Schlossgeschichte(n)

09.07.2011

Prinz gesucht

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2 Bilder

Das Schloss in Unterbaar soll nach 500-jähriger Geschichte und 50 Jahre Leerstand endlich wieder genutzt werden

In unserer Serie „Schlossgeschichte(n) im Wittelsbacher Land“ stellen wir seit eineinhalb Jahren architektonische Schmuckstücke und ihre Bewohner vor – jeweils mit einer Sonderseite und einem Video im Internet. Im vierzehnten und letzten Teil geht es heute um Schloss Unterbaar.

Baar-Unterbaar Das Ambiente könnte aus dem Märchenbuch stammen. Ein beinahe undurchdringliches Dickicht aus Bäumen und Sträuchern verdeckt das Wasserschloss vor neugierigen Blicken. Die Westseite und damit der Eingang ist von der Straße aus nicht einzusehen. Eine schmale Brücke führt über den nur noch hier existierenden Wassergraben. Das Eisengeländer ist marode.

Der Eingang lässt sich nur erahnen. Bis auf einen Meter hat sich die üppige Vegetation herangearbeitet. Der Blick gleitet nach oben. Über einem einfachen Sockelgeschoss erheben sich zwei Obergeschosse. Die Fensterläden sind geschlossen. Das erste Obergeschoss war wohl die Belle Etage. Die Fenster sind von barocken Stuckblenden umzogen. Über manchen sind muschelförmige Verzierungen erhalten.

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So weit, so schön. Wäre da nicht der bedauernswerte bauliche Zustand des Schlosses, man könnte glatt von einem Kleinod auf dem Lande sprechen. Das findet auch Baars Bürgermeister Leonhard Kandler, der sich seit vielen Jahren für den Erhalt des Schlosses einsetzt. Nun soll ein weiterer Versuch über die Dorferneuerung unternommen werden. „Es wird Zeit, dass endlich etwas passiert“ sagt der Bürgermeister. „Ehe es wirklich zu spät und von der Substanz nichts mehr zu retten ist, müssen wir ein tragfähiges Nutzungskonzept finden.“

Beeindruckend ist schon das Eingangsportal. Ein segmentbogenförmiges Vordach wird beidseits von einer Doppelstütze getragen. Über dem Eingang ein mächtiges Wappen. Hier hat sich die Familie Himmelsbach verewigt, die das Schloss in den 1920er-Jahren umgestaltete. Darunter eine zweiteilige Eichentür. Ein stabiler Eisenriegel mit zwei Vorhängeschlössern signalisiert: Eintritt unerwünscht.

Die Ostseite ist eher schlicht. Sechs Fensterachsen gliedern die Fassade leicht asymmetrisch. Auffallend sind die vier polygonalen Erker an den Gebäudeecken. Das jetzige Walmdach ist Biberschwanz-gedeckt. Es ersetzte wohl vor 100 Jahren das ursprüngliche Satteldach mit den Stufengiebeln, das noch auf dem Wening-Stich zu sehen ist. Das Dach, vor allem am First, ist erkennbar undicht.

Alle Bemühungen der vergangenen Jahrzehnte, dem Gebäude eine neue Zukunft zu geben, scheiterten. Die Sanierung ist zu teuer und eine sinnfällige Nutzung nicht in Sicht. Der Eigentümer, die Familie Groß von Trockau, hat kein Interesse an der Immobilie. Ihr Stammsitz ist im unterfränkischen Trockau, wo sie bereits ein Schloss bewohnt.

Die Zukunft des Gebäudes beschäftigt auch den Bürgermeister, der das Schloss in der 1200-Seelen-Gemeinde lieber heute als morgen aufpolieren würde: „Das Schloss hat für die Gemeinde einen sehr hohen Stellenwert, vergleichbar mit der Kirche in Oberbaar. Hier hat es damals schon viel Kultur gegeben und es war immerhin ein bedeutender Wirtschaftsstandort – nicht nur im Zusammenhang mit der Brauerei, sondern auch unter der Familie Himmelsbach und ihren Sägewerken.“ "AN-Extra Seite 5

Bei uns im Internet

Im Internet zeigen wir Ihnen in unserem Video, wie das Schloss früher einmal aussah und was daraus geworden ist.

aichacher-nachrichten.de

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