bild: Marlene Weyerer

Trotzdem versucht es Herb noch einmal. Das Korn ist noch nicht feucht, die Ähre schützt es. Ein größeres Problem ist das Stroh. Feuchtes Stroh wird laut Herb wie ein Seil, lässt sich nicht mehr schneiden. Er fährt los und erst scheint alles gut. Aber immer wieder gibt der Mähdrescher mit lauten Piepgeräuschen zu verstehen, dass irgendetwas nicht stimmt. Er kommt nur langsam vorwärts. „Das ist das feuchte Stroh“, sagt Herb. Die Maschine tut sich sichtlich schwer, weiterzukommen. Er hört auf. Mitte August wären die Landwirte langsam nervös, wenn die Ernte nicht funktionieren würde, so Herb. „Aber wir sind noch so früh in der Ernte, dass wir nichts riskieren.“

Landwirt in Sielenbach: Nach der Ernte warten Stallarbeit und das Büro

Held fährt mit der Ernte schnell auf seinen Hof und schüttet die Körner zur Lagerung in Silos. Dabei staubt es noch einmal ordentlich. Heute muss er statt der Ernte dann nur noch Stallarbeit und Büro machen. „Als Landwirt muss man eben flexibel sein“, sagt Held. An manchen Tagen muss er viel länger arbeiten als gedacht. Heute hat er dafür früher als geplant Feierabend.

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