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Umzug

03.11.2017

Leonhardiritt: Festwagen sind fast fertig

Hans Schweizer, Vorsitzender des Leonhardikomittees, holt die detailgetreue Nachbildung der Inchenhofener Wallfahrtskirche aus dem Lager des Bauhofs.
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Hans Schweizer, Vorsitzender des Leonhardikomittees, holt die detailgetreue Nachbildung der Inchenhofener Wallfahrtskirche aus dem Lager des Bauhofs.
Bild: Gerlinde Drexler

Beim Leonhardiritt am Sonntag sind etwa 19 Festwagen dabei. Die Vorbereitungen für den Tag sind schon weit gediehen. Wo es mittelfristig einen Engpass geben wird.

Die „lebenden Bilder“ auf den Festwagen sind beim Leonhardiritt in Inchenhofen das Besondere. Das habe er noch bei keinem anderen Leonhardiumzug gesehen, sagt Hans Schweizer, Vorsitzender des Leonhardikomitees. Die Vorbereitungen für den Umzug am Sonntag, 5. November, sind schon weit gediehen und bei Schweizer laufen alle Fäden zusammen. In der Gemeinde jedes Jahr die rund 50 Darsteller für die lebenden Bilder zu finden, hat der Vorsitzende kein Problem. Mittelfristig rechnet er an anderer Stelle mit einem Engpass.

Der Aufbau und das Vorbereiten der 19 Wagen für den Umzug greift nahtlos ineinander. Eine Gruppe von zehn Rentnern baut auf den Anhängern Rückwände, Pfosten und Wände auf. Anschließend übernehmen etwa 30 Frauen die Dekoration der Wagen mit den Girlanden. Dann sind wieder die Männer dran, die zum Beispiel Blumenkästen auf den Wagen befestigen. Rund 13000 Euro steckt das Komitee jedes Jahr in den Umzug. Spielt das Wetter wie 2016 nicht mit, bleibt es auf einem Teil der Kosten sitzen. Im vergangenen Jahr, als das Wetter schlecht war, betrug das Minus 6000 Euro, sagt Schweizer.

Seit rund zwei Wochen schon laufen in der Bauhofhalle in Inchenhofen, wo die Wagen stehen, die Vorbereitungen für den aktuellen Umzug. Das meiste ist inzwischen geschafft. Hans Haas kommt mit einem Arm voller Kirschlorbeeräste in die Halle. „Die habe ich vom Nachbarn geholt, als er gerade beim Frühstücken war“, verkündet er. Das ist natürlich nur ein Scherz. Haas hat für die grüne Dekoration der Wagen den eigenen Garten geplündert.

Seit rund 15 Jahren hilft er bei den Vorbereitungen mit. „Auf einen Wagen als Darsteller habe ich es noch nicht geschafft“, meint er mit einem Augenzwinkern. Das würde Haas aber auch gar nicht wollen. Denn von den Darstellern wird schon einiges verlangt. Sie müssen bei Wind und Wetter während des gesamten Umzugs in ihrer Position verharren und dürfen das Gleichgewicht auch beim Anfahren der Wagen nicht verlieren.

Rund eineinhalb Stunden dauert es, bis die Wagen die drei Runden um die Wallfahrtskirche gefahren sind. Eineinhalb Stunden, in denen die Darsteller sich nicht bewegen dürfen. Haas kann sich an einen Umzug bei Schneeregen erinnern. Da habe der steif gefrorene Darsteller, der auf dem Pferd saß und das Schwert in die Höhe hielt, anschließend von dem Tier heruntergehoben werden müssen.

Hans Schweizer, der bis vor wenigen Jahren noch selbst als Darsteller auf dem Wagen stand, kennt das. Auch er war schon von dem Wagen gehoben worden, weil er sich nicht mehr rühren konnte. „Das vergisst man nicht.“ Trotzdem: Wer einmal als Darsteller dabei war, wolle das jedes Jahr wieder machen, ist Schweizers Erfahrung.

Die Motivwagen zeigen Szenen aus dem Leben des heiligen Leonhard, aus der Inchenhofener Wallfahrtsgeschichte und aus dem bäuerlichen Leben. Auf einem Wagen steht ein maßstabsgetreues Modell der Inchenhofener Kirche. Alois Dunau hat es vor etwa zehn Jahren angefertigt und sogar an den Leonhardsnagel und die Bäume rund um die Kirche gedacht. Schweizer erzählt: „Er hat sogar die Dachplatten gezählt, damit er auf dem Modell die gleiche Anzahl hat.“

Seit 1965 findet der Leonhardiritt ohne Unterbrechung jedes Jahr in Inchenhofen statt. Die Tradition geht allerdings schon viel länger zurück. Der bereits 1459 eingeführte Leonhardiritt gilt als der älteste in Bayern. Anfang der 1960er Jahre war er wegen Pferdemangel ein paar Mal ausgefallen, erinnert sich der Vorsitzende.

Pferde zu finden, die die Festwagen ziehen, wird für Schweizer immer schwieriger. Die Tiere würden meistens nur in Hallen oder im Freien geritten und seien es nicht gewohnt, eingespannt zu werden, sagt der Vorsitzende. Auch die Umzugsatmosphäre mit Blasmusik und den vielen Menschen ist ihnen fremd. Die Pferde vor den Festwagen kommen inzwischen bis aus Nürnberg oder dem Kemptener Raum. Und auch das nur noch so lange, wie die Besitzer mitmachen. Die jüngere Generation verliere das Interesse daran, sagt Schweizer.

Leonhardiritt

Historie Der bereits 1459 eingeführte Leonhardiritt gilt als der älteste in Bayern. Etwa 200 Pferde, mehrere Musikkapellen und Trachtengruppen nehmen daran teil. Während sich der Weihbischof und mehrere Geistliche hoch zu Ross am Ritt beteiligen, nehmen der Vertreter der Bayerischen Staatsregierung und sonstige Honorationen in Kutschen Platz.

Höhepunkte Besondere Glanzpunkte des Inchenhofener Leonhardiritts sind die Festwagen, auf denen in „lebenden Bildern“ Szenen aus dem Leben des Heiligen Leonhard, aus der Inchenhofener Wallfahrtsgeschichte und aus dem bäuerlichen Leben dargestellt werden. Von der Tribüne gegenüber der Kirche aus werden die vorbeiziehenden Gruppen und Festwagen erklärt.

Pferdesegnung Zur Pferdesegnung wird gebetet und gesungen, Weihwasser gesprengt und mit der Reliquie des Heiligen Leonhard der Segen erteilt.

Festprogramm Samstag, 4. November: 13 bis 14.30 Uhr Beichtgelegenheit bei mehreren Priestern. 18 Uhr Vorabendmesse als Jugendgottesdienst, anschließend Lichterprozession zum Friedhof.

Sonntag, 5. November: 7.30 Uhr Wallfahrtsgottesdienst, 9.30 Uhr Feierliches Pontifikalamt mit Weihbischof Anton Losinger, Augsburg, 11.15 Uhr Wallfahrtsgottesdienst, 13.30 Uhr Beginn des Leonhardirittes mit Pferdesegnung, anschließender Festandacht und Kirchenführung. (drx)

Quelle: Gemeinde Inchenhofen

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