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Bauausschuss Aichach

15.01.2020

Nein zu Neubau an Botengasse in Aichach

Das alte Bürgermeister-Werlberger-Haus an der Botengasse sollte zu sechs Wohnungen umgebaut werden und Balkone bekommen. Doch der Bauausschuss ist dagegen: Es steht unter Denkmalschutz.
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Das alte Bürgermeister-Werlberger-Haus an der Botengasse sollte zu sechs Wohnungen umgebaut werden und Balkone bekommen. Doch der Bauausschuss ist dagegen: Es steht unter Denkmalschutz.
Bild: Erich Echter

Plus Ein vierstöckiges Haus sollte an exponierter Stelle entstehen und ein denkmalgeschütztes Haus umgebaut werden. Der Bauausschuss ist dagegen

Insgesamt 14 Wohnungen sollten an der Botengasse in Aichach entstehen: acht in einem Neubau, sechs durch den Umbau eines denkmalgeschützten Hauses auf dem Grundstück. Beide Bauanträge stießen nun im Bauausschuss des Aichacher Stadtrats auf Ablehnung.

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Bei der Botengasse handelt es sich um ein sensibles Gebiet in der historischen Altstadt. Dort stehen die ältesten Häuser Aichachs. Die Gasse genießt sogenannten Ensembleschutz.

Mehrfamilienhaus mit vier Etagen

Das Grundstück wird begrenzt von der Botengasse, der Bahnhofstraße und der Prieferstraße. Direkt an der südlichen Grundstücksgrenze zur Bahnhofstraße hin sieht der Bauantrag ein Mehrfamilienhaus mit vier Vollgeschossen und Flachdach vor, wie Ulrich Egger vom Bauamt erläuterte. Das oberste Geschoss ist ein im Süden und Westen (zur Prieferstraße hin) zurückgesetztes Staffelgeschoss.

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Wie Egger berichtete, gab es bereits 2014 Gespräche mit der Vorbesitzerin wegen einer möglichen Nachverdichtung auf dem Grundstück. An einer Vorabstimmung waren das Bauamt, die Untere Bauaufsichtsbehörde, der damalige Kreisbaumeister, die Untere Denkmalschutzbehörde sowie das Landesamt für Denkmalpflege beteiligt.

Ergebnis: Eine Nachverdichtung wäre denkbar, sofern gewisse Vorgaben eingehalten werden.

Da wäre ein potenzielles Bodendenkmal; die Stadtmauer verlief wohl im Bereich der Einfriedung. Dazu stehen in unmittelbarer Nachbarschaft drei Baudenkmäler: die Stadtpfarrkirche, das Pfarrhaus und das villenartige Haus, das sogenannte Werlberger-Haus, auf dem Grundstück selbst mit seinem prägenden Giebel. Ihnen gegenüber müsste ein Neubau grundsätzlich zurückhaltend ausfallen, so Egger.

Rotbuche müsste erhalten bleiben

Unbedingt erhalten werden müsste auch die große Rotbuche, die das Bild der Bahnhofstraße prägt. Das alles schränkt das mögliche Baufeld wie auch die Ausführung ein.

Straßenbildprägende Wirkung hat die laut Verwaltung die mächtige Rotbuche auf dem Grundstück zwischen Botengasse, Bahnhofstraße und Prieferstraße (links von der Stadtpfarrkirche zu sehen). (Archivfoto)
Bild: Erich Echter

Das Stadtentwicklungskonzept sieht außerdem vor, Restbereiche des Stadtgrabens als Grünflächen zu erhalten, um Blickbeziehungen ins historische Umfeld zu wahren.

Eine Bebauung sei nur in Abstimmung mit der Stadt und den weiteren Behörden möglich. Der Bauausschuss war sich damals schon einig, bei Bedarf einen Bebauungsplan und eine Veränderungssperre zu prüfen.

Über all diese Punkte wurde laut Egger der neue Grundstückseigentümer informiert, als er im September 2019 einen Planentwurf vorlegte. Auch darüber, dass dort kein Flachdach genehmigt würde.

