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Prozess in Augsburg

21.07.2020

Schizophrene Psychose: Wie labil ist der "Schubser“ von Aichach?

Ein 51-Jähriger rempelt Passanten in Aichach grundlos an. Auch seine Schwester ist geschockt. Ein Gutachter gibt Einblicke in die Psyche des Angeklagten.
Bild: Florian Rußler (Symbolbild)

Plus Ein 51-Jähriger rempelt Passanten in Aichach grundlos an. Auch seine Schwester ist geschockt. Ein Gutachter gibt Einblicke in die Psyche des Angeklagten.

Als die Familie des Angeklagten die Zeitungsberichte gelesen hatte, wurden ihre schlimmsten Befürchtungen wahr. „Er hatte sich stark verändert und die Taten wurden alle in der Nähe seiner Wohnung begangen. Daraus haben wir geschlossen, dass er es war“, sagte die Schwester des Angeklagten am Montag vor dem Landgericht in Augsburg.

Ein 51-Jähriger hatte in Aichach in insgesamt sieben Fällen grundlos Passanten geschubst und teilweise heftig beleidigt. Eine 77-Jährige sitzt seitdem im Rollstuhl. „Er hatte einen total sturen Blick und war sehr misstrauisch. Normalerweise ist er sehr gesellig“, so beschrieb die Schwester den damaligen Zustand des Angeklagten. „Er hat auf der Straße nicht mehr gegrüßt und ist einfach über eine rote Ampel gelaufen. Die hupenden Autos hat er einfach ignoriert. Ich war geschockt.“

Prozess: Schubser von Aichach kann Taten nicht erklären

Aktuell befindet sich der 51-Jährige in psychiatrischer Behandlung. Laut seiner Schwester geht es dem Mann mittlerweile wieder gut: „Wir hatten immer ein gutes Verhältnis. Ich wusste, dass damals etwas nicht mit ihm stimmt. Jetzt ist er wieder ganz normal und hat eingesehen, dass er Hilfe braucht.“

Der Angeklagte bat bei den erschienenen Opfern – wie an den Verhandlungstagen zuvor auch – um Entschuldigung. Warum er die Taten begangen hatte, konnte er allerdings nicht so recht erklären. „Ich weiß es nicht. Ich habe meine Medikamente nicht mehr genommen. Das war der größte Fehler meines Lebens“, so der Aichacher auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Maiko Hartmann. Sachverständiger Stefan Kolb attestiert dem Angeklagten eine schizophrenen Psychose. Zwar habe der Mann Fortschritte gemacht, dennoch sieht Psychotherapeut Kolb ein Risiko: „Unter den jetzigen Lebensumständen ist ein Rückfall nicht ausgeschlossen. Die Erkrankung ist chronisch und er hatte paranoide Wahnvorstellungen.“

Psychotherapeut sieht Risiko beim Aichacher Täter

Bereits 2011 musste sich der Angeklagte nach einem Autounfall, bei dem es sich um einen Suizidversuch gehandelt haben soll, in psychiatrische Behandlung begeben. Derzeit lebt der Mann in einer Notunterkunft, für Kolb nicht das richtige Umfeld: „Sollte er Bewährung erhalten, würde ich eine forensische Nachsorgeambulanz empfehlen. In regelmäßigen Abständen gibt es dort Kontrollen. Ich würde außerdem ein betreutes Wohnen bevorzugen, um das Risiko weiterer Taten zu verringern.“

Inwieweit der Angeklagte zum Zeitpunkt der Taten schuldfähig war, konnte auch der Sachverständige nicht klären: „Es waren spontane Handlungen, die nicht geplant waren und kein Ziel verfolgten. Natürlich hat die Psychose seine Steuerungsfähigkeit beeinflusst. Die Frage ist, in welchem Ausmaß.“ Am heutigen Dienstag werden die Plädoyers und das Urteil erwartet.

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