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Prozess

22.10.2019

Nach Faustschlag auf einem Auge blind

Gewalt auf dem Volksfest: Ein heute 20-Jähriger ist nach einem Faustschlag ins Gesicht auf einem Auge nahezu blind. Der Täter stand gestern vor dem Aichacher Schöffengericht und wurde verurteilt.Karl-Josef Hildenbrand/dpa

20-Jähriger will Streit auf Volksfest schlichten. 26-Jähriger fühlt sich angemacht

Auf einem Auge so gut wie blind ist heute ein 20-Jähriger aus dem südlichen Landkreis. Er hatte im Juni vergangenen Jahres bei einem Streit auf dem Meringer Volksfest schlichten wollen und einen Faustschlag ins Gesicht abbekommen. Zugeschlagen hatte ein heute 26-Jähriger aus dem südlichen Landkreis. Wegen Körperverletzung stand er deshalb gestern vor dem Schöffengericht am Aichacher Amtsgericht. Die Persönlichkeitsstruktur, die sich hinter dem 26-Jährigen verberge, sei bei der Verhandlung kurz aufgeblitzt, sagte Walter Hell, Vorsitzender des Schöffengerichts.

Damit spielte er unter anderem auf die 30000 Euro Schulden an, die der Angeklagte nach dem Kauf einer Nobelkarosse noch hat. Hell bezog sich aber auch auf eine Verurteilung des Amtsgerichts Augsburg vom Oktober 2018. Der 26-Jährige war unter anderem verurteilt worden, weil er die Scheibe eines Autohauses eingeworfen und einen Porsche Carrera gestohlen hatte. Außerdem hatte er einen Erpresserbrief hinterlassen und 5000 Euro gefordert. Dafür war er zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten sowie einem Monat Fahrverbot verurteilt worden. Grundlage für das Urteil war ein Deal gewesen.

Ein paar Monate vorher war der Vorfall auf dem Volksfest, bei dem der Angeklagte den 20-Jährigen mit einem Faustschlag ins Gesicht schwer verletzte. Den Schlag räumte der Angeklagte jedoch erst ein, als sein Verteidiger Moritz Bode zusammen mit Vertretern des Gerichts, der Staatsanwaltschaft und dem Nebenkläger einen Deal ausgehandelt hatte.

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Er habe sich von dem 20-Jährigen angemacht gefühlt, begründete der Angeklagte den Faustschlag. Gerade weil er eine Eskalation vermeiden wollte, sei er bei dem Streit dazwischengegangen und habe die beiden Streitenden mit den Händen auseinandergehalten, sagte der 20-Jährige aus. Bei dem Faustschlag, der ihn völlig überraschend traf, erlitt er einen Jochbeinbruch sowie einen Riss der Netzhaut im linken Auge. Zwei Wochen lang war er im Krankenhaus und wurde mehrfach am linken Auge operiert. Mit einer Sehleistung von unter fünf Prozent ist der 20-Jährige auf dem Auge heute so gut wie blind.

Staatsanwältin Stefanie Dylla hielt dem Angeklagten zugute, dass er sich bei dem 20-Jährigen entschuldigte und mit einer Anzahlung von 500 Euro Schmerzensgeld guten Willen gezeigt habe. Gegen ihn sprach, dass er den anderen mit seinem Faustschlag erheblich verletzt hatte und der ein Leben lang darunter leiden wird. Stefanie Dylla plädierte entsprechend dem ausgehandelten Deal für eine zweijährige Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung, die das Urteil des Augsburger Amtsgerichts mit einbezieht. Außerdem muss er insgesamt 5000 Euro an den 20-Jährigen zahlen und ein drogenfreies Leben nachweisen. Vier Monate auf Bewährung forderte die Staatsanwältin für den zweiten Anklagepunkt, den Kauf von 1,35 Gramm Marihuana.

Sein Mandant mache auf ihn einen geläuterten Eindruck, sagte dagegen Verteidiger Bode. Er sprach sich für eine höchstens zweijährige Bewährungsstrafe aus sowie zwei Monate für den Kauf der Drogen. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Walter Hell verurteilte den 26-Jährigen wegen Körperverletzung zu zwei Jahren auf Bewährung und der Zahlung von 5000 Euro. Dazu kommt eine dreimonatige Bewährungsstrafe für den unerlaubten Kauf von Drogen.

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