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Todtenweis

02.12.2013

Sensationsfund: Erstes Zeugnis der Schlacht auf dem Lechfeld

Franz Sales Lochbilder: Die Schlacht auf dem Lechfeld (Detail), Heimatmuseum.
Bild: Irmgard Rampp

Es ist ein bemerkenswerter Fund: Bei Todtenweis im Landkreis Aichach-Friedberg wurde ein erstes Zeugnis der berühmten Schlacht auf dem Lechfeld gefunden.

Josef Kodmeir, bis 2008 Bürgermeister von Todtenweis im Landkreis Aichach-Friedberg, kennt normalerweise jeden Stein in der 1300-Einwohner-Gemeinde persönlich. Nichts aber war ihm bis gestern von einem archäologischen Sensationsfund bekannt, der auf einer Wiese im Todtenweiser Gemeindeteil Bach gemacht wurde. Es handelt sich um das erste archäologische Zeugnis der berühmten „Schlacht auf dem Lechfeld“ im Jahr 955 überhaupt.

Ein Sondengänger fand auf dem Bacher Lechfeld Fragmente eines ungarischen Pferdegeschirrs. Die Fundstücke bestehen komplett aus Silber und sind zum Teil mit einer Goldschicht überzogen. Das Geschirr hat nach Ansicht von Bernd Steidl nicht zum Pferd irgendeines ungarischen Reiters gehört. Es handele sich um einen Fund, „den wir mit einem Anführer der ungarischen Truppen in Verbindung bringen“, sagt der stellvertretende Direktor der Archäologischen Staatssammlung München. Um wen es sich gehandelt haben soll, wird erst am Mittwoch in der Landeshauptstadt verraten, wenn die Entdeckung vor ihrer endgültigen Restaurierung der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Geburt der deutschen Nation

Die „Schlacht auf dem Lechfeld“ ordnen Historiker zum Teil als Geburt der deutschen Nation ein. Sie war der Schlusspunkt der Ungarn-Einfälle und der größte militärische Erfolg Ottos des Großen, der sich später zum Kaiser krönen ließ. 60 Jahre lang hatten bis dahin ungarische Reiter mit ihren Raubzügen große Teile Mitteleuropas verheert. Danach nicht mehr. Die Führungsriege der Magyaren wurde – sofern sie die Schlacht überlebt hat – ausgetauscht. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich das „wilde Ungarn“ in einen normalen europäischen Staat, sagt Steidl.

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Eine wichtige Rolle bei dieser militärischen Auseinandersetzung kam dem Augsburger Bischof Ulrich zu. Er nahm zwar nicht, wie es die Legendenbildung will, als aktiver Streiter an der Schlacht teil. Aber er half entscheidend mit, dass die vorherige Belagerung Augsburgs durch die Ungarn erfolglos blieb.

Standort für Hauptschlacht ist umstritten

Umstritten ist der Standort für die Hauptschlacht auf dem Lechfeld ohnehin. Verschiedene Lechfeldgemeinden reklamieren ihn für sich. Dabei sei bereits der Begriff „Lechfeld“ irreführend, denn dort habe die blutige Schlacht keineswegs stattgefunden, sagt der Heimatpfleger des Landkreises Augsburg, Walter Pötzl. Der emeritierte Volkskunde-Professor verortet das Schlachtgeschehen westlich und nordwestlich von Augsburg. Pötzl nennt die Orte Steppach, Westheim, Täfertingen und Hirblingen. Der US-Militärhistoriker Charles R. Bowlus gelangt in seinem 2012 ins Deutsche übersetzte Buch „Die Schlacht auf dem Lechfeld“ ebenfalls zu der Ansicht, dass Ottos Truppen und Verbündete westlich von Augsburg auf die Ungarn trafen. Der Fund, der nächste Woche vorgestellt wird, steht dazu nicht in einem Widerspruch. Denn nach der Niederlage sollen bis zu 20 000 Ungarn geflohen – und viele davon auf der Flucht umgebracht worden sein, etwa in Todtenweis. Die Geschichtsbücher müssen wegen des Pferdegeschirrs also nicht umgeschrieben werden. „Aber der Fund“, so lautet Steidls Einschätzung, „dürfte schon Staub aufwirbeln.“

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