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Pöttmes

22.01.2020

Nach Leukämie-Diagnose: 21-jährige Lisa ist wieder zu Hause

Die 21-jährige, an Leukämie erkrankte Lisa aus Pöttmes ist zurück bei ihrer Familie. Sie wurde aus dem Uniklinikum Augsburg entlassen, wo ihr vor Weihnachten Stammzellen ihres Vaters transplantiert worden waren.
Bild: Hross (Archiv)

Plus Zwölf Wochen lag die an Leukämie erkrankte Lisa, 21, aus Pöttmes in der Klinik. Fast 1500 Menschen ließen sich typisieren. Wie es ihr jetzt geht.

Das neue Jahr begann für Lisa aus Pöttmes (Landkreis Aichach-Friedberg) dort, wo das alte aufgehört hatte: auf der Intensivstation des Uniklinikums Augsburg. Jetzt ist die 21-Jährige wieder daheim bei ihrer Familie. Am Dienstag vergangener Woche durfte sie nach Hause zu ihren Eltern, ihrem Bruder und ihren Großeltern.

Fast auf den Tag genau vor drei Monaten hatte die junge Frau die niederschmetternde Diagnose erhalten: Leukämie.Wegen eines entzündeten Fingers war sie zum Arzt gegangen – aus Sorge vor einer Blutvergiftung. Tests ergaben auffällige Werte. Nur zwei Tage später begann die Chemotherapie.

Wochen auf Intensivstation setzten Lisa zu

Zwölf Wochen lang musste Lisa im Krankenhaus bleiben, sechs davon lag sie auf der Intensivstation. Ihre Mutter, Johanna Hross, sagt: „Das war schon eine lange Zeit.“ Vor allem die vergangenen Wochen auf der Intensivstation hätten ihrer Tochter zugesetzt. „Momentan geht es ihr aber ganz gut“, erzählt Johanna Hross am Mittwochnachmittag.

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Nach wie vor darf ihre Tochter kaum ins Freie. Sie muss aufpassen, dass sie sich keinen Infekt holt. Wie schon im Krankenhaus desinfiziert die Familie auf Anraten der Ärzte nach Möglichkeit alles, bevor Lisa es anfasst. „Wir müssen immer wieder überlegen, was sie darf“, sagt ihre Mama. „Aber das spielt sich ein“, ergänzt sie mit fester Stimme. Die Familie komme damit gut zurecht.

1462 Menschen aus der ganzen Region ließen sich für Lisa aus Pöttmes und andere an Leukämie Erkrankte als potenzielle Stammzellenspender registrieren. Hunderte weitere erledigten das auf dem Postweg, indem sie sich Wattestäbchen zuschicken ließen. Sie alle stehen bereits in der weltweiten Datenbank.
Bild: Vicky Jeanty (Archiv)

Helferkreis organisierte große Typisierungsaktion

Die Familie und Freunde unterstützten die 21-Jährige in den vergangenen Monaten nach Kräften. Ein örtlicher Helferkreis organisierte mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eine große Typisierungsaktion. 1462 Menschen ließen sich dabei am ersten Adventswochenende in der Pöttmeser Schulturnhalle als potenzielle Stammzellenspender für Lisa und andere Betroffene registrieren. Sie kamen aus der ganzen Region. Manche von ihnen fuhren bis aus Günzburg in die 7000-Einwohner-Gemeinde im Wittelsbacher Land. In den sozialen Netzwerken hatte sich der Aufruf zur Typisierungsaktion in Windeseile verbreitet.

Die Aktion musste sogar um eine Stunde verlängert werden, um alle Wartenden aufzunehmen. Die 21-Jährige verfolgte den Ansturm sichtlich gerührt per Videoschalte aus der Klinik. Für sie begann an diesem Tag ihr dritter Chemoblock.

Weltweit wurde nach passendem Stammzellenspender gesucht

Unterdessen wurde weltweit nach einem passenden Stammzellenspender für sie gesucht – vergeblich. Ihre Gewebemerkmale sind so selten, dass sich selbst unter Millionen potenziellen Stammzellenspendern kein „genetischer Zwilling“ fand. Daher entschieden sich die Ärzte letztlich doch für einen anderen Weg: Eine Woche vor Weihnachten transplantierten sie Lisa Stammzellen ihres Vaters. Ob das erfolgreich war, steht noch nicht abschließend fest. Erst in einigen Wochen seien die Untersuchungen abgeschlossen, erklärt Johanna Hross. Bis dahin muss Lisa zwei Mal pro Woche zum Bluttest ins Uniklinikum.

Die Typisierungsaktion in Pöttmes wirkt weiter nach. Bis Ende November ließen sich infolgedessen 600 Menschen allein aus dem Landkreis Aichach-Friedberg auf dem Postweg registrieren. Brigitte Lehenberger, die sich ehrenamtlich für die DKMS engagiert, sagt: „Ich denke, dass auch im Dezember noch viel ging.“ Diese Zahlen sowie die aus den umliegenden Landkreisen lägen der DKMS aus statistischen Gründen erst ab Februar vor.

Stammzellenspender aus Pöttmeser Aktion sind schon in der Datenbank

Doch die Hilfe kommt bereits an: Wer sich im Zuge der Aktion für Lisa als potenzieller Stammzellenspender aufnehmen ließ, ist schon in der weltweiten Datenbank registriert. Die Aufnahmebestätigungen wurden Lehenberger zufolge bereits versandt. Sie ergänzt: „Wer sein Registrierungsset noch daheim hat, soll es bitte zurückschicken. Viele andere warten auch darauf.“

Lisa und ihre Familie hoffen nun auf das abschließende Untersuchungsergebnis. Die 21-Jährige ist ihrer Mutter zufolge sehr schwach. „Sie muss sich noch erholen.“ Die Ärzte hätten angekündigt, dass der Genesungsprozess etwa ein Viertel- bis halbes Jahr dauere. Nach der Stammzellentransplantation ging es Lisa sehr schlecht. Durchfall und Übelkeit machten ihr zu schaffen. Ihre Mama denkt ungern daran zurück: „Das war nicht schön.“ Doch Lisa biss sich durch und war schließlich so weit, dass die Ärzte sie entlassen konnten. Jetzt, so hofft die Familie, geht es für sie daheim in Pöttmes Schritt für Schritt bergauf. Ihre Mama sagt: „Sie muss sich erst wieder zurück ins Leben kämpfen.“

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