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Konzert

29.01.2019

Musik, die nicht in ist, füllt einen Saal

Die Lechtown Kneeoilers in der Aichacher Wandelbar: (von links) Wolfgang Immerz (Schlagzeug), Dieter Strobel (Banjo), Roland Höffner (Bass), Werner Heible (Posaune, Gesang), Edwin Göppel (Trompete), Reinhold Bauer (Klarinette) und Dietmar „Johnny“ Jahn (Saxofon).
Bild: Manfred Zeiselmair

Jazz, Blues und Dixie von den Augsburger Kneeoilers sind beim Aichacher Publikum ein Ankommer

Wenn es nach bayrischen Gesichtspunkten geht, passt ein Dixieland-Konzert am besten zu einem sommerlichen Weißwurst-Frühschoppen im Biergarten. Dass diese Musikrichtung auch in der kalten Jahreszeit in einem überheizten Kneipensaal für gute Laune sorgen kann, beweisen am Freitag die Lechtown Kneeoilers in der Aichacher Wandelbar. Im Rahmen der von Arnold Fritscher organisierten Jazzreihe gibt das „älteste Augsburger Jazzensemble“ ein Gastspiel. Klassischer Oldtime-Jazz, Blues und Dixie waren angesagt.

Die 1956 aus einer Schulband des Augsburger Holbein-Gymnasiums entstandene Formation ist seit nunmehr 63 Jahren in Sachen originärer Jazzmusik unterwegs. In Aichach beweisen die Kneeoilers wieder einmal, dass sie keineswegs zum alten Eisen gehören. Obwohl – oder gerade weil – an diesem Abend mit Dietmar „Johnny“ Jahn einer der Gründungsväter mit auf der Bühne steht. Der mittlerweile 80-Jährige bedient routiniert wie eh und je sein Saxofon und macht die Moderation selbst – auch wenn seine Stimme erkältungsbedingt zunehmend krächzender klingt. „Wir haben nur einen Sprecher“, erklärt er schmunzelnd und macht sich selbst zum Leader. Obwohl Oldtime-Jazz in Johnnys Augen „nicht mehr so in“ ist, hat sich der Saal schnell gefüllt – trotz des zeitgleich laufenden Handball-WM-Halbfinales. Was ihn besonders berührt: Sogar „ganz junge Leute“ sind im Publikum.

Nicht mehr ganz so jung, aber immerhin „verjüngt“ präsentieren sich die „Knie-Öler“ in Aichach – und zwar in einer klassischen, siebenköpfigen Besetzung. Getragen vom Drive der Rhythmusgruppe um Schlagzeuger Wolfgang Immerz, Banjo-Man Dieter Strobel und Bassist Roland Höffner ziehen besonders die Bläser die Aufmerksamkeit auf sich. Neben Oldie „Johnny“ Hahn (Tenor- und Bariton-Sax) und Werner Heible (Posaune, Gesang) offenbaren der Hugo-Strasser-Big-Band-erfahrene Erwin Göppel an der Trompete und Musikpädagoge Reinhold Bauer an der Klarinette absolut professionelles Können.

Ohne das Publikum aus den Augen zu verlieren und mit sichtlichem Spaß servieren die gestandenen Freizeitmusiker die alten Titel von den Anfängen des Jazz bis in die 1950er-Jahre. Vom ursprünglichen New-Orleans-Jazz bis hin zum New-York- und europäischen Oldtime-Jazz ist alles vertreten – angefangen beim legendären Mississippi-Trompeter Louis Armstrong über Benny Goodman und Duke Ellington bis zum britischen Posaunisten Chris Barber. Es fehlen weder Ragtime- noch Blues- oder Swing-Nummern, weder Jazz-Standards wie „Dinah“, „Avalon“ oder „I Can’t Give You Anything But Love“ noch Klassiker wie „St. Louis Blues“ oder „Tiger Rag“. Sogar das jiddische „Bei Mir Bistu Shein“ wird auf Kneeoiler-Art intoniert. Bei den Dixieland-Arrangements bekommt jedes Instrument seinen Raum. Jeder Musiker kann sich im Solo individuell präsentieren, was immer wieder zu Szenenapplaus führt, ehe es zum meist gemeinsamen Showdown kommt.

Sogar für ein spontanes Geburtstagsständchen für den Gast Claus sind sich die Lechtowner nicht zu schade. Das schafft Sympathie im altbayrischen Lager. Auch für fachmännische Tipps am Rande sind sie zu haben: Als der 50-jährige Saxofon-Anfänger Alex aus Aichach den Oldie Jahn nach dem Geheimnis seines Mundstücks fragt, lädt ihn dieser spontan zu einer Musikprobe ein: in ein Gartenhäuschen im Augsburger Stadtteil Oberhausen, wo sich die Lechtown Kneeoilers seit den frühen 60er-Jahren montags zum Proben treffen. Schließlich marschieren die sympathischen Sieben mit „When the Saints“ und singender Saalunterstützung dem Ende zu, bevor sie bei „Ice Cream“ noch einmal alle Register ziehen.

Übrigens: Wer die Lechtown Kneeoilers einmal in einem bayrischen Biergarten erleben will, der hat in der Alten Villa in Utting am Ammersee von Mitte Mai bis Ende August, jeweils sonntags und einmal monatlich, die Gelegenheit dazu.

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