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Musik

06.10.2017

Klassiker modern interpretiert

Freude nach einem gelungenen Konzert. Es spielten (von rechts) Stefan Wiedemann, Markus Trinkl, Josias Herzog und Roland Plomer. In der Mitte steht Sopranistin Alexandrine Simeon.
Bild: Manuela Rieger

In Herrgottsruh erklingen Jazz, Psalmen und Gospel. Wie passt das zusammen?

Einen Nachmittag exklusiv und prall gefüllt mit modern interpretierten, klassischen Musikstücken und Liedern verschafften die Interpreten ihrem Publikum unter der Leitung von Roland Plomer in der gut besetzten Wallfahrtskirche Herrgottsruh in Friedberg. Nicht enden wollender Applaus, erst nach der Zugabe waren die Zuhörer bereit zu gehen. Wie lässt sich das erklären, wo doch zurzeit eher weniger Besucher bei Konzerten in die Kirchen finden? Was zieht die Leute in dieses Konzert?

Nachdem das Gebotene nur wenigen Besuchern vorher bekannt sein konnte, kann es nur an der Erwartung liegen, die der ungewöhnliche Titel geweckt haben dürfte: „Gospels – Psalmen – Klassik – Jazz“. Gospel verspricht lebhafte, Jazz verheißt mitreißende Musik und melodischen Pfeffer. Dass es mit lateinischer Sprache zu tun haben könnte, war eher unwahrscheinlich. Doch was hatte das Programm, wie angekündigt, mit Psalmen und Klassik zu tun? Das wusste eine Zuhörerin zu erklären: „Der Mix macht’s, darum komme ich schon seit vier Jahren zu diesem Konzert.“

Ob Musiker in Gottesdiensten oder in Clubs spielten, die Kirchen als Ort der kulturellen Begegnung brachte sie zusammen: Gospel und Jazz gehörte in Amerika zur musikalischen Grundversorgung. Heute sind Stilrichtungen der Popularmusik auch für traditionelle Orgeln kein Tabu mehr. Aus dem Swing- und Jazz-Orgelbüchlein von dem zeitgenössischen Komponisten Johannes M. Michael erklang mit Piano, Schlagzeug, Trompete und Orgel die „Petite Suite in Blue“.

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Von Gospel bis Jazz

Manche Lieder fesseln von der ersten Sekunde an und hallen lange in einem nach. Genau so ein Lied ist „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“. Der jubelnde Sopran von Alexandrina Simeon wechselte von Gospel zu Jazznummern. Ein mitreißendes „Get Happy, Hallelujah“ oder ein ruhigeres „Bess, You Is My Woman Now“ gab es von George Gershwin.

Apropos Instrumentalisten – der Pianist Josias Herzog spielte auf dem schönen Instrument einen lupenreinen Part – hoch präzise und motiviert, durchdringend und anpassungsfähig, professionell eben. Neben ihm, an der Trompete, Stefan Wiedemann, unerschütterlich ruhig und konzentriert. Äußerst gefühlvoll auch Markus Trinkl am Schlagzeug. Gelegenheit für Soloeskapaden boten ihm die Partituren leider nicht, doch was wäre aus dem Nachmittag geworden ohne seine anfeuernden Schläge, ohne sein rhythmisches Feuerwerk. Die dargebotenen drei Bachchoräle haben die meisten so noch nicht gehört. „Play Bach“ ließ grüßen.

Die Instrumentalisten setzten originelle Highlights als lebhafte Kontraste zwischen den Vokalnummern von Sopranistin Alexandrina Simeon. Das clever gemixte Stil- und Wechselbad der Musik wirkte und riss ausnahmslos alle Zuhörer mit. Das Programm mixte einen betörenden Cocktail aus altbewährten Traditionals und neuen Arrangements; was dabei herauskam, war ein musikalischer Mix, der niveauvoll überraschte. Mit Leidenschaft und Kompetenz entfachten die Interpreten kontraststarke Dynamik, solistische Glanzleistungen inklusive. Zum Schluss noch ein warmes Hallelujah des kanadischen Singer-Songwriters Leonard Cohen.

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