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Aichach

07.12.2020

Jemenhilfe aus Aichach bittet um Unterstützung

Nach dem Ausbau des Kinderhauses in Taizz stellen sich die älteren Jugendlichen zusammen mit Leiter Ali Al Sufi rechts mit traditioneller Tracht stolz dem Fotografen. Das Tragen von Schutzmasken wird auch innerhalb der Einrichtung sehr ernst genommen.
Bild: Waheeb Al Sufi

Die Verantwortlichen der Aichacher Hilfsorganisation sorgen sich um ihre Schützlinge im Bürgerkriegsland Jemen. Sie appellieren an Freunde und Gönner zu spenden.

„Bitte vergessen Sie uns nicht! “ - Mit einem dramatischen Appell richten sich die Verantwortlichen der Aichacher Hilfsorganisation Jemen-Kinderhilfe und Jemenhilfe Deutschland an ihre Gönner und Mitglieder. Sie machen sich große Sorgen um ihre Schützlinge und Projekte im Bürgerkriegsland Jemen.

Wie die Vereinsvorsitzende Aenne Rappel in ihrem Jahresbericht mitteilt, steht das Jahr 2020 für die ehrenamtlichen Helfer bisher unter keinem guten Stern. Nachdem im Frühjahr in Kairo der langjährige Ansprechpartner und Begründer des Jemenhilfe-Krankenhauses, Scheich Sadeq Abdul Wahed Al Sufi, nach schwerer Krankheit verstorben ist, kümmern sich drei seiner erwachsenen Söhne um die humanitäre Arbeit vor Ort. Und diese werde laut Rappel für beide Seiten zunehmend schwieriger.

Im Jemen tobt der Bürgerkrieg

Nach wie vor tobt der Bürgerkrieg in dem bitterarmen Land. Vertreibung, Unterernährung und die verheerende Cholera-Epidemie führen in der Bevölkerung zu unermesslicher Not. Und jetzt ist auch noch das Coronavirus hinzugekommen.

Jemenhilfe-Vorsitzende Aenne Rappel beklagt einen spürbaren Rückgang der Spendenbereitschaft.
Bild: Manfred Zeiselmair

Rappel zufolge gibt es selbst für Ärzte kaum geeignete Schutzkleidung, nicht genügend Sauerstoff und Betten. Die wenigen noch intakten Krankenhäuser seien deshalb geschlossen oder nehmen keine Corona-Kranken auf. Die Verunsicherung in der Bevölkerung sei groß, es fehle an Aufklärung – mit der Folge, dass unzählige Jemeniten erkrankt oder ohne Hilfe zu Hause gestorben seien.

Ein Mediziner von Ärzte ohne Grenzen berichte, es gebe wohl keine Familie im Land, die nicht von Corona betroffen sei, so Rappel. An die einfachsten Hygienemaßnahmen wie Händewaschen sei aufgrund der Wasserknappheit nicht zu denken. Die Großfamilien leben auf engstem Raum zusammen, sodass auch Abstandsregeln kaum einzuhalten seien. Schon vor der Pandemie sprachen die Vereinten Nationen von der weltweit größten humanitären Katastrophe, bei der alle zehn Minuten ein Kind an den Folgen von Hunger oder Krankheit sterbe.

Im Krankenhaus der Jemenhilfe gab es bis jetzt einen Corona-Patienten

Im kleinen, abgelegenen Bergkrankenhaus der Jemenhilfe in Al Mihlaf habe Klinikleiter Arafat Al Sufi bislang von einem Corona-Patienten berichtet, so Rappel. Dieser sei zur weiteren Behandlung in ein Spezialkrankenhaus transportiert worden.

Nach einem Coronafall wurden alle Räume des Jemenhilfe-Bergkrankenhauses in Al Mihlaf desinfiziert.
Bild: Arafat Al Sufi

Aufgrund der zunehmenden Corona-Erkrankungen im Land seien viele Medikamente noch teurer geworden und schwerer zu beschaffen. Da die Region um Al Mihlaf zu den ärmsten des Landes zähle, werden die meisten Kranken im Jemenhilfe-Krankenhaus kostenlos behandelt. Laut Rappel belaufen sich die von ihrer Hilfsorganisation übernommenen monatlichen Kosten auf 7000 Euro.