Ein moderner Neubau sollte an der Botengasse in Aichach entstehen.
Bild: Stadt Aichach

Anfang Dezember ging nun der Bauantrag ein, der die angesprochenen Vorgaben nicht berücksichtigt.

Stadt sollte Abstandsflächen übernehmen

Wegen der geplanten Grenzbebauung hat der Eigentümer beantragt, dass die Stadt die Abstandsflächen übernimmt; für ein kleines Grundstück entlang der Bahnhofstraße, auf dem sich ein Teil der denkmalgeschützten Gartenmauer befindet, und auf der gegenüberliegenden Seite der Bahnhofstraße.

Schon weil das ein Nachteil für die Stadt ist, war sich der Bauausschuss einig, die Abstandsflächen nicht zu übernehmen. Die geplante Bebauung werde der besonderen Lage nicht gerecht. Der Stadtrat soll nun über einen Bebauungsplan entscheiden.

Balkone an denkmalgeschütztem Haus?

Das Werlberger-Haus auf dem Grundstück will der Eigentümer so umbauen, dass sechs Wohnungen entstehen, fünf davon mit weniger als 60 Quadratmetern. Diese wären auch willkommen, wie einige Ausschussmitglieder sagten. Knackpunkt waren aber die Balkone, die an der Ostseite – zur Botengasse hin – geplant waren.

Die Verwaltung war der Ansicht, die denkmalschutzrechtliche Beurteilung dazu werde das Landratsamt treffen, das Vorhaben an sich sei genehmigungsfähig. Der Ausschuss sah das kritischer.

Ein denkmalgeschütztes Haus an der Botengasse will der Eigentümer zu Wohnungen umbauen. Wegen der geplanten Balkone verweiterte der Bauausschuss sein Einverständnis.
Bild: Stadt Aichach

Die Balkone würden das Haus „verschandeln“, waren sich Erich Echter (Christliche Wählergemeinschaft) und Kristina Kolb-Djoka (SPD) sich einig. Georg Robert Jung (FWG) war ebenfalls hin- und hergerissen.

Weil der Ausschuss aber nur für oder gegen den vorliegenden Antrag abstimmen kann, verweigerte er einstimmig das Einvernehmen. Dazu gibt es, wie von Helmut Beck (CSU) vorgeschlagen, den Hinweis, dass bei einem Verzicht auf die Balkone zugestimmt würde.


Die Botengasse

  • Ensemble Botengasse Die Botengasse in Aichach steht laut der Denkmalliste des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege wie der Stadtplatz unter dem sogenannten Ensembleschutz . Sie besteht aus einer (fast) geschlossenen Reihe ein- und zweigeschossiger kleiner Wohnhäuser an der gepflasterten Gasse, mit vielfältigen Dachformen. Es gibt Mansard-, Flachwalm-, Frack- sowie giebel- und traufständige Satteldächer. Die Häuser stammen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, im Kern zum Teil aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Einzelne Teile stehen eigens unter Denkmalschutz, so auch das sogenannte Werlberger-Haus.
Noch wie im Mittelalter ist in der Altstadt der Verlauf der Botengasse. Auch ein Teil des Kopfsteinpflasters ist historisch.
Bild: Gerlinde Drexler
  • Einschnitte 2016 wurde in der Botengasse ein fast 400 Jahre altes baufälliges „Doppelhaus“ abgerissen. Genehmigt wurde das, weil die Häuser mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand nicht mehr zu sanieren waren. Entgegen einer Bauvoranfrage aus dem Jahr 2011 wurden die abgerissenen Gebäude nicht durch Neubauten ersetzt. Seitdem besteht dort eine Baulücke. Das freie Grundstück wird als Garten genutzt. Reste der alten Stadtmauer auf dem Grundstück mussten erhalten bleiben. Bereits in den Jahren 2004 und 2005 gab es in Aichach Diskussionen, als ein 100 Jahre altes, baufälliges Haus abgerissen und durch einen modernen Neubau ersetzt wurde. Auf ein zunächst geplantes rotes Blechdach verzichtete der Bauherr schließlich. (bac, mit cli)



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