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Arbeitskreis

21.08.2013

Schutz gegen Hochwasser dauert zu lange

Den Überflutgraben in Kissing schneller und besser nutzen will das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth.
Bild: Anton Schlickenrieder

Die Bürgermeister von Kissing, Merching und Mering üben Kritik am Wasserwirtschaftsamt. Ihre Bedenken zu aktuellen Plänen der Behörde seien nicht einmal berücksichtigt worden.

Zwei Herzen schlagen in der Brust von Landrat Christian Knauer, wie er bei der Sitzung des Hochwasserschutz-Arbeitskreises in Kissing sagte. Als Kommunalpolitiker könne er einerseits leicht Forderungen aufstellen und Kritik üben. Andererseits stehe er dem staatlichen Landratsamt vor, dessen Sachgebiet Wasserrecht wichtige Entscheidungen treffe. „Und ich will auf keinen Fall befangen erscheinen, indem ich mich äußere oder mich durch Formfehler angreifbar machen.“

Die Bürgermeister von Kissing, Merching und Mering kritisierten, dass es mit den Schutzmaßnahmen gegen ein hundertjähriges Hochwasser gar so lang dauere und ihre Bedenken in den Plänen des Wasserwirtschaftsamt (WWA) teilweise nicht berücksichtigt würden. Auch von privater Seite hatte es beim Planfeststellungsverfahren in Kissing überraschend viele Einwendungen gegeben, wie WWA-Chef Ralph Neumeier berichtete.

Nach seinen Worten hat der Hochwasserrückhalt Vorrang, ergänzt wird er durch den innerörtlichen Ausbau der Paar in Kissing und Mering. Die Baumaßnahmen in Kissing (geschätzte Kosten 3,75 Millionen Euro) sollen in mehreren Abschnitten, verteilt auf drei Jahre, erfolgen und im Norden beginnen. Der mittlere Abschnitt mit einer Flutmulde sei der umfangreichste: der Einlauf in die Flutmulde wird beim Paarausbau tiefer gesetzt, um mehr und schneller Wasser in die Mulde zu bekommen.

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Laut Neumeier will man die vorhandenen Gewässeräste für den Hochwasserabfluss optimal nutzen. An den Ortsein- und -ausgängen von Kissing sind bis zu 1,30 Meter hohe Deiche vorgesehen. Außerdem denkt das WWA an Geländemodellierungen entlang der Ufer. Ufermauern soll es nur dort geben, wo sie unbedingt nötig sind. Sogenannte niederschwellige Schutzmaßnahmen können die Kommunen mithilfe von Zuschüssen in eigener Regie verwirklichen, zum Beispiel im Merchinger Ortsteil Steinach.

Der WWA-Chef appellierte, nicht an deen Plänen für zwei Rückhaltebecken zu rütteln (früher waren elf im Gespräch), weil es sonst zu Verzögerungen kommen könnte. Bürgermeister Manfred Wolf zeigte sich auch so schon enttäuscht: „Vor 2020 wird das wohl nicht fertig.“ Er kann nicht verstehen, dass bei einer früheren Planung kaum Einwendungen kamen, obwohl diese mehr Mauern und Eingriffe vorsah.

Er versteht auch nicht, dass sich die Interessengemeinschaft Grund- und Hochwasserschutz Obere Paar/Lech (IGHS) so sehr dem Lech und dessen Staustufen widmet, bei denen die Ursachen für erhöhte Grundwasserstände vermutet werden, die sich in St. Afra und Kissing negativ auswirken können. „Hier wäre jetzt eine Aufgabe für die IGHS. Die könnte mit den Einwendern reden und klarmachen, welche Verzögerungen sich ergeben können und welche Gefahren die in sich tragen.“

IGHS-Vorsitzender Anton Staffler hält dagegen, dass er nicht einmal die Zahl der Einwendungen kenne, geschweige die Personen. „Warum soll ich mir den Schuh anziehen, den Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt zu verantworten haben?“ Und Staffler verweist darauf, dass die teuren Retentionsflächen nahe der Paartalhalle zu verlanden drohen, weil sie nicht gepflegt werden.

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