1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Inchenhofener stimmen gegen ehrenamtlichen Bürgermeister

Bürgerentscheid

08.12.2019

Inchenhofener stimmen gegen ehrenamtlichen Bürgermeister

Der Abstimmungsausschuss gab im Rathaus das amtliche Ergebnis bekannt: (von links) Martin Arzberger, Heinrich Schoder (mit dem Rücken zum Fotografen), Gabi Müller (hinten am Tisch), Bürgermeister Karl Metzger, Geschäftsleiter Marc Beinen und Ausschussmitglied Robert Baur.
Bild: Erich Echter

Plus Mit 54:46 Prozent stimmten die Inchenhofener dagegen, dass auch der künftige Rathauschef ehrenamtlich tätig ist - eine Niederlage für den Amtsinhaber.

Der künftige Inchenhofener Bürgermeister wird im Hauptamt tätig sein. In 54 Prozent der abgegebenen Stimmen beantworteten die Wahlberechtigten die Frage, ob das Amt des Rathauschefs von einem ehrenamtlichen Bürgermeister bekleidet werden soll, mit Nein. 46 Prozent sprachen sich laut amtlichem Ergebnis für einen weiterhin ehrenamtlichen Bürgermeister aus. Die Wahlbeteiligung war mit knapp 62 Prozent relativ hoch. Das sogenannte Quorum (20 Prozent) wurde deutlich erreicht. Das Ergebnis bedeutet gleichzeitig, dass Bürgermeister Karl Metzger bei der Kommunalwahl im März nicht mehr antreten kann.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Ergebnis ist ein Erfolg für CSU und Freie Wähler

Es ist ein Erfolg für CSU und Freie Wähler, die vor einem Monat im Inchenhofener Marktgemeinderat einen Antrag auf einen hauptamtlichen Bürgermeister gestelltund somit den Bürgerentscheid erst ausgelöst hatten. Der Bürgerwille, die Gruppierung von Amtsinhaber Karl Metzger, reagierte auf den Antrag und sammelte in kürzester Zeit 377 Unterschriften– weit mehr als nötig – für ein Bürgerbegehren, damit es weiter bei einem ehrenamtlichen Bürgermeister in Leahad bleibt.

Mit 9:6 Stimmen entschied zwar der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung für einen hauptamtlichen Bürgermeister.Neben der CSU/FW-Fraktion, der auch die drei Parteilosen Andrea Schmidberger, Robert Müller und Klaus Strobl angehören, votierte auch Cäcilia Reiner vom Bürgerwillen ’84 für einen hauptamtlichen Rathauschef. Der Beschluss war jedoch zunächst hinfällig, weil das Gremium anschließend dem Bürgerentscheid zustimmte.

Inchenhofener stimmen gegen ehrenamtlichen Bürgermeister

Karl Metzger wollte für fünfte Amtszeit kandidieren

Der 70-jährige Karl Metzger ist seit 1996 Bürgermeister des Marktes und hatte angekündigt, bei der Kommunalwahl im März 2020 für eine weitere Amtszeit zu kandidieren. Aus Altersgründen hätte er jedoch nur ehrenamtlich die Geschicke der Gemeinde leiten können, so wie er es bereits seit 23 Jahren tut.

Metzger reagierte am Abend enttäuscht, aber auch sehr gefasst auf den Ausgang der Abstimmung: „Ich akzeptiere und respektiere natürlich das Ergebnis.“ Metzger sprach Klartext: „Ich als Person bin zur Wahl gestanden.“ Er hätte gerne nochmals kandidiert, aber die Mehrheit habe das anders gesehen. Metzger erinnert auch daran, dass er bereits vor der Wahl 2002 einen Antrag für einen hauptamtlichen Bürgermeister gestellt habe. Das sei damals von der CSU-Mehrheit abgelehnt worden.

Amtsinhaber: Historische Stunde für Inchenhofen

Der Rathauschef bedankte sich bei den Initiatoren des Bürgerbegehrens, sprach von einer tollen Wahlbeteiligung und einer historischen Stunde für Inchenhofen durch den ersten Bürgerentscheid in der Geschichte der Kommune. Am Rande wurde bekannt, dass der Bürgerwille einen „Plan B“ für diesen Ausgang des Bürgerentscheids hat. Für sich persönlich sieht Metzger übrigens auch eine positive Seite: „Ich habe künftig deutlich mehr Zeit für meine Familie und für mich.“

Heinrich Schoder, Sprecher der CSU/FW-Fraktion, schloss aus dem Ergebnis, „dass die Mehrheit es mitträgt, dass das Hauptamt die bessere Variante für Inchenhofen ist“. Die Entscheidung wolle er nicht an der Person Metzgers festmachen, so Schoder. Es gebe veränderte Aufgabenstellungen für den Bürgermeister, die einen größeren Zeitaufwand mit sich brächten. Kritik, wonach CSU/FW mit ihrem Antrag so kurz vor der Kommunalwahl eine vorzeitige Entscheidung über Metzger herbeiführen wollten, will Schoder nicht so stehen lassen: Schon vor anderthalb Jahren habe es Versuche gegeben, die Frage eines haupt- oder ehrenamtlichen Bürgermeisters mit Metzger zu besprechen – erst in einer nicht öffentlichen, später in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung: „Aber wir haben kein Gehör gefunden.“

Heinrich Schoder: Haben mehrere Kandidaten

Wer nun für CSU/FW als Bürgermeisterkandidat antritt, will Schoder sich auch am Sonntagabend nicht entlocken lassen. Nur so viel: Er selbst und auch der Zweite Bürgermeister, Hans Schweizer, wie im Ort immer wieder gemunkelt wurde, seien es nicht. Es gebe aber mehrere Kandidaten. Sie würden „nicht mehr heuer“ nominiert. Dass die Fraktion nicht mit ihren Namen herausrückte, hatten Besucher der Infoabende vor dem Bürgerentscheid wiederholt kritisiert. „Es war uns wichtig, uns von festen Kandidaten zu lösen“, entgegnet Schoder. Der Bürgerentscheid habe keine Bürgermeisterwahl sein sollen. Schoder wertete die große Resonanz in der Bevölkerung auf den Bürgerentscheid positiv: „Das zeigt, dass das politische Interesse in Leahad geweckt ist.“

Initiator des Bürgerentscheids wertet diesen als Erfolg

Aus diesem Grund sieht auch Martin Arzberger, einer der drei Initiatoren des Bürgerentscheids, diesen als Erfolg. Das Hauptanliegen sei gewesen, dass die Bürger mitentscheiden konnten – anders als so manches Mal in der Vergangenheit, sagte Arzberger, ohne den Streit um den Standort des neuen Feuerwehrhauses explizit zu erwähnen oder auf Nachfrage bestätigen zu wollen. Auch wenn er und die beiden weiteren Initiatoren, Thomas Federlin und Saskia Posch, tendenziell für einen ehrenamtlichen Bürgermeister gewesen seien, müsse man das Ergebnis akzeptieren. „Keine Entscheidung ist in Stein gemeißelt“, so Arzberger. Ob es beim hauptamtlichen Bürgermeister bleibe, hänge wohl davon ab, wie sich der nächste Kandidat mache.

Vom Ausgang des Bürgerentscheids hatte diese Woche auch Maria Posch (ÖDP) ihre Bürgermeisterkandidatur abhängig gemacht. Sie hatte erklärt, nur bei einem Votum für das Hauptamt zur Verfügung zu stehen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar Inchenhofen wählt „Katze im Sack“

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren