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Konzert

20.05.2019

Saxofon und Flügel im Zwiegespräch

Wolfgang Kraemer (links) und Michael Rokoss wussten mit Spiel und Erzählungen das Publikum im Saal des Sisi-Schlosses zu überzeugen.
Bild: Manuela Rieger

Wolfgang Kraemer und Michael Rokoss bereichern die Kulturszene Aichach im ausverkauften Saal im Sisi-Schloss

Außergewöhnliches wurde im Sisi-Schloss in Unterwittelsbach geboten: Saxofon und Flügel, eine aparte Instrumentenkombination, für die es nur wenig klassische Literatur gibt. Ursache: Das von Adolphe Sax in Paris zum Patent angemeldete Instrument kam spät auf den Markt, und die Romantiker konnten mit diesem Instrument noch nicht viel anfangen.

Michael Rokoss will sich nicht festlegen. Der Augsburger Saxofonist kümmert sich genauso um Alte Musik und klassisches Repertoire wie um die improvisierende Moderne. Man erkennt diese Verwurzelung am Ton, an der Feinheit der Soundgestaltung und an der Geschmeidigkeit seiner Linien, wenn er wie am Samstag mit dem Aichacher Pianisten Wolfgang Kraemer die Kunst des musikalischen Zwiegesprächs pflegt. Ihr Programm „Eine überraschende Begegnung“ ist ein stilistisch offenes Programm zweier begabter Erzähler. Es spürt auf kammerjazziger Basis dem Spagat von Klassik und Moderne mit viel Sensibilität für die gemeinsame Energie und die melodische Finesse der Klanggestaltung nach. Das alles hat Charme und Weite, aber auch Grenzen, die die Musik vor allzu Experimentellem einbremsen.

Wenn musikalische Temperamente und technische Fähigkeiten übereinstimmen und dazu noch ein Programm zusammengestellt wird, das zu beidem passt, dann muss ein Konzert einfach gelingen. Die Zuhörer im Saal des Sisi-Schlosses bestätigen das mit reichlich Beifall.

Rokoss führt auf seinem Instrument all das genial vor, was Johannes Brahms verächtlich zu der Aussage verleitet hat: Das Saxofon ist eine Klarinette mit Heuschnupfen. Na ja. Der Saxofonist lässt es anmutig singen und träumen und auch in atemberaubenden Lagen und Tonfolgen seine schmiegsame Schönheit bewahren. Fingerfertigkeit und eine kontrollierte und nuancierte Blastechnik zeichnen sein Spiel aus. Zusätzlich empfiehlt er sich als charmant-witziger Moderator, als er die Programmfolge durcheinanderwirbelt – mit Begründung, aber sehr effektvoll. Wolfgang Kraemer findet sich mit zarten Begleitklängen in orchestraler Breite und solistischen Passagen gleichermaßen souverän zurecht. Im Zeichen der Globalisierung fegen die beiden Musiker dann mit dem Tango des Spaniers Jérôme Naulais aus dem Programm: furios, wie der Schlussapplaus.

In dem nicht allzu großen Repertoire für Saxofon-Kammermusik zählt Jean-Baptiste Singelées Concertino in As-Dur zweifellos zu den Standards, während die Serenade in Es-Dur von Jules Demersseman, einem Zeitgenossen des Erfinders Adolphe Sax, eine willkommene Bereicherung darstellt, da der jung verstorbene Komponist mit der hergebrachten Form wie auch mit dem neuen Instrument sehr geschickt umzugehen wusste. Manch ein unbekannter Komponist wird zu Gehör gebracht. Klavierpartner Wolfgang Kraemer ergänzt die vorzüglichen Fähigkeiten des Saxofonisten zu spannungsreicher Kammermusik mit einem Instrument, das in diesem Bereich bisher eher nur am Rande stand. Kraemers Soli, sei es Frédéric Chopin, Aram Chatschaturjan oder Béla Bartók sind zwar kurz, aber prägnant und ein Kosmos für sich.

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