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Aichach-Friedberg

24.12.2020

So feiern die Menschen im Wittelsbacher Land Heiligabend

Dominic, Eric (5), Carl (2), Helen und die kleine Ida Wenig (v. l.) aus Sielenbach verbringen den Weihnachtsabend ganz entspannt und erstmalig zu fünft.
Bild: Alice Lauria

Plus Heuer ist Weihnachten für alle anders. Eine Familie, ein Single, ein Pfarrer und eine Seniorenheim-Mitarbeiterin erzählen, wie bei ihnen Heiligabend unter Corona-Bedingungen abläuft.

2020 ist alles anders, sogar Weihnachten. Aber manche Traditionen lassen sich selbst durch eine weltweite Pandemie nicht verändern. Vier Menschen aus dem Wittelsbacher Land erzählen davon, wie bei ihnen das Fest wird.

Martina Sertic-Gandl, Wohnbereichsleiterin im Aichacher Heilig-Geist-Spital

"Wir haben eine schwierige Zeit durchlebt. Weil wir Bewohner verloren haben, haben wir uns erst gefragt, ob wir in der Weihnachtszeit überhaupt dekorieren sollen. Aber dann dachten wir uns, wir müssen das natürlich machen. Wir dürfen zwar nicht feiern, aber wir haben auf den Gängen die Musik laut aufgedreht, damit es alle in ihren Zimmern hören. Wir haben gutes, motiviertes Personal, das will, dass es den Leuten in dieser schwierigen Zeit gut geht.

Martina Sertic-Gandl arbeitet an Weihnachten im Aichacher Heilig-Geist-Spital. Die Stimmung an Heiligabend findet sie immer sehr schön.
Bild: Hans Eberle

An Heiligabend haben mir viele Mitarbeiter selbst angeboten, dass sie reinkommen und unterstützen. Dieses Jahr sind wir mehrere Mitarbeiter, damit wir mit den Bewohnern auf den Zimmern zusammensitzen können, ihnen vorlesen, mit ihnen Plätzchen essen, Punsch trinken, Weihnachtslieder singen. Das haben wir am 24. sonst immer bei einer Weihnachtsfeier auf der Station gemacht, jetzt machen wir es auf den Zimmern.

Heiligabend im Seniorenheim: Eine schöne Zeit trotz Corona

An Weihnachten ist hier immer eine schöne Stimmung. Wir hören Weihnachtsmusik, stimmen uns auf Heiligabend ein. Die Angehörigen, die vorbeikommen, genießen das immer. Durch den Schnelltest dürfen Angehörige auch heuer kommen und sogar Bewohner mit nach Hause nehmen. Das war uns wichtig. Die Bewohner sollen gerade in dieser schwierigen Zeit ein schönes Weihnachtsfest haben."

Helen Wenig, zusammen mit ihrem Mann Dominic und den Kindern Eric (5), Carl (2) und Ida (sechs Wochen), aus Sielenbach

"Wir machen es uns gemütlich, zünden Kerzen an und essen schön zu Mittag. Heuer haben wir eine fertig zubereitete Ente von einem lokalen Metzger vorbestellt. Einmal um uns weniger Arbeit zu machen, aber auch um ein örtliches Unternehmen in der aktuellen Situation zu unterstützen. Am Nachmittag machen wir Bescherung und lassen den Abend dann entspannt ausklingen. Durch das große Essen mittags, statt abends, erhoffen wir uns während und nach der Bescherung mehr entspannte Familienzeit. Wir wollen gemeinsam spielen, aber auch mit Verwandten per Videotelefonie Weihnachtsgrüße austauschen und ihnen virtuell nah sein.

Sielenbach: Familie macht keine Besuche an Weihnachtsfeiertagen

Der Unterschied in diesem Jahr ist, dass wir an den beiden Feiertagen keinen Besuch erwarten und auch nirgends hinfahren. Den Weihnachtsabend haben wir schon immer unter uns gefeiert. Wir freuen uns einerseits sehr über die Ruhe, aber finden es auch schade, dass man nicht die Menschen besuchen kann, für die man das ganze Jahr über wenig Zeit hat.

Aber lieber dieses Jahr getrennt, als nächstes Jahr unvollständig. Wir waren die letzten zwei Wochen ohnehin in Sorge um Oma und Uroma, da sich beide mit Corona infiziert hatten. Glücklicherweise haben es wohl beide gut überstanden. Allerdings kann unser fünfjähriger Sohn Eric deswegen nicht wie geplant nach Weihnachten für ein paar Tage alleine die Oma besuchen."

Pater Markus hat auch in diesem Jahr eine große Krippe in seinem Garten aufgestellt. Viele Familien kommen vorbei, um sich die Krippe anzusehen.
Bild: Markus Szymula

Pater Markus Szymula, Pfarrer in Schiltberg

"Es wird ein bisschen anders als sonst. Ich halte fünf Gottesdienste, ab 16 Uhr jede Stunde einen. Der um 20 Uhr muss schnell gehen, damit die Leute rechtzeitig vor der Ausgangssperre nach Hause können. Heuer habe ich zwei Kindermetten, damit sich die Menschen ein bisschen aufteilen können. Außerdem stelle ich zwei Lautsprecher auf, dann können noch weitere von draußen im Garten zuhören. Es ist ein bisschen traurig, aber das Jesuskind kommt trotzdem zu uns. Wenigstens dürfen wir die Kirchen offen haben, zu Ostern war das ja anders.

Schiltberg: Viele Messen wegen Corona-Regelungen

Dass ich alleine bin am Heiligen Abend, bin ich über die Jahre gewohnt. Da kommt kein Besuch, nichts. Aber ich habe bereits zum fünften Mal eine große Krippe im Garten aufgestellt, da kommen viele Familien vorbei. Ich wünsche mir für Weihnachten, dass nächstes Jahr wieder anders wird. Ich bin ganz alleine, das ist kein Problem. Aber wenn sich die Familien nicht treffen dürfen, gerade an Weihnachten, ist das traurig. Ich bewundere allerdings alle und gerade die Kinder, dass sie alles so gut mitmachen."

Bei der Friedbergerin Petra Gerber darf die Hündin Afra als Erste ihr Geschenk auspacken - noch vor Gerbers Sohn. Was wohl darin ist?
Bild: Franz Scherer

Petra Gerber, alleinstehend, aus Friedberg

"Weihnachten verbringe ich jedes Jahr irgendwie anders. Doch am 24.12. feiere ich immer gemeinsam mit meinem Sohn Max – da freue ich mich sehr darauf! Den Christbaum dekoriere ich meistens am 23.12. abends oder nachts, lege die Geschenke darunter und schließe die Tür. An Heiligabend essen wir gemeinsam. Danach, wenn es dunkel ist, hören wir uns Weihnachtslieder an - die klassischen Stücke, gerne darf es aber auch etwas rockiger sein.

Dann wird die Tür zum Wohnzimmer mit dem Christbaum geöffnet und wir halten eine Weile inne - genießen die Musik, die innere Stille und die Atmosphäre. Meine Hündin darf als Erste ihr Geschenk auspacken, danach mein Sohn. Er ist 28 Jahre alt, aber das besondere Gefühl in diesem Moment hat sich nicht geändert. Normalerweise gehen wir in die Mitternachtsmette in St. Jakob, dieses Jahr aber nicht. Weil auch in den anderen Gottesdiensten die Plätze begrenzt sind, überlassen wir unseren Platz lieber den Menschen, die vielleicht sonst niemanden an diesem so besonderen Weihnachtsfest haben."

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