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Aichach-Friedberg

13.10.2020

Mehr als 1000 alte Obstbäume im Wittelsbacher Land erfasst

Im Landkreis Aichach-Friedberg gibt es zahlreiche Apfel- und Birnensorten.
Bild: Mohssen Assanimoghaddam, dpa (Symbolbild)

Plus Der Landkreis legt auf drei Hektar Fläche bei Aichach einen Garten an und bildet Obstbaumpfleger aus. Ziel ist der Erhalt alter Obstsorten.

Der Hügelsharter Gravensteiner ist eine Apfelsorte, die es fast ausschließlich im Wittelsbacher Land gibt. Ebenso der „Schöner aus Gebenhofen“. Das ergab eine Zählung von alten Apfel- und Birnenbäumen, die im Rahmen des Leader-Kooperationsprojektes „Erhaltung der Obstsortenvielfalt in Nordschwaben“ durchgeführt worden war. 6500 Obstbäume wurden insgesamt erfasst, davon über 1000 im Landkreis. Hans-Thomas Bosch, Pomologe und Projektleiter, präsentierte die Ergebnisse am Samstag vor rund 100 Zuhörern im Kreuzgratgewölbe in Aichach.

Viele Ehrenamtliche haben Obstbäume im Kreis Aichach-Friedberg erfasst

Viele Kilometer legten Bosch und seine Helfer zurück, um die alten Bäume zu erfassen. Über 260 Adressen standen auf seiner „Reiseliste“, die ihn quer durch das Wittelsbacher Land sowie in die Landkreise Augsburg, Donau-Ries und Neu-Ulm führte. Warum es für ihn so wichtig war, vor Ort zu sein, begründete er so: „Wenn Sie nur Quellen nutzen und nicht draußen waren, werden Sie nur einen Bruchteil abbilden können.“ Von 2016 bis 2019 lief das Projekt, bei dem unter Federführung des Vereins Monheimer Alb-Altmühljura die Streuobsterfassung in Schwaben komplettiert werden sollte.

Etliche Besucher der Abschlussveranstaltung hatten Äpfel mitgebracht, um sie von dem Pomologen und Agraringenieur Hans-Thoams Bosch (links) bestimmen zu lassen.
Bild: Gerlinde Drexler

„Ganz viele Menschen haben sich über die Zeit hinweg engagiert“, sagte Landrat Klaus Metzger. Zum Beispiel die Gartenbauvereine und Gartenbesitzer, die Standorte von alten Obstbäumen meldeten, Mitarbeiter der jeweiligen Landratsämter und Ehrenamtliche, die das Projekt unterstützten. Wie zum Beispiel Wendelin Schuster aus Sielenbach. Er hat in seinem Garten nicht nur einen großen Bestand an alten Obstbaumsorten. Der Gärtnermeister machte auch an den dokumentierten Bäumen im Landkreis den Reiserschnitt, um sie für die Nachzucht zu erhalten.

Den Bestand im Wittelsbacher Land dokumentierte der Projektleiter unter anderem in Freienried (Gemeinde Eurasburg), Friedberg und dem Stadtteil Ottmaring, Schorn (Markt Pöttmes), Rehling, Edenried (Stadt Aichach) und Rieden (Gemeinde Dasing). Mit den 6500 Bäumen, die er im gesamten Projektgebiet erfasst hatte, war Bosch überzeugt: „Anhand dieser Zahl kann man sagen, dass wir das wesentliche Sortiment abgebildet haben.“

Mehr als 200 Apfelsorten konnten von Experten bestimmt werden

Sicher bestimmen konnten der Pomologe und sein Team bisher 210 Apfel- und 71 Birnensorten. Von weiteren 76 Apfel- und Birnensorten würden sie bisher den Sortennamen noch nicht kennen, so der Projektleiter. „Es wird immer schwieriger, den Bezug zur Historie herzustellen“, sagte Bosch mit Blick auf die mindestens 100 Jahre, die die Obstbäume alt sind. Auch unbekannte Sorten seien erhaltenswert, betonte er. „Man braucht sie genauso wie Sorten mit Namen zum Beispiel als Genpool.“

Zu den beiden regionaltypischen Sorten, die es bis auf Ausnahmen nur im Wittelsbacher Land gibt, gehört der Hügelsharter Gravensteiner. Von den 44 erfassten Bäumen stehen 39 im Landkreis, fünf im Landkreis Augsburg. 23 von 25 dokumentierten Bäumen der Sorte „Schöner aus Gebenhofen“ sind ebenfalls im Wittelsbacher Land. Nur jeweils einen Baum fand Bosch in den Landkreisen Augsburg und Donau-Ries.
 

Zu den gefährdeten Sorten gehören im Landkreis Salemer Klosterapfel, Martiniapfel und Nimmermür. Hier konnte Bosch jeweils nur noch einen Baum erfassen. Als gefährdete regionaltypische Birnensorte bezeichnete er die Schwäbische Wasserbirne. In einer Abschlussbroschüre, die voraussichtlich Mitte November erscheinen wird, können die Ergebnisse nachgelesen werden.

Landrat Metzger: Die Sortenvielfalt soll erhalten werden

Warum der ganze Aufwand, um den Bestand an alten Obstsorten zu erfassen? Das fasste Landrat Metzger so zusammen: "Die Sortenvielfalt ist ein bedeutendes genetisches Erbe, das ohne unser Engagement nicht überdauern kann." Die Ergebnisse der Erfassung, auch aus weiteren schwäbischen Landkreisen, werden zentral in der Versuchsstation für Obstbau in Schlachters (Landkreis Lindau) aufbewahrt. Um das genetische Erbe praktisch zu sichern, stellt der Landkreis beim alten Kreisgut eine rund drei Hektar große Fläche zur Verfügung, auf der ein Obsterhaltungsgarten eingerichtet werden soll.

In einem neuen Leader-Projekt geht es um die Pflege des Gartens. Der Landkreis plane dafür die Ausbildung von 20 qualifizierten Obstbaumpflegern, sagte Kreisfachberaterin Manuela Riepold. Die kostenlosen Kurse sollen nächstes Jahr beginnen. Riepold wünscht sich junge Teilnehmer, die „die Pflege des Erhaltungsgartens über viele Jahre umsetzen können“.

Lesen Sie dazu auch: Corona-Fall auf Obsthof bei Adelzhausen: 70 Erntehelfer in Quarantäne

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