Etwa derselbe Betrag gehe als Unterstützung an das Kinderhaus „Salam“ in Taizz, das die Jemen-Kinderhilfe im vergangenen Jahr erworben hat und in dem mittlerweile etwa 120 Kriegswaisen und Hilfsbedürftige Zuflucht gefunden haben.

Seit Anfang dieses Jahres bewohnen etwa 100 Waisenkinder, 15 Kriegswitwen und einige alte, mittel- und obdachlose Männer das von der Jemenhilfe erworbene Haus des Friedens in Taizz. Der Leiter Ali Al Sufi, zweitältester Sohn des verstorbenen Scheichs Sadeq, hat das zweigeschossige Gebäude mittlerweile in Eigenregie mit einigen älteren Jugendlichen ausgebaut und um zwei weitere Etagen aufgestockt.
Bild: Ali Al Sufi

Rappel ist froh, dass der Geldtransfer nach wie vor sehr gut funktioniere. Waren- und Hilfslieferungen seien indes schon seit Ausbruch des Krieges nicht mehr möglich. „Damit wir unsere monatlichen Aufwendungen auch in Zukunft stemmen können, sind wir dringend auf Geldspenden angewiesen“, sagt die Vorsitzende.

Rappel bemerkt jedoch in diesem Jahr einen spürbaren Rückgang der Spendenbereitschaft. Corona-bedingt fallen zudem alle Weihnachtsmärkte aus. „Ein empfindlicher Verlust, zumal wir mit den Einnahmen aus unseren Verkaufsständen in Affing und Aichach gerechnet haben“, bedauert sie. Weil man zudem bereits jede Menge Weihnachtsware eingekauft habe, bleibe „ein großes Loch in der Kasse“.

Modegeschäft statt Christkindlmarkt

Indes fallen nicht alle Einnahmen aus dem geplanten Weihnachtsverkauf weg: Im Aichacher Modegeschäft Sandra Womenswear durfte die Jemenhilfe einen großen Verkaufstisch einrichten. Und auch die Aichacher Woll-Ecke am Stadtplatz sowie Feinkost Schwabzettl haben ihre Unterstützung zum gemeinnützigen Verkauf von Weihnachtsartikeln zugesagt. „Der Verkauf läuft gut“, ist Rappel erleichtert. Angesichts der laufenden Kosten seien diese Einnahmen aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Als Ersatz für die ausgefallenen Weihnachtsmärkte konnte die Jemenhilfe unter anderem im Aichacher Modegeschäft Sandra Womenswear einen großen Verkaufstisch einrichten.
Bild: Manfred Zeiselmair

Deshalb bittet die Vorsitzende in ihrem Appell auch weiterhin um finanzielle Unterstützung: „Ich weiß, Sie haben wohl alle Ihre eigenen, oft corona-bedingten Sorgen. Aber bitte vergessen Sie uns nicht! Jeder Einzelne von uns kann einen Beitrag leisten, der Leben rettet. Und jedes gerettete Leben ist unbezahlbar. Geben wir alles, was wir können. Und ich verspreche Ihnen, dass Ihre Hilfe auch ankommt und unmittelbar wirkt.“

Die Spendenkonten

Wer die Aichacher Jemenhilfe mit einer Spende unterstützen will:

  • Für das Kinderhaus der Jemen-Kinderhilfe: Konto Sparkasse Aichach-Schrobenhausen, IBAN DE49 7205 1210 0560 1916 45.
  • Zum Kauf von Medikamenten für das Krankenhaus in Al Mihlaf: Förderverein Aktion Jemenhilfe, Konto Augusta-Bank Aichach, IBAN DE23 7209 0000 0005 5821 05.

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