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Petersdorf/Opfenbach

16.06.2017

Ingo Dollinger ist tot

Pfarrer Ingo Joachim Dollinger ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Er war von Dezember 1981 bis Februar 1995 Pfarradministrator in Alsmoos und Petersdorf. Zuletzt wohnte er in Opfenbach, einer Gemeinde im Landkreis Lindau.
Bild: Archivfoto: Angelika Urbach

Der konservative und umstrittene Moraltheologe Ingo Joachim Dollinger war von 1981 bis 1995 Pfarradministrator in Alsmoos-Petersdorf. Nun starb er mit 88 Jahren

Die Pfarrgemeinde Alsmoos-Petersdorf trauert um ihren ehemaligen Pfarrer Ingo Joachim Dollinger. Am Dreifaltigkeitssonntag ist der Doktor der Theologie mit 88 Jahren gestorben. Er war von Dezember 1981 bis Februar 1995 Pfarradministrator in Alsmoos und Petersdorf. Zuletzt wohnte er in Opfenbach, einer Gemeinde im Landkreis Lindau.

Dollinger, geboren 1929 in Schwäbisch Gmünd, wurde 1954 zum Priester geweiht, wirkte zunächst in der Pfarrseelsorge und war dann Sekretär des Augsburger Bischofs Josef Stimpfle. Er verstand sich als geistlicher Sohn des italienischen Heiligen Pater Pio, der sein Beichtvater wurde. In den 70er-Jahren war er führend an Gesprächen der Bischofskonferenz mit der Freimaurerei beteiligt und setzte sich für die Unvereinbarkeitserklärung von 1980 ein.

1983 war er zeitgleich zu seiner Tätigkeit als Pfarradministrator in Petersdorf Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Anápolis in Brasilien, an der er Moraltheologie lehrte. Die Hochschule dient dem Orden der Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz innerhalb des traditionskonservativen Engelwerks als Ausbildungsstätte für Priester. Das Engelwerk ist innerkirchlich umstritten und wird von Kritikern als Sekte innerhalb der römisch-katholischen Glaubengemeinschaft angesehen.

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Ein Förderer altritueller Gemeinschaften

Später wurde Dollinger zum Förderer traditionsverbundener, altritueller Gemeinschaften wie der 1988 gegründeten Priesterbruderschaft St. Petrus (Wigratzbad, Kreis Lindau) und den im selben Jahr gegründeten Servi Jesu et Mariae (SJM). Im Mai 2016 berichtete die deutsch-amerikanische, katholische Publizistin Maike Hickson unter Berufung auf Ingo Dollinger, dass der Vatikan im Jahr 2000 das sogenannte Dritte Geheimnis von Fatima nicht vollständig veröffentlicht hatte.

Für seine Aussage verwies Dollinger auf den späteren Papst Benedikt XVI., der ihm das als damals zuständiger Präfekt der Glaubenskongregation anvertraut habe. Demnach sei im nicht veröffentlichten Teil des Geheimnisses von „einem schlechten Konzil und einer schlechten Messe“ die Rede, „die in naher Zukunft kommen soll“. Das vatikanische Presseamt veröffentlichte daraufhin eine Erklärung Benedikts XVI. – ein sehr ungewöhnlicher Schritt für den Heiligen Stuhl und die einzige Presseerklärung des früheren Münchner Kardinals, der Dollinger seit vielen Jahren kannte, seit seinem Rücktritt als Papst im Jahr 2013. Darin dementiert Ratzinger Dollingers Aussage zum Geheimnis von Fatima und bestreitet grundsätzlich, jemals mit Dollinger über Fatima gesprochen zu haben.

Als Pfarradministrator war er Mittelpunkt von harten Auseinandersetzungen

In seiner Zeit als Pfarradministrator in Petersdorf stand Dollinger im Mittelpunkt von Auseinandersetzungen, die die kirchliche, aber auch die politische Gemeinde über Jahre hinweg tief spalteten. Sie sorgten überregional für Aufsehen in Kirchenkreisen und der breiten Öffentlichkeit und sind auch heute, über zwei Jahrzehnte nach seinem Fortgang aus der Pfarrei am Lechrain, noch zu spüren. Vor allem ging es dabei um die Jugendarbeit der von ihm geförderten erzkonservativen Katholischen Pfadfinderschaft Europas (KPE) in der Gemeinde. Die KPE ist laut Diözese eine „der Tradition verpflichtete“, bischöflich anerkannte, katholische Jugendorganisation. Aus der Pfarrei Alsmoos-Petersdorf sind in zwölf Jahren (von 2000 bis 2012) vier junge Männer zu Priestern geweiht worden, die alle Mitglieder der dortigen KPE-Gruppe waren. Die Zeit mit Pfarrer Ingo Dollinger wurde von den Neupriestern bei Primizfeiern unter anderem als „wichtigster Impuls zu meiner Berufung“ bezeichnet.

Requiem Montag, 19. Juni, 15 Uhr, Pfarrkirche Opfenbach. Die Beisetzung findet im Anschluss statt. Wer zur Beerdigung mitfahren möchte, kann sich bei Centa Plöckl unter Telefon 08237/7345 anmelden. In Alsmoos wird für den ehemaligen Pfarrer am Freitag, 30. Juni, ebenfalls ein Requiem gefeiert. Beginn: 18.30 Uhr mit dem Rosenkranz.

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