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Pöttmes

03.12.2019

Nach der Typisierungsaktion für Lisa sind Familie und Helfer überwältigt

Schlange stehen bis auf die Straße, um Lisa zu helfen: Die ersten Spendenwilligen kamen bereits um 10.30 Uhr zur Pöttmeser Schule, um kurz vor 17 Uhr wurden die letzten registriert.
Bild: Vicky Jeanty

Plus 1462 Menschen ließen sich in Pöttmes als potenzielle Stammzellspender für Lisa typisieren. Familie und Helfer sind überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft.

Johanna Hross ist immer noch überwältigt: Für ihre an Leukämie erkrankte Tochter Lisa und andere Betroffene ließen sich am Samstag in der Pöttmeser Schule 1462 Menschen als potenzielle Stammzellenspender registrieren. „Ich hätte niemals mit so vielen gerechnet“ sagt sie am Montag. „Hoffen wir, dass nicht nur unserer Tochter, sondern auch anderen Betroffenen geholfen werden kann.“

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Die 21-jährige Lisa aus Pöttmes ist an Leukämie erkrankt. Sie braucht dringend einen Stammzellenspender.
Bild: DKMS

Lisas Mutter: „Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn!“

Die Hilfsbereitschaft war immens: Schon eine halbe Stunde vor Beginn standen die ersten Menschen vor der Turnhalle. Die Schlange wurde immer länger. Johanna Hross sagt: „Ich war einfach nur geplättet.“ Nicht nur die Menge der Wartenden beeindruckte sie zutiefst, sondern auch, dass niemand murrte, weil er warten musste. „So viel Hilfsbereitschaft – spitzenmäßig, ganz toll “, sagt sie und fügt hinzu: „Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn!“

Bis 17 Uhr war sie in der Schule, danach fuhr sie zu ihrer Tochter ins Uniklinikum. Bis dahin hatten Freunde Lisa mit Bildern, Videos und telefonisch von Pöttmes aus auf dem Laufenden gehalten. „Lisa war sehr beeindruckt und zu Tränen gerührt“, erzählt ihre Mama. Den Rückhalt kann die 21-Jährige gut gebrauchen: Noch am Samstag begann ihr dritter Chemoblock. Während der Chemo geht es ihr nicht gut: Sie habe Muskelschmerzen und Kopfweh, erzählt ihre Mama.

Nach der Typisierungsaktion für Lisa sind Familie und Helfer überwältigt

Suche nach Stammzellspender kann noch Wochen dauern

Seit Mitte November wird für Lisa weltweit nach einem passenden Stammzellenspender gesucht. Ihr Bruder Florian kommt nicht infrage. Circa acht bis zwölf Wochen dauert es laut Brigitte Lehenberger, ehrenamtliche Unterstützerin der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), bis nach dem Beginn des Suchlaufes feststeht, ob ein passender Stammzellenspender dabei ist. Lehenberger weiß: „Das ist eine ganz höllische Zeit für die Familien, bis die Nachricht kommt.“ Es dauert seine Zeit, bis potenzielle Spender benachrichtigt, ihre exakten Gewebemerkmale überprüft sind und der Gesundheitszustand der Spender feststeht. „Das muss alles passen“, so Lehenberger. Es könnte also sein, dass die entscheidende Nachricht für Lisa erst zu Beginn des neuen Jahres kommt.

Bis dahin rechnet die DKMS noch mit vielen Registrierungen an den Schulen im Landkreis und per Post. Nach wie vor kann, wer die Aktion am Samstag verpasst hat, auf der DKMS-Internetseite ein Registrierungsset mit Wattestäbchen anfordern. Weil jede Registrierung die DKMS 35 Euro kostet, ruft die gemeinnützige Organisation weiter zu Spenden auf.

Mehr als 1400 Menschen haben sich in Pöttmes typisieren lassen. Anlass für die Aktion ist Lisa aus Pöttmes. Sie hat Blutkrebs und braucht einen passenden Spender.
23 Bilder
Aktion in Pöttmes: Mehr als 1400 Menschen lassen sich typisieren
Bild: Vicky Jeanty

Helferin: „Gänsehaut, wenn wir die lange Schlange gesehen haben“

Lehenberger, die selbst vor Ort war, ist noch immer begeistert von der Aktion in Pöttmes: „Das war einfach klasse.“ Vor allem, dass viele junge Leute dabei gewesen seien. „Wir haben eine unheimlich tolle, hilfsbereite Jugend.“ Deren Werbung über die sozialen Netzwerke habe sich ausgezahlt. Sie habe in den vergangenen drei Wochen niemanden getroffen, der nichts von der Typisierung wusste.

Hinzu kam ein engagiertes Team vor Ort mit rund 80 Helfern um Sabine Buchner. Sie hatten in den vergangenen Wochen und am Samstag alle Hände voll zu tun – und waren überglücklich über den Ansturm. „Es war sehr anstrengend, aber total schön“, sagt Buchner. „Wir hatten immer eine Gänsehaut, wenn wir die lange Schlange gesehen haben.“ Manche Menschen kamen in Arbeitskleidung, darunter auch zwei Sanitäter: Sie ließen sich selbst typisieren. „Wir hoffen, dass wir Lisa und vielen anderen auch helfen können“, so Buchner.

Menschen spendeten vor Ort großzügig Geld

Finanziell machte sich die Großzügigkeit der Menschen ebenso bemerkbar: Rund 29.000 Euro fanden sich Buchner zufolge in den Spendenboxen in der Turnhalle. Auch an den Verpflegungsständen wurde fleißig gespendet: Hier kamen 12.000 Euro zusammen. Etwa 14.000 Euro waren bereits vor der Aktion auf dem Spendenkonto eingelaufen. Und noch etwas lag den Menschen am Herzen: Lisa symbolisch ihre Anteilnahme zu übermitteln. Jeder der 1462 Stammzellenspender konnte einen Fingerabdruck auf einem Bild mit einem Baum hinterlassen, das Lisa übergeben werden soll. Am Abend war das Bild voll. Darauf stand: „Gib ALLES, nur nicht auf!“

Spendenkonto Commerzbank München, IBAN: DE71 7004 0060 8987 0001 68, Verwendungszweck: Lisa.

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