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Veranstaltung

07.06.2019

Rosy Lutz räumt beim Bücherei-Brettl die Lacher ab

Brigitte Lechner (rechts) von der Pfarr- und Gemeindebücherei Aindling bedankte sich bei Rosy Lutz für den Vortrag im Rahmen des Bücherei-Brettls.
Bild: Martin Golling

Mundart-Dichterin sorgt mit altbayerischem Wortgut für viel Heiterkeit bei ihrer Lesung in Aindling

Es gab viel zu lachen beim Bücherei-Brettl mit Rosy Lutz. In den Räumen der Pfarr- und Gemeindebücherei Aindling forderte „die prominenteste Dichterin im Landkreis“, wie Brigitte Lechner sie nannte, ihre Zuhörer zum Stöbern im Hirnkastl heraus. Denn immer wieder tauchten da Begriffe auf, die längst aus dem allgemeinen Sprachgebrauch gewichen sind.

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Es ist eine kuriose Sammlung an altbayerischem Wortgut, die Rosy Lutz in ihre Verse knüpft und damit nicht nur längst vergangene bäuerliche Kultur zurück ins Gedächtnis ruft, sondern zugleich ihren Sinn erklärt und ihre Berechtigung, fortzubestehen, einfordert.

„Unser Sproch is Fuchzehnhundert Johr oid, und jetz lass ma s’ in zwoa Generationen kaputt geh“, sagt sie zwischen ihren Vorträgen. „Selten werns, de Wort, de scheena, an neie Ausdruck muaßt di gwöhna, vergessen is der größte Teil, heit is bloß ois cool und geil“, reimt die Klingenerin in „Bayrisch g’red“.

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Dabei geht es gerade hier ans Eingemachte, wie das Beispiel deutlich macht: „A Gfrass, des kimmt an Ofen nei, auf d’Hoanza nauf do kimmt des Heu, hod oana gstottert, hod er gatzt, hod ma oan zaahrt, na hod man tratzt.“

Immer wieder musste Rosy Lutz ihren Vortrag unterbrechen, weil ihre Zuhörer mit dem Lachen nicht fertig wurden.

Die Fahrt zum Wertstoffhof etwa, bei der sie mehr mit nach Hause nimmt, als sie vorher anlieferte. Oder der Besuch auf dem Flohmarkt: so kritisch-sauber beobachtet, so herrlich fabuliert, so liebevoll geschrieben und so pointiert vorgetragen. Wer jemals dort war, muss sich verbeugen vor der Wortwahl und biegen vor Lachen. Und endlich zu Hause, schwärmt sie über das alte Zeug: „Wia Musik in meine Ohren hear i d’Würmer do drin bohren.“

Große Kunst ist auch die Kindheitserinnerung an den Besuch auf dem „Oachmer Simjudimarkt“, als die Mutter jedem fünf Mark in die Hand drückte. Allein schon die Mischung Heringssemmel und gebrannte Mandeln lässt beim Zuhörer einen Klos im Hals entstehen, doch der entlädt sich dann nur im geschriebenen Wort: „Und beim Hoamfohrn, bei jeder Koppen, fangas hint drin o zum Koppen, koa Zehnerl is mehr überbliebn, und ois andere homma gspiebn!“

Viel Zeit hat Rosy Lutz in die Erforschung der bayerischen Sprache gesteckt. „Da Platschari is wos großes, unförmiges: a Kuahdreck, a groaßer Huat oder a Riesenbinkel“, so erklärt die Klingenerin einen Begriff, der, so hat es ihr kürzlich ein Sprachforscher beigebracht, wahrscheinlich von Placenta, Nachgeburt, kommt. Im gleichnamigen Gedicht sitzt der Platschari als Folge einer Unachtsamkeit beim Essen im Restaurant auf der Bluse – nur einer war noch größer: der Lacherfolg.

In der Aindlinger Bücherei war die Freude groß über den gelungenen Abend, sowohl bei der Zuhörerschaft als auch beim Veranstalterteam, das am Ende mit einem Büfett aufwartete. Das wiederum freute Rosy Lutz, „wenn ned alle glei’ verschwinden“.

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