1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Knotologie und Schnappologie als Kunstform

Faltkunst

11.10.2015

Knotologie und Schnappologie als Kunstform

Strobl%20080.jpg
4 Bilder
"Big Bang" hat Heinz Strobl diese Arbeit genannt, die den Kosmischen Urknall nachstellt. Im Hntergrund sind die Vitrinen zu sehen, in denen der Aichacher seine Kunstwerke sammelt.
Bild: Gerlinde Drexler

Heinz Strobl gestaltet geometrische Figuren aus Papier. Dafür hat der Aichacher eigene Falttechniken erfunden.

Die Geometrie ist das Steckenpferd von Heinz Strobl. Das passt auch zu seiner Ausbildung als Physiker und seiner Tätigkeit als IT-Ingenieur. Eher ungewöhnlich ist die Art und Weise, wie der 69-jährige Aichacher sein Steckenpferd auslebt: Er faltet Papier. Dafür hat er sogar eigene Falttechniken entwickelt und erforscht: die Knotologie und die Schnappologie. Mithilfe dieser Techniken faltet er geometrische Kunstwerke. Eine Arbeit, die mathematische Genauigkeit verlangt. Die Formen seiner Kunstwerke haben viel mit Mathematik zu tun, obwohl sie geometrisch nicht ganz exakt sind, wie Strobl verrät.

Die Falttechnik ist im Prinzip ganz einfach und wird schon im Kindergarten verwendet. Dort ist auch der Aichacher zum ersten Mal mit ihr in Kontakt gekommen, als er eine Girlande, Hexentreppe genannt, faltete. Aus zwei etwa einen Zentimeter breiten Papierstreifen, so wie er es auch heute noch macht. Die Hexentreppe dient ihm heute allerdings höchstens noch als Basis für seine Faltkunstwerke.

Der Aichacher hat die Technik längst schon weiterentwickelt. Bis es so weit war und er in dem Verein Origami Deutschland 1989 Gleichgesinnte fand, hatte er, wie Strobl es scherzhaft beschreibt, als „einsamer Falter“ nach Vorlagen aus Büchern gefaltet und sich gelegentlich an eigenen Modellen versucht.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Den Telex-Streifen als sein ureigenes Medium entdeckte der Rentner beim Falten des Modells „Lucky Star“ und des „Flexi-Würfels“ von Philip Noble. „Das war meine Initialzündung“, sagt Strobl. Die Papierstreifen kannte er noch aus seiner Zeit, als er an der Universität programmieren lernte. „Ich habe meine Programme auf den Streifen geschrieben“, erinnert sich der Aichacher.

Die Telex-Streifen haben genau die Stabilität, die er für seine Quadrate, Sterne und Gitternetze benötigt. Das demonstriert Strobl am Beispiel des „Lucky Star“, einem Glücksstern. „Wenn man in ein Band einen Knoten macht und ein bisschen aufpasst, dass er nicht verkrumpelt, sondern schön flach ist, dann gibt es ein regelmäßiges Fünfeck.“ Während der Aichacher erklärt, faltet er nebenbei den Glücksstern – mit der Technik Knotologie, die sich von dem Namen Knoten ableitet. Kaum eine Minute dauert es und der Glücksstern ist fertig.

In seine komplexen Figuren muss Strobl wesentlich mehr Zeit stecken. Dodekaeder (Körper mit zwölf Flächen) und Ikosaeder (Körper mit 20 Flächen) faltet der ehemalige Ingenieur aus den Papierstreifen. Beim Beschreiben seiner Modelle gerät er unwillkürlich ins Schwärmen. „Papier biegt sich. Ich kann Sachen machen, die geometrisch gar nicht exakt sind.“ Papier habe Toleranzen, die er ausnutzen könne, erzählt der Aichacher.

Die Schnappologie, die zweite Falttechnik, mit der er arbeitet, hat Strobl eher aus der Not heraus erfunden. Er hatte sich gefragt, was er mit den kurzen Streifen, die beim Falten übrig blieben, machen könnte. Denn der 69-Jährige ist ein Sammler, er hebt alles auf. Entsprechend hatte sich im Laufe der Jahre ein großer Vorrat von kurzen Streifen angesammelt. „Ich war notgedrungen gezwungen, etwas zu erfinden“, erzählt er. Unter dem Titel „Raumfalten Origami in der bildenden Kunst“ stellt Heinz Strobl seine Arbeiten zusammen mit den Rauminstallationen der japanischen Künstlerin Tomoko Fuse aus.

Die Schnappologie basiert am Anfang auf Dreiecken. „Ein Dreiecksrahmen ist stabil, auch wenn seine Ecken Scharniere sind.“ Diese Dreiecke verbindet Strobl dann mithilfe der Falttechnik. „Als ich die Schnappologie entdeckt hatte, habe ich gleich gesehen, welche enorme Kapazität sie hat.“ Erzählt hat er davon zuerst einmal niemandem. „Ich war eifersüchtig, dass alle Welt das macht und vergessen wird, dass es von mir kommt.“ Deshalb hatte Strobl seine Entdeckung zuerst geheim gehalten und sich über die beliebigen Formen gefreut, die er damit bauen kann.

Der Vorteil der Schnappologie: Die aus Dreiecken konstruierten Modelle sind sehr stabil. Sie halten gut die Form. Die in Knotologie gebauten Kunstwerke sind dafür sehr flexibel und lassen sich fast schon knautschen.

Seine Begeisterung für die geometrischen Figuren erklärt Strobl: „Mich fasziniert, wie durch streng restriktive Wiederholung von zum Beispiel Quadraten bemerkenswerte Formen entstehen. Ihre Ästhetik resultiert aus einfacher oder komplexer geometrischer Ordnung.“

Mit seinem Arbeitsmaterial, den Telex-Streifen, muss Strobl allerdings sparsam umgehen. Die Papierstreifen, die früher zum Beispiel als Lochstreifen für Fernschreiber verwendet wurden, werden heute nicht mehr hergestellt.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren