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Obergriesbach

04.06.2020

Josef Schwegler wollte es als Bürgermeister den Kritikern beweisen

30 Jahre lang war Josef Schwegler Bürgermeister in der Gemeinde Obergriesbach.
Bild: Stefanie Brand

Plus 30 Jahre war Josef Schwegler Bürgermeister von Obergriesbach. Obwohl gesundheitlich angeschlagen, hat er sich zurückgekämpft. Jetzt geht er sein Leben ruhiger an.

Sie waren zum Teil Jahrzehnte im Amt und haben ihre Gemeinden geprägt. Zum 1. Mai haben gleich zehn von 16 Bürgermeistern im Aichacher Land aufgehört. In einer Serie verabschieden wir die langjährigen Bürgermeister und erkundigen uns, wie ihre Nachfolger die ersten Tage im Amt erlebt haben. Mit dem heutigen Beitrag über Josef Schwegler endet die Reihe. Er war mit 30 Jahren der Bürgermeister mit der längsten Amtszeit.

In den letzten Monaten im Amt hat sich Josef Schwegler, der Bürgermeister Obergriesbachs, der seit 1990 Rathauschef der Gemeinde war, rar gemacht. Unfreiwillig. Wasser in der Lunge und eine Herzleistung von nur noch 20 Prozent zwangen ihn dazu. Nach einer Lungenpunktierung und dem Einsatz von zwei Stents ging es für Schwegler auf Reha – mit einer Defibrillatorweste, die ihn vor dem plötzlichen Herztod schützen sollte. Die wollte Schwegler wieder ablegen dürfen. Das war sein erklärtes Ziel.

Mit diesem Ziel vor Augen kämpfte sich Schwegler zurück – auf eine Herzleistung von 40 Prozent. Er durfte seine Defijacke ablegen. Ein Sieg für Schwegler und Grundlage dieser Erkenntnis, die er zum Abschied aus dem Amt so formulierte: „Wichtig ist, das Leben und die Lebensweise umzukrempeln, auf die Ernährung zu achten, Bewegung und leichten Sport zu treiben, um das Erreichte zu halten.“

Obergriesbachs Ex-Bürgermeister Schwegler: „Wollte immer besser sein als meine Kritiker“

Mit seinem Willen hatte Schwegler einmal mehr bewiesen, dass er das durchsetzt, was er sich vornimmt – privat und beruflich. „Ich wollte immer besser sein als meine Kritiker“, verrät der 65-Jährige. Diese Grundeinstellung sollte alle seine Projekte als Bürgermeister begleiten. Aus seinem Rückblick, den er für seine letzte Gemeinderatssitzung verfasst hat, ließe sich locker ein Buch schreiben, schließlich hat sich in 30 Amtsjahren eine ganze Reihe an Projekten angesammelt.

 

An seine erste große Amtshandlung erinnert sich Schwegler noch ganz genau. Um den Bau der Sportanlage zu verwirklichen, führte der neu gewählte Bürgermeister damals zahlreiche Gespräche mit Zuschussgebern, der Regierung von Schwaben und dem Landkreis, holte sich Tipps bei Vereinsvorständen und jonglierte mit den Vereinsinteressen und den Kosten, die letztlich durch Eigenleistung reduziert werden konnten. Von seinem ersten Großprojekt ist bis heute ein Detail geblieben – nämlich die Tatsache, dass die Eigenleistung in der Miete berücksichtigt wurde, die bis heute gleich hoch sei, so Schwegler.

Viele Projekte entstanden in Obergriesbach unter Schweglers Federführung

Diesem ersten Kapitel folgten zahlreiche weitere: Ortsdurchfahrten, Neubau, Erneuerung und Sanierung von Kanälen und Wasserleitungen, Straßen, Geh- und Radwege entstanden unter der Federführung des Rathauschefs. Umbaumaßnahmen auf den Friedhöfen, die Ausweisung von Baugebieten, Anlage von Spielplätzen, Anbau des Sängerheims, Umgestaltung des Metzgerwirts im Ortsteil Zahling zum Bürgerhaus, diverse Anschaffungen für den Bauhof und die Feuerwehr sowie die Sanierung des Lehrerwohnhauses und der Neubau der Kindertagesstätte Abenteuerland in der jüngsten Vergangenheit sind weitere Großprojekte, die Schwegler auf seine Art gelöst hat. Er habe nicht immer alles so gemacht wie andere vor und neben ihm, gibt der 65-Jährige rückblickend zu. Doch es sei nun mal sein Weg gewesen.

In der Bevölkerung kam dieses Verhalten ganz unterschiedlich an: Drei Aufsichtsbeschwerden wurden gegen Schwegler eingereicht und zurückgewiesen. Auch Beleidigungen musste Schwegler über sich ergehen lassen. Doch auf der anderen Seite sei „die schweigende Mehrheit“ hinter ihm gestanden, berichtet Schwegler stolz und dankbar.

Enkel hilft Schwegler beim Entsorgen vieler Unterlagen

Heute braucht Schwegler nicht mehr zu jonglieren. Zumindest nicht mehr so, wie er es die vergangenen 30 Jahre getan hat. Stattdessen räumt der 65-Jährige kräftig auf und schrumpft die Unterlagen auf ein kleines Nachschlagewerk zusammen. Der Rest landet im Schredder. Acht große Säcke voll hat Schwegler schon weggebracht. Für dieses Werk hat Schwegler tatkräftige Unterstützung von seinem Enkel. Mit dem Schüler jongliert er auch Mathematikzahlen – und das nicht erst, seit es Homeschooling gibt. Gemeinsam werkeln Opa und Enkel im Garten und kümmern sich um die Tiere, die dort leben. Und sogar Renovierungsarbeiten führt Schwegler aus.

 

Dass diese Form der Betätigung nicht zu viel ist, bestätigt der 65-Jährige mit einem erfrischenden Lachen. Er verspüre keinen Druck mehr, müsse nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt „fertig werden“, verrät Schwegler, der sich selbst als „Praktiker“ beschreibt. Große Pläne habe er nicht, stattdessen will er sein lebenswertes Leben genießen, schließlich war der Rückschlag im vergangenen Jahr nicht der einzige gesundheitliche Dämpfer, den Schwegler in seiner 30-jährigen Amtszeit überwinden musste.

Lesen Sie auch, wie es Schweglers Nachfolger ergeht: Jürgen Hörmann: Softer Einstieg ins Amt

Weitere Folgen aus unserer Serie "Abschied vom Rathaus":

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