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Aindling

19.12.2020

Schweinestall in Gaulzhofen genehmigt: Anwohner müssen mit Geruch leben

Ein Stall für 450 Tiere, in dem die Schweine auf Stroh groß werden dürfen (wie auf unserem Bild), kann im Aindlinger Ortsteil Gaulzhofen gebaut werden.
Bild: Eva Weizengger (Symbolbild)

Plus Eine Bürgerinitiative aus dem Aindlinger Ortsteil wollte den Stall für 450 Tiere verhindern, doch eine Klage kommt zu teuer. Wann der Landwirt baut, ist offen.

Ein Schweinestall für 450 Tiere, der nahe des Aindlinger Ortsteils Gaulzhofen gebaut werden soll, erhitzt weiterhin die Gemüter. Eine Bürgerinitiative (BI) hat seit rund zweieinhalb Jahren versucht, den Bau zu verhindern. Doch jetzt hat das Landratsamt die Baugenehmigung für den Stall im Außenbereich zwischen Stotzard und Gaulzhofen erteilt. Die Bürgerinitiative will nicht dagegen klagen, weil sie keine Aussicht auf Erfolg sieht. Dennoch wollen die betroffenen Anwohner in den nächsten Jahren mit "Argusaugen" beobachten, ob sich der Nebenerwerbslandwirt an die vorgeschriebenen Auflagen hält.

Bereits im Mai 2018 hatte der Aindlinger Marktgemeinderat dem Bauvorhaben zugestimmt. Gemeinderatsmitglied Peter Reich, der selbst Landwirt ist, bezeichnete den Neubau damals als "Stall der Zukunft". Der Landwirt selbst spricht von einem "Wohlfühlstall". Das Gebäude soll 38 mal 21 Meter groß werden und über eine freie Lüftung an den Längsseiten des Stalls mit Frischluft versorgt werden. Die Schweine sollen laut Landwirt darin etwa 50 Prozent mehr Platz haben, als gesetzlich vorgeschrieben. Auf Spaltenböden wird verzichtet, vorgesehen ist Strohhaltung. Durch verschiebbare Außenwände sollen die Schweine mehr Licht und Luft bekommen.

Der Blick geht von Nordosten auf die Wachhofer-Siedlung im Aindlinger Ortsteil Gaulzhofen. Diesen Blickwinkel wird es so künftig nicht mehr geben, wenn der neue Schweinestall quer zur Halle (links) errichtet ist.
Bild: Martin Golling (Archivbild)

Der Nebenerwerbslandwirt, der von seiner Familie unterstützt wird, betreibt bereits einen Stall im Ortskern von Gaulzhofen mit 120 Muttersauen. Die Anzahl der Muttersauen soll auf 60 sinken, sobald der neue Stall steht. Die Ferkel werden im Ortskern geboren und ziehen nach der Säugezeit in den neuen Stall um. Der neue Standort im Esterfeld war zunächst für 540 Schweine geplant. Wie das Landratsamt auf Nachfrage erklärt, konnte bei der ursprünglich eingereichten Planung für den Mastschweinestall aber nicht sichergestellt werden, dass die geltenden "Geruchsgrenzwerte" eingehalten werden. Daher hat die Behörde dem Landwirt mitgeteilt, dass der Stall so nicht genehmigt werden kann. Daraufhin hat der Landwirt die Anzahl der Schweine auf 450 reduziert und das Landratsamt hat den Bauantrag genehmigt.

Bürgerinitiative hat Unterschriften gesammelt

Die Bedenken der Anwohner hat das aber nicht zerstreut. 33 Unterschriften hatte die Bürgerinitiative bereits 2018 gegen den Bau gesammelt. Die Bewohner der Wachhofer-Siedlung westlich des geplanten Stalls fürchten weiterhin "eine starke Geruchsbelästigung" bei Ostwind. Der Landwirt erwidert, dass die Haltung der Schweine auf Stroh schon viel vom Geruch eines konventionellen Stalls "wegnimmt". Rund 200 Meter sind die ersten der rund 20 Grundstücke der Siedlung von dem Stall entfernt, berichtet die Sprecherin der Initiative. Auch den Geruch des Mists, der auf den Feldern ausgebracht werden wird, fürchten die Bürger. Nach Angaben der BI-Sprecherin wird die Menge des Mists in der Baugenehmigung des Landratsamts mit 760 Tonnen im Jahr angegeben.

Das Landratsamt verweist auf eine Berechnung auf Grundlage der Geruchsimmissionsrichtlinie (GIRL). Demnach sind die errechneten Maximalwerte der Geruchsbelästigung für die Anwohner zumutbar. Auch deshalb, weil die Rechtsprechung einer Wohnbebauung am Ortsrand oder im Außenbereich eine geringere Schutzwürdigkeit zumutet, da dort mit der Errichtung von privilegierten, oft landwirtschaftlichen Vorhaben gerechnet werden muss.

Doch nicht nur eine mögliche Geruchsbelästigung beschäftigt die Anwohner. Sie sind auch besorgt, dass die Nitratbelastung des Trinkwassers durch den Dung der Tiere zunehmen könnte. Der Landwirt betont: "Es gibt eine Düngeverordnung und an die werde ich mich halten." Für die Überwachung ist das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) zuständig. Zur Sorge der Anwohner vor einer möglichen Verwendung von Antibiotika bei der Mast erklärt der Landwirt, dass er auf einen Antibiotika-Einsatz verzichten will.

Schweinepest lässt Bau des Stalls stocken

Grundsätzlich beschäftigt die Anwohner auch die Frage, wie sinnvoll die Schweinemast bei der drohenden Schweinepest und fallenden Schweinefleischpreisen überhaupt sei, sagt die BI-Sprecherin. Dieses Thema bewegt auch den Landwirt, der wegen der gefährlichen Schweinepest noch nicht absehen kann, wann er den neuen Stall bauen will. "Ich habe keine Planungssicherheit", sagt er. Um die Wirtschaftlichkeit des geplanten Stalls macht er sich allerdings keine Sorgen. Er arbeite bereits jetzt mit einem regionalen Metzger zusammen, der ihm die Hälfte der Schweine abnehmen will. Nach einem zweiten Metzger sucht der Landwirt noch.

Anwohner sehen sich als "rechtlos"

Der Gaulzhofener hofft, dass sich die Wogen im Streit um den Stall glätten lassen. "Ich werde mich bemühen, dass es für die Anwohner erträglich wird." Trotzdem hätten die Bewohner der Wachhofer-Siedlung den Stall gerne verhindert: Aber das Bauvorhaben sei privilegiert und "die Siedler rechtlos", ärgert sich die BI-Sprecherin. Wie sie erläutert, hätte die Initiative etwa 10.000 Euro investieren müssen, um gegen die Baugenehmigung zu klagen. Eine Einsicht in die Umweltinformationen im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens hatte das Landratsamt den Bürgern zugestanden. Aber der Landwirt hatte dagegen Klage eingereicht, die er später wieder zurückzog. Dadurch verzögerte sich die Akteneinsicht aber so lange, bis die Baugenehmigung bereits erteilt war.

Richtig enttäuscht seien die Anwohner von der Baugenehmigung nicht, sagt die BI-Sprecherin, sie hätten ja damit gerechnet. "Immerhin haben wir den Bau drei Jahre verhindert und konnten in dieser Zeit noch ungestört auf unserer Terrasse sitzen", sagt sie. Sie kündigt an, dass die Anwohner genau beobachten werden, ob der Landwirt die Auflagen für den Stall einhält.

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