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Medizinische Hilfe im Notfall: Die Lücken sind zu groß

Medizinische Hilfe im Notfall: Die Lücken sind zu groß
Kommentar Von Nicole Simüller
03.01.2020

Im Wittelsbacher Land gibt es nicht nur an Feiertagen Probleme mit der Notfallversorgung. Das muss sich dringend ändern - im Sinne aller Beteiligten.

Die Bevölkerung auf dem Land hat die gleiche Überlebensberechtigung wie in der Stadt“ – eine Selbstverständlichkeit, möchte man meinen. Offenbar nicht, wenn ein Notarzt diesen Satz im Gespräch mit unserer Redaktion, in dem es um Probleme in der notfallmedizinischen Versorgung geht, ganze drei Mal wiederholt.

Es darf nicht sein, dass immer öfter Notarztschichten unbesetzt bleiben und manchmal auch am Nachbarstandort kein Notarzt verfügbar ist, so wie es an Weihnachten zeitweise der Fall war. Dass nicht nur Feiertage betroffen sind, zeigen Zahlen des Bayerischen Roten Kreuzes vom Freitagmittag: Demnach war/ist der Standort in Aichach auch in der Nacht vom Neujahrstag zum Donnerstag, am Donnerstag und Freitag tagsüber, an diesem Samstag tags und nachts sowie am morgigen Sonntag tagsüber nicht besetzt.

Im Ernstfall kommt es auf schnelle Hilfe an. Das funktioniert nicht, wenn der „nächstgelegene“ Notarzt eine aberwitzig weite Anfahrt hat. Von schlechtem Wetter, winterlichen Straßenverhältnissen oder Einsätzen bei Nacht ganz zu schweigen. Es darf nicht sein, dass Gesundheit und Leben von Menschen davon abhängen, ob sich vielleicht doch noch ein Arzt zum Dienst meldet, obwohl er damit draufzahlt.

Medizinische Hilfe im Notfall: Die Lücken sind zu groß

Das Notarzt-System muss attraktiver werden

Es darf nicht sein, dass sich verantwortungsvolle Notfallsanitäter in rechtliche Grauzonen wagen müssen, um einem Patienten bestmöglich zu helfen, bis der Notarzt eintrifft. Wenn er nicht früh genug da sein kann, müssen die, die vor ihm ankommen, so ausgebildet sein, dass sie eingreifen können – und sie müssen es dürfen. Doch nicht jeder engagierte Ehrenamtliche wird eine so aufwendige Ausbildung meistern können und wollen.

Deshalb muss das Notarzt-System, das derzeit auf Freiwilligkeit beruht, so attraktiv gemacht werden, dass es funktioniert. Oder es muss doch über eine Art Dienstpflicht nachgedacht werden. Würden mehr Notärzte ausgebildet, könnten Lücken zudem leichter gefüllt, die Last verteilt werden.

Dass es in den meisten Fällen nicht auf jede Sekunde ankommt, wie Notärzte bestätigen, darf dabei keine Ausrede sein. Die Menschen im Landkreis – der immerhin den Titel „Gesundheitsregion plus“ trägt – müssen darauf vertrauen können, dass sie im Notfall schnell qualifizierte Hilfe bekommen. Immer. Auch bei schlechtem Wetter, nachts und an Feiertagen.

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