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06.12.2010

"Schülerklau" sorgt für Wirbel in der Nachbarschaft

Sie steht zur Hälfte leer: Die Hauptschule in Pöttmes soll ab dem kommenden Schuljahr mit Wirtschaftsschülern aufgefüllt werden. Foto: Norbert Eibel
Bild: Norbert Eibel

Neuburg/Pöttmes In Pöttmes soll im nächsten Schuljahr eine staatliche Wirtschaftsschule entstehen (wir berichteten). Was im Wittelsbacher Land auf große Zustimmung und Unterstützung stößt, sorgte in Neuburg für einigen Wirbel, denn dort sieht man die eigene Wirtschaftsschule angegriffen. 420 Schüler gehen auf die staatliche Schule in der Neuburger Pestalozzistraße. Zwischen 60 und 80 kommen aus dem südlichen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen - und könnten somit auch Interesse an der Schule in Pöttmes haben, wie der Neuburger Schulleiter Johann Englschall sagt.

Eine Zahl, die seiner Schule wehtun könnte, vor allem vor dem Hintergrund, dass der Nachbarkreis gerade erst über elf Millionen Euro in die Sanierung des Schulkomplexes gesteckt hat. Die Regierung von Oberbayern genehmigte ein Raumprogramm, das auch Angebote zur Ganztagesbetreuung beinhaltet. Dabei ist man in Neuburg von 14 Klassen ausgegangen. "Die Investitionen sind auf diese Klassenzahl ausgelegt. Wenn jetzt Schüler und Klassen wegbrechen, dann kann man fast sagen, dass das Geld fehlinvestiert wurde", so Englschall.

Pöttmes will mit der Etablierung einer Wirtschaftsschule die Attraktivität der Marktgemeinde als Schulstandort steigern, Schüler am Ort halten und die zum Teil leer stehenden Räume seiner Hauptschule wieder füllen. "Die Grund- und Hauptschule wurde ursprünglich für 700 Schüler gebaut", sagt Bürgermeister Franz Schindele. Derzeit seien es nur noch 350 Mädchen und Buben, die dort beschult werden. "Wir haben die Gebäude gerade erst saniert, es wäre schade, wenn sie leer stehen würden", so Schindele. Die Kommune bewirbt sich um das Modellprojekt ,Wirtschaftsschule in der Hauptschule' des Kultusministeriums. Den Allgemeinunterricht halten in diesem Konzept die Hauptschullehrer, den Fachunterricht übernehmen Lehrer der Berufsschule Aichach-Friedberg. Eine Klasse, so hofft Schindele, werde man pro Jahrgangsstufe in Pöttmes zusammenbringen, dazu ist eine Probeeinschreibung geplant. Derzeit besuchen allein 23 Pöttmeser die Neuburger Wirtschaftsschule.

"Vor uns braucht niemand Angst haben", sagt Schindele zu den Bedenken der Neuburger: "Ich bin mir sicher, dass unsere Schule gut nebenbei existieren kann." Am Mittwoch stimmt der Kreistag Aichach-Friedberg über einen Antrag für die Schule ab, alle anderen Gremien (Kommune, Ausschüsse) haben grünes Licht gegeben.

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Landrat Weigert wundert sich

Bei allem Verständnis für die Pöttmeser Pläne sieht der Neuburger Landrat Roland Weigert den Vorstoß kritisch: "Für uns ist es erstaunlich, dass von Seiten der vorgesetzten Behörden, die für eine ausgewogene Streuung der Schulstandorte sorgen sollte, eine zweite Wirtschaftsschule direkt an der Kreisgrenze auf Zustimmung stößt." Weigert hat vom Pöttmeser Vorstoß aus der Zeitung erfahren. Ihn wundert, warum Aichach-Friedberg keine Stellungnahme seines Kreises einfordern musste, so wie er es bei der geplanten Realschule in Karlshuld habe machen müssen. (glori)

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