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Prozess
28.08.2019

A8: Bei Tempo 140 kracht Stange frontal aufs Auto

Am Aichacher Amtsgericht musste sich ein heute 22-Jähriger verantworten, der schwere Stangen auf der Autobahn verloren hatte.
Foto: Symbolfoto: Katja Röderer

Von einem Kleintransporter fallen auf der Autobahn Stangen herab und beschädigen drei Autos. Der Fahrer begeht Unfallflucht. Deshalb steht er vor Gericht.

Der 30-Jährige fuhr auf der Autobahn nach Hause, als ihn plötzlich ein lauter Knall aufschreckte. Im ersten Moment wusste der Augsburger an jenem Tag im September 2017 nicht, was passiert war. Als er bei Adelzhausen auf dem Standstreifen anhielt, sah er Stangen auf der Autobahn liegen. Später stellte sich heraus: Sie waren von einem Kleintransporter gefallen und hatten unter anderem sein Auto getroffen. Der Fahrer des Transporters, ein heute 22-Jähriger aus dem Landkreisnorden, musste sich gestern am Jugendgericht des Aichacher Amtsgerichts wegen Unfallflucht verantworten. Er hatte gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt.

Ein 30-Jähriger fährt 140 auf der Autobahn, als es kracht

Der 30-Jährige war damals mit rund 140 Stundenkilometern auf der Autobahn unterwegs, als ihm plötzlich eine Stange frontal auf das Auto krachte. „Es war ein Schockmoment“, erzählte er als Zeuge vor Gericht. Eine zweite Stange traf sein Auto seitlich. Als der Augsburger anhielt, um den Schaden zu begutachten, standen dort noch weitere Fahrzeuge. Sie waren ebenfalls von den herabfallenden Teilen getroffen worden.

Der Angeklagte gab zu, dass er die Gewindestangen mit einem Durchmesser von knapp einem Zentimeter verloren hatte. Allerdings seien sie nicht, wie ihm die Staatsanwaltschaft vorwarf, vom Dachträger gefallen. Der 22-Jährige berichtete, Handwerker hätten sich die Stangen auf der Baustelle ausgeliehen und beim Zurückbringen auf die Scheibenwischanlage seines Transporters gelegt. Der Angeklagte: „Da rechnet doch niemand damit, dass jemand auf die Idee kommt, sie dort hinzulegen.“ Wie er betonte, fuhr er los, ohne die Stangen bemerkt zu haben. Als es auf der Autobahn zu regnen begann und er den Scheibenwischer einschaltete, wischte er die Stangen vom Auto. Sein Arbeitskollege, der auf dem Beifahrersitz schlief, wachte von dem Geräusch auf. Er bestätigte die Aussage des Angeklagten, wonach sie von der mittleren auf die rechte Spur wechselten, langsamer wurden und schließlich auf dem Standstreifen stehen blieben. Beide sagten aus, dass sie keine anderen Fahrzeuge auf der Standspur gesehen hätten und nach einigen Minuten weitergefahren seien.

Zum Schock auf der Autobahn kommt noch der Ärger mit dem Schaden

Die betroffenen Autofahrer allerdings entdeckten keinen Transporter. Für sie fehlte vom Verursacher des Malheurs jede Spur. Zum Schrecken, den sie erlitten hatten, gesellte sich noch Ärger. „Gefühlt 20 Stangen“ hatte ein 32-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis von dem Transporter fallen sehen. Sie trafen sein Auto am Unterboden, an Stoßstange und Scheibe. Nur 1500 Euro des Schadens von 4900 Euro übernahm die Versicherung. Knapp 3000 Euro betrug der Schaden am Auto des 30-Jährigen. Etwa 900 Euro kostete einen 34-Jährigen die Reparatur seines Wagens.

Staatsanwältin Stefanie Dylla war überzeugt, dass der Angeklagte „zumindest so weit weiterfuhr, dass Sie für die anderen Verkehrsteilnehmer nicht mehr wahrnehmbar waren“. Das wertete sie als Unfallflucht. Vor allem eines konnte Dylla nicht nachvollziehen: „Sie haben eine erhöhte Gefahrenquelle auf der Autobahn verursacht und das hat Sie nicht dazu gebracht, die Polizei anzurufen.“ Sie plädierte für eine Geldauflage von 1500 Euro, ein zweimonatiges Fahrverbot und drei Gesprächen bei der Brücke.

Weil ihr Mandant auf der Autobahn angehalten hatte, sah Verteidigerin Veronika Stifter keine Unfallflucht. Sie forderte Freispruch.

Nach dem Vorfall auf der Autobahn fällt die Jugendrichterin ein Urteil

Jugendrichterin Eva-Maria Grosse schloss sich der Staatsanwältin an. Sehr positiv wertete sie, dass der 22-Jährige zugegeben hatte, dass die Stangen von seinem Transporter gefallen waren. Sie verurteilte ihn zu einer Geldauflage von 1500 Euro, drei Gesprächen und einem Monat Fahrverbot. Der Strafbefehl hatte über 3000 Euro Geldstrafe und zwei Monate Fahrverbot gelautet.

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