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Interview

20.09.2017

Männliche Tugenden und die Stärken der Frauen

Zu Gast bei Claudia Flassig, der Spielleiterin des Aichacher Volkstheaters, war der aus Untermauerbach stammende Intendant und "Nibelungen"-Autor Thomas Birkmeir.
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Zu Gast bei Claudia Flassig, der Spielleiterin des Aichacher Volkstheaters, war der aus Untermauerbach stammende Intendant und "Nibelungen"-Autor Thomas Birkmeir.
Bild: Manfred Zeiselmair

Das Aichacher Volkstheater spielt „Die Nibelungen“ von Thomas Birkmeir – Autor, Regisseur und Künstlerischer Direktor am Theater der Jugend in Wien. Seine Wurzeln liegen in Untermauerbach

Aichach Eine heitere Persiflage der heroischen Nibelungen-Geschichte wird ab Samstag, 18. November, vom Aichacher Volkstheater auf die Bühne gebracht. Damit haben die Verantwortlichen, allen voran Spielleiterin Claudia Flassig, nicht nur ein besonderes Stück, sondern auch einen besonderen Autor an Land gezogen: Der 53-jährige Thomas Birkmeir ist Künstlerischer Direktor am Theater der Jugend in Wien, dem größten Kinder- und Jugendtheater Europas, und hat seine Wurzeln im Aichacher Ortsteil Untermauerbach. Der Autor, Regisseur und Schauspieler war vor Kurzem zu Gast bei Claudia Flassig. Beide standen uns im Interview Rede und Antwort.

Frau Flassig, Sie sind als Spielleiterin unter anderem für die Stückauswahl und somit auch für den „Nibelungen“-Vorschlag verantwortlich. Kannten Sie als Aichacherin den Untermauerbacher Autor Thomas Birkmeir?

Flassig: Ja und Nein. Ich kannte Thomas zwar von der Schule her, habe ihn dann aber aus den Augen verloren. Zum Zeitpunkt meiner Entdeckung wusste ich nicht, dass ausgerechnet er der Autor unseres Stückes ist. Das war reiner Zufall. Ich hab aber sofort nachrecherchiert und ihn dann als alte Jugendbekanntschaft wiedererkannt. Dies war für mich natürlich doppelte Motivation, sein Stück in die nähere Auswahl zu nehmen.

Herr Birkmeir, Sie sind in Untermauerbach in bäuerlichen Verhältnissen aufgewachsen. War die Schauspielerei ein Kindheitstraum von Ihnen?

Birkmeir: Eigentlich wollte ich damals Pfarrer werden, doch dann kamen mir die Mädchen dazwischen. Auf der Bühne bin ich schon immer gerne gestanden. Ich habe damals schon Texte geschrieben und als Jugendlicher mit meinem Freund Winfried Weiser Kabarett gemacht. Wir nannten uns „Oachkatzl“.

Könnten Sie uns kurz Ihren weiteren Werdegang schildern?

Birkmeir: Nach der Volksschule in Ecknach und Klingen schaffte ich gerade so den Sprung ans Aichacher Gymnasium, hab dann aber ein ganz ordentliches Abitur gemacht. Das Schauspielstudium in München hab ich mir mit Nebenjobs finanziert. Mein Debüt als Schauspieler hatte ich 1988 am Burgtheater in Wien. Man kann kaum besser starten. Damals hatte ich mich am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien für den Studiengang Regie beworben und konnte mein Glück kaum fassen, als ich eine Zusage bekam. Zudem durfte ich „an der Burg“ die Regie-Assistenz unter der Intendanz von Claus Peymann übernehmen. Nach weiteren Stationen als Hausregisseur und Schauspieler am Schauspielhaus Wien sowie Regisseur und Autor am Theater der Jugend Wien folgte ein Engagement als Oberspielleiter am Schlossparktheater Berlin. Seit 2001 bin ich als Künstlerischer Direktor am Theater der Jugend in Wien tätig.

Sie sind nicht nur erfolgreicher Intendant und Regisseur, sondern auch Autor von zahlreichen Bühnenstücken.

Birkmeir: Ich habe in den vergangenen 17 Jahren etwa 20 bis 25 Stücke und Stückbearbeitungen geschrieben, die an etwa 70 verschiedenen Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum gespielt wurden und werden. Darunter sind häufig Stücke für Kinder und Jugendliche, zuletzt meine Zeitreisegeschichte „Der Pirat im Kleiderschrank“. Ich hatte und habe das Glück, auch – nebenbei – an wichtigen Häusern in Deutschland inszenieren zu dürfen.

