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Gundelsdorf

20.08.2019

So entschleunigen die Gundelsdorfer trotz des Schwerlastverkehrs

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7 Bilder
Hier muss es Kinder geben: Gegenüber der Kirche wachsen die Hortensien der bunten Palette von Kinderspielzeugen fast über den Kopf.

Plus Mit derzeit knapp 600 Einwohnern ist Gundelsdorf der zweitgrößte Ortsteil der Marktgemeinde Pöttmes. Die Einwohner genießen den Sommer zu Hause. Dabei macht manchen allerdings der Verkehr zu schaffen.

Auch der Sommer daheim hat viele tolle Seiten. Wie die in den Gemeinden und Orten im AN-Verbreitungsgebiet aussehen, zeigen wir auch heuer in unserer Sommerserie „Sommer in …“. Diesmal sind wir im Pöttmeser Ortsteil Gundelsdorf.

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In Gundelsdorf liegt die „Hölle“ auf der Straße. Im Baugebiet an der Karitzstraße haben Kinder mit bunter Kreide das beliebte Hüpfspiel „Himmel und Hölle“ aufgemalt. Für die Anwohner der viel befahrenen Bürgermeister-Mörtl-Straße, der Ortsdurchfahrt in dem Pöttmeser Ortsteil, ist die „Hölle“ die Straße selbst: Laut und stinkig rauschen tagtäglich Autos und Laster mitten durch den Ort.

Gundelsdorf: Autoschlange steckt fest

Hinter dem Laster, der gerade über die Bürgermeister-Mörtl-Straße donnert, steckt eine lange Autoschlange fest. Mittendrin tuckert ein Traktor und zieht eine graue Abgaswolke hinter sich her. Ein direkter Anrainer der Hauptstraße hat laut eigener Aussage kein größeres Problem mit dem Verkehrslärm. „Wir wohnen etwas versetzt, da ist es nicht so schlimm“, versichert er.

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Die volle Dröhnung bekommt auch die Familie Höger ab. Eine honiggelbe Fahne flattert im Vorgarten und wirbt für die hauseigene Imkerei. Auf die Frage nach dem Verkehr zuckt Tochter Simone mit den Schultern und sagt: „Ich bin mit dem Lärm aufgewachsen. Natürlich hört man das. Aber man gewöhnt sich dran.“ Sie hat gerade das Auto geputzt, denn die fünfköpfige Familie fährt in diesem Sommer samt Wohnwagen Richtung Nordsee. „Ohne die Bienen“, sagt die 15-Jährige schmunzelnd.

Die Tierchen summen in mehreren Kästen, die direkt vor der Terrassentür auf dem Boden stehen. Simone wird in den Ferien ihrem Vater beim Schleudern helfen. 30 Bienenvölker wollen versorgt sein. Der 15-Jährigen gefällt die Arbeit.

Andere Gundelsdorfer sind, was den Verkehr anbelangt, weniger gelassen und klagen über Lärm, Gestank und eine dadurch beeinträchtigte Lebensqualität. Ja, die Umgehungsstraße: Wann die komme, wisse doch keiner, sagt ein Anwohner. Aber dann gingen bestimmt diejenigen auf die Straße, die sich durch die neue Trasse im Süden belästigt fühlten.

Wohl dem also, der im „Dorf des Gundolt“ in der zweiten oder dritten Reihe wohnt. Hier dämpfen Häuser, Gärten und Schuppen den Verkehrslärm ab. Ein sportlich wirkender Rentner, der vor vielen Jahren mit seiner Familie von Pfaffenhofen an der Ilm in die Forsthausstraße gezogen ist, sagt: „Wir hören eh nur ein Rauschen.“ Was jetzt zählt, ist der Garten, die vielen Blumen, die sprießenden Salate im Hochbeet und der Enkel. Seit einigen Jahren wohnt auch der Sohn mit Familie im gleichen Haus. Abwechslung genug. Da denkt man nicht ans Wegfahren.

