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Aichach

23.04.2015

Nach Unfall mit Schwerverletzten - Verursacher kämpft um seinen Job

Vor dem Aichacher Amtsgericht hat ein 57-jähriger Unfallfahrer überzeugend Reue gezeigt - und eine Strafmilderung erzielt. So wird er seinen Job weiter ausüben können.
Bild: Archivfoto: Christian Kirstges

Ein 57-Jähriger hat im vergangenen August betrunken einen schweren Unfall verursacht. Er geht vor Gericht, um eine Vorstrafe zu verhindern. Die Opfer verstehen das.

Bei fast jedem Satz, den ein 57-jähriger Familienvater jetzt vor dem Aichacher Amtsgericht sprach, kamen ihm die Tränen. Der Vertriebsleiter aus dem nördlichen Landkreis Aichach-Friedberg schilderte Richter Axel Hellriegel und den weiteren Beobachtern eindringendlich, dass seine Existenz vom Ausgang der Verhandlung abhänge. „Es kann sein, dass ich keinen Job mehr habe, wenn ich hier rausgehe“, erklärte der Angeklagte.

August 2014: Angeklagter verursacht schweren Unfall mit 1,7 Promille

Der 57-Jährige hatte im August vergangenen Jahres mit fast 1,7 Promille im Blut bei Mühlhausen (Gemeinde Affing) einen schweren Verkehrsunfall verursacht. Dabei bog er beim Campingplatz auf die Augsburger Straße Richtung Mühlhausen ein. Nach wenigen Metern geriet er in seinem Audi A6, einem Dienstwagen, auf die Gegenfahrbahn, wo sein Wagen frontal in den Mercedes eines Rentner-Paares aus München prallte.

Dessen 67-jähriger Fahrer und seine 63 Jahre alte Begleiterin erlitten schwere Verletzungen, unter denen sie noch heute leiden. Die Frau hat unter anderem mit Schäden an der Wirbelsäule zu kämpfen, der Mann trug komplizierte Brüche am rechten Fuß und der rechten Hand davon. Er hat seitdem Schmerzen beim Auftreten.

Überzeugende Reue: Unfallfahrer kämpft vor Gericht um seinen Job

Der wegen Straßenverkehrsgefährdung angeklagte 57-Jährige zeigte vor Gericht große Reue und entschuldigte sich mehrmals bei den Unfallopfern, die als Nebenkläger auftraten. Seine Schuld hatte der Mann bereits vor dem Prozess anerkannt. Er hatte aber Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt, weil er durch die Höhe der verhängten Tagessätze als vorbestraft gelten würde.

Seinen Job wäre er dann wohl los. Der Strafbefehl sah eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 120 Euro vor (insgesamt 14.400 Euro). Nur bis einschließlich 90 Tagessätzen gilt ein Verurteilter als nicht vorbestraft. Außerdem sah der Strafbefehl einen mehr als zweijährigen Führerscheinentzug vor. Auch dies macht dem Unfallverursacher schwer zu schaffen, da er ohne Führerschein nicht mehr zu auswärtigen Kunden fahren kann.

Michael Bauer, Anwalt des psychisch angeschlagenen Angeklagten, trug zugunsten seines Mandanten vor, dass dieser in der Zwischenzeit eine verkehrspsychologische Schulung absolviert habe und jetzt ganz auf Alkohol verzichte. Außerdem hat er im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs bereits 9000 Euro an das Münchner Paar gezahlt, um Kosten abzudecken, die die Haftpflichtversicherung nicht übernimmt.

Nach milderem Urteil: 57-Jähriger wird Beruf wohl weiter ausüben können

Diese beiden strafmildernden Gesichtspunkte seien im Strafbefehl noch nicht berücksichtigt, erklärte Richter Hellriegel. Er kam daher in seinem Urteil Bauers Forderung nach und setzte sowohl die Geldstrafe auf 90 Tagessätze à 120 Euro (10.800 Euro) als auch die Führerscheinsperre auf jetzt noch 14 Monate herab.

Staatsanwältin Verena Schön plädierte dafür, die Vorgaben des Strafbefehls beizubehalten. Doch selbst der Anwalt der Nebenkläger, Andreas Waldschmidt, hatte nichts gegen eine Verringerung der Strafe auf 90 Tagessätze einzuwenden. „Meine Mandanten werden nicht gesünder, wenn die Strafe höher ist“, sagte er. Der Angeklagte und die Nebenkläger nahmen das Urteil an.

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