Wie kam es zu Ihrer „Nibelungen“-Bearbeitung?

Birkmeir: Das Stück ist vor etwa drei bis vier Jahren entstanden und sollte eigentlich als Auftragsarbeit geschrieben werden. Das erste Konzept gefiel mir aber nicht. Darum nahm ich das Heft schließlich selbst in die Hand. Die Spielfassung war in einer Woche fertig. Ich habe Tag und Nacht daran geschrieben. Wir haben das Stück fast vier Monate lang in Wien gespielt. Es wurde ein Riesenerfolg.

Ihre Version der „Nibelungen“ bekam von den Aichachern den Untertitel „Intrigen, Liebe, Heldenblut“ verpasst und wird folgendermaßen beschrieben: „Das berühmteste Heldenepos der deutschen Literatur als heitere Persiflage, erzählt aus der Sicht der ungeborenen Söhne von Kriemhild und Brünhild, welche als emanzipierte Frauen ihren Helden Siegfried, Gunther und Hagen ganz schön einheizen.“ Was ist das Besondere an dem Stück?

Birkmeir: Ich glaube, es ist ein Stück für Jung und Alt, in einer Sprache, die auch die Jugend versteht, teilweise sehr humorig, teilweise sehr ernst. Die heroische Nibelungen-Geschichte ist ja schon fast 1000 Jahre alt. Für mich war es irrsinnig wichtig, einen aktuellen Bezug zur Gegenwart herzustellen. Ich habe dabei ganz bewusst die typisch männlichen Tugenden etwas ironisiert und die Stärke der Frauen in den Vordergrund gestellt. Es sollte eine Familiengeschichte mit hohem Wiedererkennungswert sein. Denn gerade aus der kleinen Familie heraus wird ja oft große Geschichte geschrieben. Auch habe ich Wert darauf gelegt, dass das Stück auch für diejenigen geeignet ist, die die Nibelungen-Sage nicht kennen. Um Schwellenängste abzubauen, habe ich eine humorvolle Herangehensweise gewählt, die auch die Jugend anspricht. Aber ich mache kein „Bespaßungstheater“. Jeder Besucher wird durchaus gefordert. Schließlich wollen wir ja, dass unsere Jugend eine Ahnung von Kunst und Kultur bekommt. Das soll jetzt natürlich nicht heißen, dass in Aichach ein Kinderstück aufgeführt wird, ganz im Gegenteil, das Stück ist für Erwachsene und Jugendliche ab elf Jahren geeignet. Also Jugend: keine Angst! Ich war immer schon der Überzeugung, dass über das Lachen und das Herz der Weg zum Nachdenken führt.

Was machen Sie, wenn Sie kein Theater machen?

Birkmeir: Ich fahre gerne nach Italien. Diese Leidenschaft steckt mir – als Sohn eines Italieners – im Blut. Ich bin fasziniert von diesem Land, das unsere (deutsche) Welt in den letzten 2000 Jahren mit seiner Kultur maßgeblich geprägt hat. Leider bleibt mir nicht allzu viel Zeit für diese Kulturreisen.

Zum Schluss noch eine Frage an die Spielleiterin: Das Stück wird unter der neuen Regisseurin Dagmar Franz-Abbott auf die Bühne gebracht. Können Sie uns schon verraten, welche Protagonisten für die Hauptrollen ausgewählt wurden?

Flassig: Kriemhild, die Prinzessin zu Worms, wird von Teresa Neumaier und Brünhild, die Königin von Island, von Sabine Schneider verkörpert. Elisabeth Drescher spielt Ute, die Mutter von Kriemhild und Gunther. Die männlichen Hauptrollen werden von Stefan Dauber (Gunther, König zu Worms), von Wolfgang Manhart (Hagen von Tronje, Berater des Königs), von Markus Schneider (Siegfried, Prinz von Xanten) und von Robert Predasch (Etzel, König der Hunnen) besetzt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Termine Die Premiere findet am Samstag, 18. November, in der TSV-Halle in Aichach statt. Aufführungen sind am Freitag, Samstag und Sonntag, 24., 25. und 26. November, sowie am 1., 2., 3., 8. und 9. Dezember. Am Sonntag, 26. November, gibt es ein Publikumsgespräch, bei dem sich Autor Thomas Birkmeir den Fragen der Aichacher stellt.

Weitere Infos im Internet unter

www.aichacher-volkstheater.com

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