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Prozess in Aichach

05.06.2014

Mann verprügelt Ex-Freundin während der Autofahrt

Das Amtsgericht in Aichach (Kreis Aichach-Friedberg).
Bild: Archivfoto: Christian Kirstges

Ein 26-Jähriger hatte seine Ex-Freundin während einer Autofahrt geschlagen. Die 26-Jährige hatte sich zuvor mit einem anderen Mann unterhalten.

„So nicht!“, sagte Richterin Beate Schauer mit Nachdruck bei der Urteilsverkündung. Vor ihr lagen Fotos, welche die Verletzungen einer 26-jährigen Frau zeigen: Blutergüsse im Gesicht und mehrere Prellungen. Ihr Exfreund hatte sie nach Überzeugung des Gerichts gegen ihren Willen, in seinem Auto mitgenommen und während der Fahrt verprügelt. Dafür musste sich der 28-Jährige jetzt vor dem Aichacher Amtsgericht verantworten.

Staatsanwalt Moritz Bamberger verlas die Anklage, in der von Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Beleidigung und Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz die Rede war. Der Angeklagte und das Opfer hatten über zehn Jahre hinweg eine Art „On-Off“-Beziehung geführt. Immer wieder trennten sie sich und kamen dann wieder zusammen. Kurzzeitig hatten sie sogar zusammen gewohnt.

Im Oktober besuchten die beiden dann eine Disco im Augsburger Univiertel. Danach fuhren sie zusammen mit dem Auto in Richtung des nördlichen Landkreises Aichach-Friedberg, wo die junge Frau wohnt – darüber, ob sie freiwillig mitfuhr, waren sich die beiden Parteien uneinig. Die 26-Jährige, die auch als Nebenklägerin an der Verhandlung teilnahm, sagte der Richterin, er habe sie in das Auto geschubst und eingesperrt. Der Angeklagte erklärte, sie habe selbst entschieden mitzukommen. Sein Verteidiger wies darauf hin, dass sich das Auto von innen entriegeln lasse. Außerdem hielt sein Mandant an einer Tankstelle an, wo er und das Opfer etwas aßen. „Wieso ich da nicht gegangen bin, weiß ich selbst nicht“, sagte die Frau vor Gericht.

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In der Disko hatte sich die Exfreundin mit einem anderen Mann unterhalten

Der größte Teil der Tat geschah erst nach dem Halt. In der Disco hatte sich die Frau mit einem anderen Mann unterhalten, was den Angeklagten wütend machte. Auf der Fahrt kam es deshalb zum Streit. In dessen Verlauf forderte die Frau ihn mehrfach auf, sie abzusetzen. Das tat der 28-Jährige aber nicht. Stattdessen entriss er ihr das Handy und las ihre Nachrichten. Wütend darüber, dass sie mit anderen Männern Kontakt hatte, beleidigte er sie und schlug zu. Zuerst während der Fahrt, dann fuhr er auf einen Weg neben der B17. Dort verprügelte er sie, unter anderem schlug er ihr ins Gesicht. Die 26-Jährige musste sich danach übergeben, wie sie aussagte. Danach fuhr er sie nach Hause und holte seine Sachen aus ihrem Zimmer. Der Richterin erzählte sie, dass es nicht das erste Mal war, dass er sie geschlagen hatte. Allerdings sei es vorher nie zu schlimmen Verletzungen gekommen.

Der Angeklagte gestand die Körperverletzung. Die Anwälte der beiden Parteien hatten sich bereits vor der Verhandlung auf einen Täter-Opfer–Ausgleich geeinigt. Einen Teil des vereinbarten Schmerzensgeldes hatte der 28-Jährige am Tag vor der Verhandlung überwiesen.

Der 26-Jährige hatte einen Entschuldigungsbrief verfasst

Für den Angeklagten sprach, dass er bisher nicht vorbestraft war. Außerdem hat er bereits einen Tag nach der Tat einen Entschuldigungsbrief verfasst und seiner Exfreundin zukommen lassen. Weil dieser Brief so schnell und ohne Hilfe eines Anwalts geschrieben wurde, zweifelte niemand an der Aufrichtigkeit seiner Entschuldigung. „Wenn ich könnte, hätte ich es schon längst rückgängig gemacht“, heißt es in dem Brief.

Das rechneten ihm Staatsanwalt Bamberger, der Anwalt der Nebenklägerin, Norbert Krix, und Richterin Schauer hoch an. Die Richterin verurteilte ihn dennoch wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen. Die Verteidigung hatte auf 90 Tagessätze plädiert, der Staatsanwalt forderte 180. Der Angeklagte muss somit 4500 Euro sowie die Prozesskosten bezahlen.

Der letzte Anklagepunkt wurde während der Verhandlung gestrichen. Nach seiner Tat war dem jungen Mann verboten worden, Kontakt mit dem Opfer aufzunehmen. Dennoch telefonierten die beiden mehrmals, schrieben Kurznachrichten und trafen sich sogar. Allerdings ging der Kontakt zum Teil auch von der 26-jährigen aus. Die Strafe für diese Verstöße würde deshalb in Hinblick auf die Strafe für seine anderen Taten nicht ins Gewicht fallen, so Richterin Schauer. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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