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Aichach

02.01.2021

Prozess in Aichach: Junger Mann rastet nach Bauwagen-Party aus

Weil er mehrere junge Leute körperlich attackiert hatte, musste sich ein 19-Jähriger vor dem Jugendschöffengericht in Aichach verantworten.
Bild: Katja Röderer (Archivfoto)

Plus Wegen Körperverletzung sitzt ein 19-Jähriger bereits in Haft. Nun bekam er im Prozess in Aichach eine "Verlängerung" aufgebrummt. Grund: ein Ausraster nach einer Party.

Mit Fesseln an Händen und Füßen führten Polizeibeamte einen heute 19-Jährigen aus dem nördlichen Landkreis Aichach-Friedberg in den Gerichtssaal am Amtsgericht Aichach. Er hatte im Mai nach einer Party im Bauwagen einem 16-Jährigen mit der Faust ins Gesicht geschlagen, eine Schülerin gewürgt und mit einem Messer vor ihr herumgefuchtelt.

Vor dem Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Eva-Maria Grosse ging es unter anderem um gefährliche Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung. An die Vorfälle rund um die Party im Bauwagen konnte sich der Angeklagte laut seiner Aussage gar nicht mehr erinnern. Zwei andere Punkte der Anklage waren ihm dagegen noch im Gedächtnis.

In einem Fall hatte er im Juli bei einer Busfahrt einem 18-jährigen Schüler gedroht, dass er ihn abstechen werde, wenn er ihn noch einmal ansehen würde. Im anderen Fall hatte er in Augsburg einem am Boden Sitzenden mit dem Fuß gegen das Brustbein getreten. Beides gab der Angeklagte zu.

Zeugin im Prozess in Aichach: Angeklagter drohte, sie abzustechen

Regelrecht ausgerastet war der 19-Jährige nach der Party im Bauwagen laut Aussage der Schülerin. Sie war mit Freunden auf der Feier gewesen. Auf dem Heimweg sei der Angeklagte hinter ihnen hergerannt und „fing an rumzuschreien“. Dann ging er auf den 16-Jährigen los und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht. Der 16-Jährige sagte aus, er habe Angst bekommen und sei weggerannt.

Die Schülerin, die den 19-Jährigen beruhigen wollte, schubste dieser so, dass sie hinfiel. Laut ihrer Aussage zog er ein Messer und drohte, sie abzustechen, wenn sie nicht still sei. Dabei fuchtelte der Angeklagte mit dem Messer vor ihr umher und schnitt ihr dabei unbeabsichtigt in die Hand. Eine kleine Narbe ist heute noch zu sehen.

Staatsanwalt sieht steigende Frequenz des Angeklagten bei Straftaten

Danach schien er sich wieder beruhigt zu haben. Eine 15-Jährige sagte aus, dass er mit Freunden bei ihr in der Wohnung gewesen und dort eingeschlafen sei. Sauer reagierte der 19-Jährige, als er nach dem Aufwachen feststellte, dass die anderen ihm Fingernägel lackiert hatten. Als die Gruppe loszog, um Frühstück zu holen, geriet er mit einer 16-Jährigen in Streit. Diese konnte bei ihrer Aussage kaum die Tränen unterdrücken, als sie erzählte, wie der Angeklagte sie am Hals gepackt und gegen eine Glasscheibe gedrückt hatte.

Keiner der Zeugen habe recht nachvollziehen können, warum sich der 19-Jährige so verhalten habe, war der Eindruck von Staatsanwalt Benjamin Junghans. Statt Einsicht oder Reue sah er bei dem Angeklagten eher eine steigende Frequenz bei den Straftaten. Aktuell sitzt er den Rest einer 18-monatigen Haftstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung ab. Der Staatsanwalt plädierte dafür, diese Strafe auf insgesamt zwei Jahre und zehn Monate aufzustocken.

Richterin: "Irgendwann schlagen Sie auf jemanden auf der Straße ein"

Auch Verteidigerin Mandana Mauss nahm bei ihrem Mandanten „eine Tendenz nach oben“ wahr. Er sei jedoch nicht nur aggressiv, sondern auch hilfsbereit und freundlich. Als Grund für seine Ausraster sah sie, genau wie Jugendgerichtshelferin Nicole Jehle, seinen Alkohol- und Drogenkonsum. Sie sprach sich für eine Aufstockung der Haftstrafe auf zwei Jahre und drei Monate aus. Mauss hoffte, dass ihr Mandant die Zeit im Gefängnis als Chance sieht und an sich arbeitet.

Seine Aggressionen scheine er in bestimmten Momenten nicht unter Kontrolle zu haben, sagte die Vorsitzende des Jugendschöffengerichts. Grosse befürchtete: „Irgendwann schlagen Sie auf jemanden ein, der Ihnen auf der Straße über den Weg läuft.“ Das Gericht verurteilte ihn unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft. Grosse zu dem Angeklagten: „Ich hoffe, dass es Hilfen im Gefängnis gibt, die Sie erreichen.“

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