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Aichach-Friedberg

26.08.2019

Ist die Natur im Landkreis Aichach-Friedberg noch zu retten?

Stefan Höpfel ist Projektmanager bei einem deutsch-indischen IT-Unternehmen sowie im Ehrenamt Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz im ländlichen Aichach-Friedberg. Beide Bereiche seines Lebens bringt der 50-Jährige gut in Einklang.
Bild: Ute Krogull

Stefan Höpfel leitet seit Kurzem die Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz. Er sagt: Der Landkreis steht unter Druck - Naturschutz muss die Bürger mobilisieren.

Im Hauptberuf Projektmanager bei einem deutsch-indischen IT-Unternehmen, im Ehrenamt Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz im ländlichen Aichach-Friedberg – geht so etwas zusammen? Stefan Höpfel bringt die Bereiche seines Lebens gut in Einklang. „Naturschützern muss bewusst werden, dass sie ohne IT nicht mehr klarkommen“, erklärt er zum Beispiel.

Behörden und Planer nutzen verstärkt Datenbanken. „Was dort nicht gemeldet ist, existiert praktisch nicht.“ Trotzdem: Das Wichtige bleibe natürlich, dass die Menschen in die Natur gehen, sie kennen und verstehen lernen, um sie schützen zu können. Gerade im Wittelsbacher Land, das im Spannungsfeld zwischen München, Augsburg und Ingolstadt immer mehr unter Druck gerät.

Aichach Friedberg - "eingepresst zwischen Trassen"

„Der Landkreis ist eingepresst zwischen den Trassen der Pendlerströme“, sagt Höpfel. „Wir liegen mitten in einer Metropolregion, da können wir von Glück sagen, dass es rund um Pöttmes noch eine ruhigere Landschaft gibt.“ Doch der 50-Jährige, der 2010 im Tierpark Hellabrunn für den LBV geworben wurde, weiß, dass es die Natur schwer hat. „Umweltschutz ist ein Hobby mit hohem Frust-Potenzial“. Deswegen setzt er auf Aufklärung und auf den Dialog.

Ist die Natur im Landkreis  Aichach-Friedberg noch zu retten?

Und wenn der nicht mehr hilft, weil Kommunen Einwände von Naturschützern als zweitrangig abtun, dann scheue er nicht davor zurück, andere Mittel auszuschöpfen. So hat der LBV eine Petition mit mittlerweile 580 Unterschriften eingereicht. Sie richtet sich gegen den Bau einer Kiesgrube im Ebenrieder Forst bei Pöttmes, weil Beeinträchtigungen für das Trinkwasser befürchtet werden. „Ich will alle Schlachten führen, für die mir die Demokratie Mittel gibt“, sagt Höpfel. Dafür gehen auch so einige Nächte drauf.

Stefan Höpfel stammt aus Althegnenberg

Höpfel übernahm das Amt des Kreisvorsitzenden im November 2018 von dem Landschaftsarchitekten Gustav Herzog, der den LBV 25 Jahre geleitet hatte. Der 50-Jährige ist in Althegnenberg aufgewachsen, lebt aber mit seiner Ehefrau, einer Koreanerin, in Augsburg. Der Rotmilan sei schuld gewesen, dass es ihn ins Wittelsbacher Land verschlug, erzählt er. Weil er sich so für den schönen Greifvogel interessierte, half er im Wittelsbacher Land mit, ihn zu kartieren; dann sei Herzog mit dem Thema Vorsitz an ihn herangetreten. Höpfel war schon einige Jahre in der Vorstandschaft des LBV in Augsburg tätig, hatte dort zum Beispiel eine Wasseramsel-Gruppe aufgebaut. „Aber das Land ist natürlich noch einmal anders, der Artenreichtum größer“, sagt er.

Schon als Kind haben es ihm Vögel angetan – wobei er betont, dass der LBV den Vogelschutz zwar im Namen trage, sich jedoch den Schutz der gesamten Flora und Fauna auf die Fahnen geschrieben habe. Und wie möchte Höpfel den vorantreiben in einer Region, in der sich die öffentliche Debatte ständig um Wohnungsmangel, überlastete Straßen und fehlende Gewerbegebiete dreht? Er setzt darauf, den Verband durch mehr Mitglieder zu stärken. 440 sind es momentan, zwölf Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Doch sei die Zahl ausbaufähig.

„Ich will den Menschen vermitteln, kommt her und macht mit, auch wenn ihr meint, ihr kennt euch noch nicht so gut aus“, sagt er. Deshalb wirbt er auf der Internetseite www.aichach-friedberg.lbv.de für Mitmachgruppen, will die Selbstständigkeit der Arbeitsgruppen stärken und freut sich, wenn vor allem junge Menschen zum LBV stoßen. Er möchte außerdem Bürger verstärkt mobilisieren, 2020 zum Beispiel das „Schwarmwissen“ über Quellen im Landkreis anzapfen – auch im Hinblick auf das neue bayerische Naturschutzgesetz. Dieses schützt Gewässer ganz besonders.

Wer künftig einen Landwirt beobachtet, der zu nah an einem Wasserlauf odelt, solle das ruhig melden, meint Höpfel. Klingt das nicht nach Spitzelsystem? Nein, denn hier handle es sich eindeutig um schwarze Schafe, betont er. Es gebe fantastische Bauern, etwa Anton Wenger aus Schiltberg, der sich liebevoll um die Uferschwalben in seiner Sandgrube kümmert.

Werden sich nun mehr Menschen für Naturschutz engagieren, weil das Bienen-Volksbegehren sie sensibilisiert hat? Der LBV-Kreisvorsitzende sieht das differenziert. Es habe einen Aufschwung gegeben. „Es wird an uns liegen, ihn zu halten.“ Im Moment sei das Artensterben ein „Hype-Thema“. Doch die junge Generation werde das Interesse womöglich verlieren, weil sie die Vielfalt, etwa bei Insekten, gar nicht mehr kennt. Daher müsse man versuchen, Zusammenhänge zu erklären.

Veranstaltungen des LBV in Aichach-Friedberg

Abgesehen von den monatlichen Treffen bietet der LBV verstärkt Exkursionen und Vorträge an. Die nächsten Termine sind am

  • 7. September (15 Uhr) durch die Kissinger Heide,
  • 14. September (14 Uhr) im Eurasburger Forst und am
  • 21. September (14 Uhr) durch Wald und Wiesen beim Heilach.

Auch 2020 ist schon einiges in Planung, etwa Vorträge über Hornissen oder Zecken. Denn: „Wir wollen das Thema Artenschutz in die breite Masse tragen.“

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