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Aichach-Friedberg

26.03.2020

Spargel: Viele Menschen wollen als Erntehelfer einspringen

Bei der Spargelernte, wie hier in Unterbachern bei Inchenhofen im Landkreis Aichach-Friedberg, arbeiten normalerweise ausländische Saisonarbeiter.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Wegen der Corona-Krise fehlen in Aichach-Friedberg Arbeiter auf den Feldern für die jetzt beginnende Saison. Was Betriebe befürchten und auf was sie hoffen.

Studenten, Selbstständige, Arbeitslose, Angestellte in Kurzarbeit, Rentner und sogar Kinder und Jugendliche – alle wollen helfen, dass die Spargelsaison nicht ins Wasser fällt. Aufgrund der fehlenden Erntehelfer wegen der Corona-Reisebeschränkungen hatte der Spargelerzeugerverband Südbayern die Erntehelferhotline „Sie suchen – wir suchen“ gestartet. In kürzester Zeit haben sich über 200 Arbeitswillige gemeldet, die gerne mithelfen würden. Viele Bürger rufen auch direkt bei den betroffenen Spargelhöfen in ihrer Nähe an und bieten ihre Unterstützung an.

Spargelfelder sind oft schon reif für die Ernte.

Claudia Westner aus dem Kühbacher Ortsteil Haslangkreit ist Vorsitzende des Spargelerzeugerverbands Südbayern. Sie freut sich über die vielen Rückmeldungen und hofft, dass auch viele Helfer auf die Höfe vermittelt werden können. Sie weist allerdings darauf hin, dass es sich beim Spargelstechen um eine harte körperliche Arbeit handelt, die auch einige Wochen durchgehalten werden sollte. Auch, um nicht so viele verschiedene Gruppen einsetzen zu müssen. Frauen seien eher beim Waschen, Schneiden und Verpacken des Spargels gefragt. Kinder dürfen nicht eingesetzt werden, auch wenn das manchen Eltern bei der jetzigen intensiven Betreuungssituation vermutlich ganz recht wäre. Jugendliche können erst ab 16 Jahren mit anpacken.

Wegen der geschlossenen Lokale drohen hohe Verluste

Bei Westner selbst sind acht Helfer aus Polen eingetroffen, die mit entsprechenden Arbeitsverträgen problemlos über die Grenze kamen, wie die 48-Jährige berichtet. Andere Spargelhöfe haben Flugtickets für ihre Helfer, überwiegend aus Rumänien, finanziert. So sind bei den Spargelbauern Lunz aus Obergriesbach, Limmer aus Affing und Lohner aus Inchenhofen – noch vor dem am Mittwochnachmittag vom Innenministerium verhängten Einreiseverbot – erste oder weitere Arbeiter aus Rumänien angekommen.

Da die Saison bei diesen Betrieben erst in diesen Tagen oder erst Richtung Ostern beginnt, reicht vorläufig ein kleinerer Teil an Helfern. Wie viel Spargel heuer verkauft werden kann, ist ohnehin offen. Da viele Gastronomiebetriebe derzeit geschlossen haben und allenfalls Speisen zum Abholen oder Ausliefern anbieten, drohen hier erhebliche Umsatzeinbußen.

Jede Pflegekraft der Sozialstation Augsburg Hochzoll Friedberg und Umgebung fährt nur in der Schutzmontur zu den Klienten. Dazu gehören der Schutzanzug, der Mundschutz, die Schutzbrille wie auch die Schutzanschuhe. Pflegedienstleitung Ulrike Hopfes hat die Montur hier für das Foto angezogen.
65 Bilder
Die Bilder aus dem Landkreis zur Corona-Krise
Bild: Caritas Augsburg/Bernhard Gattner.

Generell gilt Spargel als Luxusgemüse, für das durchaus etwas mehr Geld auf den Tisch gelegt werden muss. Zum Saisonstart in Inchenhofen dürften die Preise, je nach Klasse, zwischen fünf und 15 Euro pro Kilo liegen. Der Großteil der befragten Spargelbauern will versuchen, trotz der vermutlich höheren Produktionskosten und des geringeren Absatzes auf eine Preissteigerung zu verzichten. Georg Lohner betreibt mit seinem Bruder Josef eines der größten Spargelunternehmen Deutschlands. Er sagt: „Die Leute müssen den Spargel ja auch noch kaufen können. In Zeiten, in denen die Menschen ihre Arbeit verlieren oder in Kurzarbeit gehen müssen, können wir den Spargel nicht teurer machen.“

Auch Claudia Westner erwartet keine extreme Preiserhöhung, obgleich der Preis beim Spargel nach wie vor „Hofsache“ sei. Die Haslangkreiterin hofft darauf, dass die Bevölkerung den heimischen Spargel jetzt auch kauft. „Viele Leute sind zu Hause und haben jetzt auch Zeit zum Kochen“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Was würde sich da besser anbieten als gesundes, frisches, regionales Gemüse?“ Sie ist davon überzeugt: Der Spargel ist gut für die Seele und hebt die Stimmung. Trotz der in Bayern geltenden Ausgangsbeschränkungen darf laut Landratsamt übrigens jeder Bürger raus, um Spargel auf Märkten, in Hütten am Straßenrand oder in Hofläden zu kaufen.

Corona-Krise: Lieferservice für Spargel

Auch die Betreiber des Spargelhofs Lunz in Obergriesbach versuchen, sich für die aktuelle Krisensituation zu wappnen. Wie Juniorchefin Tanja Ostermaier berichtet, denkt ihre Familie über einen Lieferservice für den Spargel nach. „Man muss anders denken in diesen Zeiten“, betont sie. Dass offenbar auch viele Kunden in diesen Zeiten anders denken und sich in Supermärkten um Klopapier streiten, bereitet Georg Lohner Sorgen.

Der Lohner-Spargel wird beispielsweise bei Aldi und Lidl verkauft. Vonseiten der Discounter gab es zuletzt viel Unterstützung bei der Suche nach Erntehelfern. „Die wollen doch etwas in den Regalen haben“, erklärt Lohner. Wie die Kunden auf den Spargel reagieren, kann Lohner nicht vorhersehen. Er glaubt aber, wie wohl viele seiner Berufskollegen, dass es in dieser Saison vor allem um Verlustminimierung gehen wird.

Die Erntehelferhotline „Sie suchen – wir suchen“ des Spargelerzeugerverbands Südbayern ist unter Telefon 08252/89480 und per E-Mail an info@griesers-hotel-post.de zu erreichen.

Einen Kommentar dazu finden Sie hier: Spargel-Lust trotz Corona im Wittelsbacher Land

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