Ihr Leben lang hat die ehemalige Bäuerin viel gearbeitet

An der gleichen Straße im Pöttmeser Ortsteil schaut der „Lenz“ nach dem Rechten. Er kümmert sich um Haus und Blumen seiner verstorbenen Tante und steht unter den alten Obstbäumen in der angrenzenden Wiese. Bis Anfang der 90er-Jahre hatte er noch, nebst seinem Maurerberuf, einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Kühen, Rindern und Sauen. „Die damalige Politik hat die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe kaputtgemacht“, sagt er. In Gundelsdorf hätten zu der Zeit mehrere Landwirte aufhören müssen. Heute gebe es im Ort vielleicht noch eine Handvoll. „Schade“, sagt er.

Ihr Leben lang viel und schwer gearbeitet hat auch die 77-jährige ehemalige Bäuerin und gebürtige Gundelsdorferin, die mit ihrem Mann und sechs Kindern 40 Jahre lang eine Landwirtschaft an der Hauptstraße betrieb. Jetzt wohnt sie mit ihrem Mann im großen „Austragshaus“ an der Pfarrer-Kessler-Straße. Von ihren 17 Enkeln schaut gerade der siebenjährige Sebastian vorbei. Er steuert einen flotten Catcar-Zweisitzer. Am Wochenende war er mit der Familie in einem Schwimmbad in Augsburg.

Der Erstklässler freut sich, dass Ferien sind. Bei der Oma ist immer was los. Im Vorgarten stehen Spielgeräte, zwei Hasen mümmeln im Freigehege in Omas Wiese. Die rüstige Rentnerin hat, wie fast jeden Tag, am Montag für sieben Leute gekocht. „Schwabentopf – das ist einfach“, sagt sie. Dazwischen hat sie noch einen Hefezopf gemacht. Wenn Not am Mann ist, hilft sie ihrem Sohn im Metzgerladen oder beim dazu gehörenden Partyservice. Ihr Sohn hat noch eigenes Schlachtvieh im Stall stehen. „Heute wird Gülle ausgefahren, da hilft mein Mann“, sagt sie. Später will sie endlich mal die Beine hochlegen.

An der Pfarrer-Beck-Straße wird gewerkelt. Eine junge Frau erzählt: „Unsere Buchsbäume sind alle kaputt gegangen. Wir mussten sie rausreißen.“ Jetzt wird alles neu bepflanzt. Mit ihrem Mann holt sie viele kleine Töpfe mit buntem Allerlei aus dem Kofferraum. Urlaubspläne haben sie momentan nicht.

„Wieso auch?“, heißt es an der Karitzstraße. Eine braun gebrannte 76-Jährige sagt: „Hier ist es so schön.“ Währenddessen zupft sie an den Rosen, die fast bis in ihr Wohnzimmer wachsen. Dazwischen ranken Tomaten. Auffallend viele, akkurat gestutzte kugelrunde, kerngesunde Buchsbäume und -büsche in allen Größen zieren den Vorgarten. „Die hat heuer der Sohn mit einer Spezialmaschine beschnitten“, sagt sie. Dabei ist leichtes Bedauern zu spüren, denn hätte sie keine Schulterprobleme, hätte sie das mit der Heckenschere nur zu gerne selbst in die Hand genommen.

Auch ein junges Ehepaar an der Jägerstraße hat Gerätschaften in der Hand, um dem Unkraut zwischen den Steinen und den welken Blumen Herr zu werden. Die Kinder machen Urlaub bei der Oma. „Wir müssen arbeiten“, sagt die junge Mutter. Sie grüßt eine vorbeikommende, sportliche Frau mit Hund, die nach dem Spaziergang auf dem Weg zum Bäcker ist. Seit neun Jahren wohnt sie mit ihrer Familie in Gundelsdorf, ihre Pferde stehen im Baarer Ortsteil Lechlingszell.

„Urlaub? Nein, machen wir nicht“, sagt sie. Höchstens zum Chiemsee fahren sie mal, denn da kommt sie her. Gerade war sie auf der Anhöhe am nördlichen Ortsrand. Von dort hat man den besten Blick auf Gundelsdorf. Dazu gibt’s Brombeeren direkt vom Strauch.

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