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Inchenhofen

04.11.2019

Leonhardiritt: Wie Inchenhofen die Tradition lebt

Der Reliquienschrein des heiligen Leonhard wird in Inchenhofen von vier Männern mitgetragen.
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Der Reliquienschrein des heiligen Leonhard wird in Inchenhofen von vier Männern mitgetragen.

Plus Nicht nur aus dem Wittelsbacher Land kommen Zuschauer in die Marktgemeinde. Wie es Moderatoren und Darstellern ergeht.

Während der Umzug die St.-Leonhard-Straße entlang führt, wuseln Gabriele und Klaus Landvogt durch die Zuschauerreihen an der Kirche St. Leonhard. Sie sind das erste Mal in Inchenhofen und extra aus München hergekommen. Zwei, drei andere Leonhardiritte haben sie schon besucht, erzählen sie, aber dieser sei der schönste.

„Es ist bewundernswert, dass die Darsteller das so durchziehen“, sagt Gabriele Landvogt im Hinblick auf das trübe Wetter. Die Bilder, die die Darsteller aus dem Leben des heiligen Leonhard am Sonntag zeigen, seien besonders. Weil die Landvogts den Inchenhofener Umzug mal im Fernsehen gesehen haben, ist das Ehepaar her gefahren. „Diese Frömmigkeit auf dem Land kennt man in der Stadt nicht“, sagt Gabriele Landvogt.

Inchenhofen: Eine Zuschauerin achtet besonders darauf, wie sich die Darstellerinnen schminken

Als sich die beiden einen neuen Platz suchen, ist die Prozession schon einmal durch die Marktgemeinde gezogen. Es wird gebetet, gesungen, Kirchenglocken läuten, dann Stille, es riecht nach Weihrauch und aus einem nahe gelegenen Restaurant nach Pizza. Um zwei Uhr, eine halbe Stunde nach Beginn, kommt der Umzug das zweite von drei Malen an der Kirche vorbei.

Eine Zuschauerin aus Altenmünster (Landkreis Augsburg) achtet besonders darauf, wie die Darstellerinnen sich schminken. Auch geflochtenes Haar findet sie schön, genauso wie die alten Trachten in Inchenhofen. Dass der Himmel bedeckt ist und der ein oder andere Regentropfen fällt, findet sie gut. „Dann sind nicht so viele Leute da“, sagt sie.

Auf einem Podium gegenüber der Wallfahrtskirche führen die Moderatoren Doris Stadler, 43, und Hermann Kollmansperger, 65, durch den Nachmittag. Sie sagen Wagen, Pferdegespanne, Gruppen und Gäste an. Dabei müsse man flott sein, sagt Kollmansperger nachher. Dennoch sei es nicht hektisch geworden, als ein Wagen nach dem anderen vorbei fuhr. Die Zuschauer hätten gut durchgehalten.

Nach drei Runden und eineinhalb Stunden ist der Leonhardiritt vorüber, die Gespanne biegen wieder in die Sainbacher Straße ein, wo sie herkamen. Manch ein Kutscher lässt seine Pferde dabei etwas schneller laufen, die Darsteller sind vorher abgesprungen.

Auch Johann Grandels Festwagen Nummer sechs ist leer. In Lederhosen sitzt er auf seinem Gefährt. Er fuhr den Gefangenen-Wagen, auf dem der heilige Leonhard mit Ketten und Fesseln dargestellt wurde. Es ist der vierte Leonhardiritt des 73-Jährigen aus Binswangen in diesem Herbst. Seine Pferde Falko und Flamme hätten auch heute einwandfrei mitgemacht, sagt er.

Inchenhofen: Seit dem fünften Lebensjahr beim Leonhardiritt dabei

Einen Wagen weiter steht Anna Schnur, 18. Sie ist Oberministrantin in Inchenhofen und hat eine Herzogin gespielt. Nun steigt sie von Wagen sieben ab. Während des Ritts hielt sie einen Kelch eineinhalb Stunden lang vor ihren Bauch. „Ich habe ihn zum Glück nicht hochhalten müssen“, sagt sie.

Seitdem sie fünf Jahre alt ist, ist Schnur beim Leonhardiritt dabei. Deswegen sei sie heute nicht nervös gewesen, sagt sie. Schön war, dass sie am Morgen ihre Haare gemacht bekommen hat, erzählt sie. Und, dass es nicht geregnet hat. Vor zwei Jahren seien die Wagen wegen des schlechten Wetters nur zwei Runden gefahren.

Auch Organisator Hans Schweizer ist rundum zufrieden. Er hat auch dieses Jahr wieder viel organisieren müssen. Noch am Samstag musste er eine Ersatz-Darstellerin finden, weil sich jemand den Zeh verknackst hatte.

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