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Aichach-Friedberg

27.08.2019

Im Wittelsbacher Land werden die meisten Kinder geboren

Im Landkreis Aichach-Friedberg kommen so viele Kinder auf die Welt wie in ganz Bayern nicht.
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Im Landkreis Aichach-Friedberg kommen so viele Kinder auf die Welt wie in ganz Bayern nicht.
Bild: Symbolbild: Jens Kalaene

Plus Statistiker haben für das Wittelsbacher Land für 2017 eine Rate von 1,81 Kindern pro Frau errechnet. Das ist der höchste Wert in ganz Bayern. Was dem Landkreis fehlt.

Vielleicht geht das ja mal als Treppenwitz in die Geschichte des Wittelsbacher Landes ein: Just in einer Zeit, in der die nagelneue Geburtenstation im topmodernen Krankenhaus Aichach erst gar nicht eröffnet wird, kommen im Landkreis Aichach-Friedberg so viele Kinder auf die Welt wie in ganz Bayern nicht. Die errechnete Geburtenrate zwischen Lech und Weilach lag zwischen 2015 und 2017 bei 1,75 Kindern pro Frau (siehe Grafik). In Bayern lag der Schnitt in diesem Zeitraum bei 1,52 Kindern. Allein auf das Jahr 2017 betrachtet liegt die Geburtenrate bei 1,81 – das ist der höchste Wert im ganzen Freistaat. Damit eine Bevölkerung nicht schrumpft, müsste die Geburtenrate allerdings bei 2,1 liegen. Davon ist das Wittelsbacher Land noch ein Stück entfernt. Doch in sechs der 24 Kommunen liegt die Rate laut Statistischem Landesamt zumindest im Jahr 2017 darüber und in Aindling nur knapp darunter: Steindorf (2,62), Kühbach (2,58), Hollenbach (2,43), Eurasburg (2,28), Dasing (2,25), Ried (2,22), Aindling (2,03).

Die errechnete Geburtenrate zwischen Lech und Weilach lag zwischen 2015 und 2017 bei 1,75 Kindern pro Frau.

Aichach-Friedberg: Bevölkerung wird immer älter

Aber auch mit einer Gesamt-Geburtenrate von 1,8 wächst der Landkreis, denn das Wittelsbacher Land im Schnittpunkt der Wirtschaftsräume Augsburg, München und Ingolstadt ist Zuzugsgebiet. Wenn es bei der Zuwanderung bleibt, dann leben hier bis 2040 rund 150000 Menschen. Das wären rund 25000 mehr als zu Beginn des Jahrtausends (siehe Tabelle unten). Und obwohl hier derzeit so viele Kinder wie seit Jahrzehnten nicht mehr geboren werden, wird die Bevölkerung im Durchschnitt immer älter. Alle diese Entwicklungen betrachtet und beschreibt die Bevölkerungsprognose des Instituts für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik (SAGS), die der Kreistag in Auftrag gegeben hat und vor Kurzem in zwei Sitzungen von Diplom-Statistiker Christian Rindsfüßer vorgestellt wurde.

Die Studie mit 118 Seiten ist natürlich zahlenlastig, aber nichts für die Schublade, sondern eine Arbeitsgrundlage für mehrere Handlungsfelder des Landkreises und der Gemeinden in den nächsten Jahren. Die Stichpunkte: Kinderbetreuung, Bildung, Wohnen, öffentlicher Nahverkehr, Altenhilfeplanung.

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Demografie: Weiteres großes Pflegeheim ist nötig

Beim letztgenannten Punkt gibt es schon einen konkreten Bedarf, der sich aus den statistischen Zahlen errechnet: Ein weiteres größeres Pflegeheim ist notwendig. Die derzeit rund 1000 Pflegeplätze im Kreis reichen nicht aus. Die Abteilung Altenhilfe des Landratsamts geht von rund 110 fehlenden Plätzen aus. Weitere Erkenntnis: Für eine wohnortnahe Versorgung sollte die neue Einrichtung in der Mitte des Landkreises entstehen. Der Norden ist mit Standorten in Aichach (rund 275 Plätze), Kühbach (30), Pöttmes (100) und Aindling (40) gut versorgt. Das gilt auch für den Süden mit Mering (180) und Kissing (100). Deshalb liegt ein Standort im Raum Friedberg (derzeit rund 250) oder den unversorgten Kommunen Dasing, Obergriesbach, Sielenbach oder Adelzhausen nahe.

Rindsfüßer geht davon aus, dass derzeit etwa 1000 Menschen im Wittelsbacher Land an Demenz erkrankt sind. Eine Zahl, die sich in den nächsten 20 Jahren voraussichtlich verdreifachen wird. Insgesamt wird sich der Anteil der Menschen über 80 Jahren in diesem Zeitraum im Kreis Aichach-Friedberg mehr als verdoppeln: Diese Altersgruppe wird um über 60 Prozent wachsen, so die Prognose. Großen Bedarf gibt es im Kreis für Kurzzeitpflegeplätze – jetzt schon und noch deutlich mehr in Zukunft. Ob, wann und wo ein weiteres Pflegeheim im Wittelsbacher Land gebaut wird, bleibt erst einmal offen. Nicht der Kreis oder die Kommunen bauen Heime, sondern Wohlfahrtsverbände wie zum Beispiel BRK, Caritas, Arbeiterwohlfahrt oder privatwirtschaftliche Unternehmen.

Lesen Sie dazu auch den Artikel Warum in der Gemeinde Kühbach die meisten Kinder auf die Welt kommen

und den Kommentar Die hohe Geburtenrate hat Licht- und Schattenseiten

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