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Bildung

12.09.2015

Schulanfänger mit Sprachbarriere werden mehr

Immer mehr Schüler im Wittelsbacher Land haben Migrationshintergrund, darunter auch  Kinder von Asylbewerbern. Das Schulamt hat sich darauf vorbereitet.  
Bild: Symbolbild: Arno Burgi, dpa

Die Zahl der Schüler mit Migrationshintergrund wächst im Landkreis Aichach-Friedberg. Das Schulamt hat sich darauf vorbereitet.

Manfred Zwerenz ist zuversichtlich. „Kinder lernen schnell“, sagt der Leiter des Schulamtes Aichach-Friedberg. Für ihn scheint die Aufgabe lösbar zu sein: 1257 Kinder mit Migrationshintergrund müssen im Wittelsbacher Land ab Dienstag in den Schulalltag integriert werden. 137 sind Kinder von Asylbewerbern. Der Schulamtsleiter rechnet damit, dass jeden Monat etwa 25 Kinder dazukommen. Das bringt mitunter Schwierigkeiten mit sich.

So können die Mitarbeiter im Schulamt nicht vorhersagen, in welchem Ort im Landkreis die noch erwarteten Kinder untergebracht werden. Zudem stimme das Geburtsdatum der Kinder, das die Eltern angeben, augenscheinlich nicht in jedem Fall, wie es vom Schulamt heißt. Die größte Aufgabe wird es nun sein, Kindern mit Migrationshintergrund möglichst schnell die deutsche Sprache beizubringen.

An der Ludwig-Steub-Grundschule in Aichach werden dafür Förderklassen eingerichtet. Erstklässler mit Nachholbedarf erhalten pro Woche 14 Stunden zusätzlichen Unterricht in den Fächern Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachkundeunterricht (HSU). Zweitklässler bekommen neun Stunden Zusatzunterricht in diesen Fächern, die Dritt- und Viertklässler noch fünf Stunden, wie Rektorin Silvia Reisenweber-Zwikirsch erklärt. Grund zur Beunruhigung besteht bei den Lehrern nach ihrer Einschätzung nicht. Die meisten Kinder von Asylbewerbern seien sehr motiviert. „Sie lernen zum Teil schon jetzt nebenbei Deutsch“, berichtet sie.

Insgesamt sind 52 Stunden für die Sprachförderung vorgesehen. Auch Sprachlerngruppen sollen eingerichtet werden. In diesen Gruppen pauken die Schüler zwei Stunden in der Woche Deutsch. Um all das personell zu bewältigen, hat der Landkreis in diesem Schuljahr laut Schulamt eine zusätzliche mobile Reserve von der Regierung von Schwaben gestellt bekommen. Dieser Lehrer kann flexibel an verschiedenen Schulen eingesetzt werden. Schulamtsleiter Manfred Zwerenz ist klar, dass die Schüler, die neu in den Landkreis ziehen, in etwa so verschieden sind wie die Kinder, die im Wittelsbacher Land geboren sind. „Sie sind zum Teil hoch intelligent“, erzählt er. Einige kämen aus höheren Bildungsschichten, andere dagegen hätten noch nie eine Schule besucht. Auch der Schulamtsleiter ist davon überzeugt, dass die Kinder meist sehr motiviert seien. „Sie wollen bleiben.“

Im Moment habe das Schulamt die Situation gut im Griff. Sollte sich die Lage ändern, setzt Manfred Zwerenz auf Hilfe von der Regierung von Schwaben. Die Übergangsklasse an der Mittelschule in Friedberg sei mit 20 Schülern bereits voll, wie er erzählt. Auch diese Klasse ist für Kinder mit geringen Deutschkenntnissen gedacht. Sobald die Schüler über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, sollen sie wieder in eine Regelklasse gehen.

Damit auch die Lehrer für die Zukunft gerüstet sind, bieten das Schulamt, die Regierung von Schwaben oder die Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen Schulungen an, so Manfred Zwerenz weiter. Auch die Universitäten würden die Lehrer von morgen besser auf die Situation vorbereiten. Dafür wird jetzt das Fach Deutsch als Zweitsprache gelehrt. Für Kindergartenkinder mit Sprachdefiziten werden 37 Vorkurse an 17 Grundschulen im Landkreis angeboten. Im vergangenen Jahr waren es 33 Vorkurse. Ein solcher Kurs kommt zustande, wenn mindestens sechs Kinder mit sprachlichen Defiziten von den Kitas gemeldet werden.

Islamischer Religionsunterricht wird 16 Wochenstunden in deutscher Sprache an den Grundschulen Friedberg Süd, Ludwig-Steub in Aichach und an den Mittelschulen in Friedberg und Aichach erteilt. Unterricht, der vom türkischen Generalkonsulat auf Türkisch abgehalten wird, findet in Aichach an der Ludwig-Steub-Grundschule und an der Geschwister-Scholl-Mittelschule statt, in Friedberg an der Grundschule Süd und an der Theresia-Gerhardinger-Grundschule und an der Mittelschule sowie in Mering an der Grundschule Ambérieustraße.

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