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02.07.2014

Statt Protest Hilfe für Asylbewerber

Die Trommelgruppe von Asylbewerbern aus Mali, die in Anwalting leben, hatten bereits einen Auftritt im Kreisgut in Aichach.
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Die Trommelgruppe von Asylbewerbern aus Mali, die in Anwalting leben, hatten bereits einen Auftritt im Kreisgut in Aichach.

In Affing unterstützen 26 Freiwillige 22 Flüchtlinge. Das Engagement ist nun preisverdächtig

Am Anfang war der der Protest. Bevor der erste Asylbewerber in Anwalting einzog, wetterten Bürger darüber, dass Flüchtlinge in den Affinger Ortsteil kommen sollen. Seit Mitte Oktober leben nun junge Männer aus Nigeria, Pakistan oder Syrien in dem ehemaligen Bauernhaus in der Ortsmitte. Sie erfahren in Anwalting viel Unterstützung. 26 Menschen engagieren sich im Asylkreis für 22 Flüchtlinge.

Die Diskussion im Sommer vor einem Jahr im Affinger Becken blieb nicht unbemerkt. Die Wochenzeitung Die Zeit reagierte darauf. Sie setzte Bürger, Flüchtlinge und Behördenvertreter an einen Tisch und veröffentlichte das Interview. Inzwischen ist es ruhig geworden um Anwalting und seine Asylbewerber. Doch sie könnten bald wieder Schlagzeilen schreiben – positive. Bürgermeister Rudi Fuchs hat den Asylkreis Affing-Anwalting, der sich um 18 Flüchtlinge in Anwalting und vier in Affing kümmert, vorgeschlagen für den Integrationspreis der Regierung von Schwaben, der alljährlich vergeben wird. Das Engagement gehe über das normale Maß hinaus, begründet Fuchs.

Dauerhaftes Engagement

Im Landkreis engagieren sich rund 200 Menschen ehrenamtlich für die Flüchtlinge. Petra Bachmeir aus Anwalting will deshalb gar nicht, dass sich der örtliche Asylkreis profiliert. Sie findet es nur schön, wenn die Arbeit an sich anerkannt wird. Denn „das macht echt auch Spaß“, hat die Mutter von drei Kindern (zwei, fünf und sieben Jahre) festgestellt. Sie folgte dem Aufruf von Pfarrer Max Bauer im Herbst, weil sie den Asylbewerbern zeigen wollte, „dass wir in Deutschland auch gastfreundlich sind“. Sie selbst sei auf Reisen auch gastfreundlich aufgenommen worden. Aus dem ersten Treffen der Freiwilligen im September ist ein dauerhaftes Engagement geworden. In Eigenregie haben die Helfer aus der ganzen Gemeinde viel auf die Beine gestellt, angefangen vom Kennenlern-Fest, über eine Nikolausfeier und Ausflügen nach Füssen und Neuschwanstein bis hin zu Trommelnachmittagen, dem Deutschkurs oder Gemüseanbau vor der Unterkunft. Daneben werden Fahrdienste organisiert, Behördengänge begleitet, gebrauchte Fahrräder aufgetrieben, Streitigkeiten geschlichtet, Verträge überprüft oder bei Missverständnissen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen vermittelt.

Das erste Missverständnis gab es ganz am Anfang. Vor der Unterkunft fuhr die Polizei vor und zwei Asylbewerber stiegen aus. Das machte im Ort schnell die Runde. Bevor Gerüchte entstehen konnten, informierte Pfarrer Bauer die Anwaltinger nach einem Gottesdienst. Die zwei Männer hatten sich nichts zuschulden kommen lassen, sondern nur den falschen Bus erwischt und waren in Aichach festgesessen.

Die Angst vor Neuem ist in Anwalting inzwischen geschwunden, viele Wogen haben sich geglättet- Das bestätigt Asylhelferin Bachmeir. Bei manchen gibt es aber noch Vorbehalte. Die gelernte Bankkauffrau kann sie nicht teilen. Im Gegenteil. Manche Asylbewerber sind sogar „unsere Freunde geworden“. Ein Mitglied des Asylkreises hat nun einen Syrer als Mieter. Er ist als Flüchtling anerkannt. Ebenso ein weiterer Mann aus Syrien. Er sucht gerade ein möbliertes Zimmer.

Die Entscheidung, ob der Asylkreis Affing-Anwalting mit dem Integrationspreis bedacht wird, steht noch aus. Gewonnen haben Helfer und Flüchtlinge aber schon heute. Die einen, weil sie Hilfe finden, die anderen, weil sie immer wieder dazulernen, wie Bachmeir sagt. Zum Beispiel, dass ein Grillfest heuer im Juli für Muslime keine gute Idee ist. Es ist Ramadan. Deshalb wird nun im August gefeiert. Gewonnen hat auch der Landkreis. Dort ist man froh um jeden Ehrenamtlichen, der sich für die inzwischen 360 Asylbewerber engagiert.

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