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Porträt

21.04.2019

Stefan Immler aus Aichach: Lehrer, Musiker, Komponist

Sein Klavier ist für Stefan Immler aus Aichach Arbeitsplatz und Rückzugsort zugleich.
Bild: Foto: Manfred Zeiselmair

Für Stefan Immler ist ein Leben ohne Musik nicht vorstellbar. Als Musiklehrer am Friedberger Gymnasium hat er sie zu seinem Beruf gemacht. Aber nicht nur das.

Ein Leben ohne Musik ist für ihn unvorstellbar. Wenn Stefan Immler auf den Gängen des Friedberger Gymnasiums unterwegs ist, hat er meistens eine Melodie im Kopf, die er leise vor sich hin summt. „Meine Schüler können ein Lied davon singen“, erzählt der Musiklehrer vielsagend und lacht. In seiner Schule ist der Aichacher bekannt für seine fröhliche und umgängliche Art. Besonders wichtig sei es für ihn, Begeisterung für die Musik zu entfachen, ob bei seinen Schülern oder Zuhörern seiner Konzerte.

Mit viel Schwung, innovativen Ideen und Kompetenz stellt Immler unterschiedlichste Projekte auf die Beine. Als Musikpädagoge, Chorleiter und besonders als Leiter des Friedberger Kammerorchesters – zuletzt mit großem Erfolg beim Operetten-Benefizkonzert im Friedberger Schloss.

Sein Werdegang begann in seiner Heimatstadt Nürnberg

Immlers musikalischer Werdegang begann in seiner Heimatstadt Nürnberg. Dort ermöglichten ihm seine Eltern zunächst eine fundierte Klavierausbildung. Am musischen Gymnasium Schwabach kamen Violine, Bratsche und Orgel dazu. In Schwabach sammelte er seine ersten Auftrittserfahrungen. Nach dem Abitur studierte er zunächst in Graz. „Dort verdiente ich mir im Spielcasino immer was dazu“, erzählt Immler lachend und fügt hinzu: „Nicht beim Roulette, sondern als Barpianist.“ Man habe ihn dort Ferdinand genannt, „vermutlich weil der Name besser zu einem österreichischen Klavierspieler passt“, mutmaßt Immler. Gut könne er sich an einen Stammgast erinnern, für den er immer wieder „Ode an die Freude“ spielen musste. „Sonst waren dort eher Evergreens angesagt als klassische Musik.“

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Später in München studierte der Musikbegeisterte dann Konzertfach Klavier und Schulmusik für das Gymnasium. Zusätzlich nahm er Dirigierstunden und besuchte Kurse für Klavier, Kammermusik und Liedbegleitung. Nach einem Konzert mit einem befreundeten Geiger in Eichstätt musste er in der örtlichen Presse die Schlagzeile lesen: „Wie von allen guten Geistern verlassen“. Immler nahm seine erste – und bislang einzige – Negativ-Kritik mit Humor. „Ich hab den Abend damals gar nicht so schlecht empfunden“, sagt er schmunzelnd.

Seit 1997 unterrichtet er am Friedberger Gymnasium

Nach seinem Referendariat in München unterrichtete Immler in Pfaffenhofen/Ilm und seit 1997 am Friedberger Gymnasium. In Friedberg lernte er auch seine spätere Ehefrau Christine kennen, die aus dem Bayerischen Wald stammt und mittlerweile als Lehrerin für Deutsch und Erdkunde an der Maria-Ward-Realschule in Schrobenhausen unterrichtet. „Ich mag ihren niederbayerischen Dialekt“, sagt Immler. Auch Christine Immler ist musikbegeistert. Sie spielt Klarinette und war mit ihrem Blockflöten-Ensemble unter anderem beim Barock-Picknick am Sisi-Schloss in Unterwittelsbach zu hören. Seit 2000 wohnt die Familie in Aichach.

Die mittlerweile vier gemeinsamen Kinder im Alter von sieben bis 14 Jahren treten offenbar in die Fußstapfen der Eltern. Während Florian als Jüngster nach der Blockflöte das Klavierspielen begonnen hat, lernt Tochter Theresa Geige und Fagott. Ihre älteren Brüder Christoph (Cello, Orgel) und Simon (Trompete, Klavier) gehen sogar schon musikalisch auf Reisen: Simon war Anfang des Jahres bei den Orchestertagen in Babenhausen, Christoph mit den Augsburger Domsingknaben in Paris. Und beim Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ in Augsburg wurde Christoph als Cellist vor Kurzem mit einem zweiten Preis ausgezeichnet. Vater Stefan Immler freut sich über das Talent seiner Kinder. Er selbst leitete über mehrere Jahre Chöre in München und Kissing. Im Oktober 2018 übernahm er vom Gründer Gereon Trier die anspruchsvolle künstlerische Leitung des Friedberger Kammerorchesters und erntet seitdem große Erfolge.

Auch mit eigenen Kompositionen machte er sich einen Namen

Neben seinen pädagogischen, pianistischen und dirigentischen Tätigkeiten machte sich Stefan Immler auch einen Namen mit eigenen Kompositionen. So entstand im Jahr 2002 das Schulmusical „Liebe auf Uhrwegen“ – die Geschichte eines Uhrmachers, der von Völs/Schlern in die Uhrmacherstadt Friedberg ging. 2012 wurde an der Grundschule Aichach-Nord Immlers kammermusikalisches Werk „Die Paar“ uraufgeführt. 2017 entstand das „Friedberger Weihnachtslied“ und 2018 das „Friedberger Schlosslied“, das anlässlich der Wiedereröffnung des Schlosses von singenden und musizierenden Schülern und Lehrern uraufgeführt wurde.

Zu Hause in Aichach-Nord ist der Musiklehrer umgeben von großen Komponisten – zumindest wenn man die dortigen Straßennamen liest. Angefangen von Mozart, Vivaldi und Beethoven über Richard Wagner und Johannes Brahms bis zu Max Reger und Richard Strauss. „Das wirkt scheinbar anziehend“, schmunzelt Immler und bestätigt, dass in seiner Nachbarschaft mehrere Musiker wohnen.

Immler: „Mit dem Computer ist das Komponieren einfacher geworden“

„Es war schon immer mein Traum, selbst Lieder zu schreiben“, sagt Immler und ergänzt: „Mit dem Computer ist das Komponieren einfacher geworden. Der Vorteil dabei ist, dass man das Ergebnis sogleich anhören kann.“ Am Liedermachen möchte Immler auch seine Schüler teilhaben lassen. Deshalb entschloss er sich, für die elften und zwölften Klassen ein Songwriter-Seminar anzubieten. „Jeder Schüler kann am PC seinen eigenen Song schreiben. Mit Musik und Text“, so Immler. Mit diesem Praktikum-Seminar können die Schüler sogar ihre Abitur-Note verbessern. Über einen seiner Song-Schreiber freute er sich besonders. Der junge Mann hat am PC eine Techno-Version von Immlers Weihnachtslied gefertigt und als „MC Immler“ ins Internet gestellt. Als „Official Remix Track“ hat der Song bereits mehr als 2250 Klicks erreicht, berichtet der Musiklehrer.

Ob er auch in seiner Freizeit Musik höre, im Auto zum Beispiel? „Da läuft bei mir eher der Nachrichten-Sender. Ich beschalle mich ja den ganzen Tag über mit Musik“, antwortet Immler. Gerne gehe er aber zu Konzerten und ins Theater, obwohl sich das bei einer sechsköpfigen Familie verständlicherweise in Grenzen hält. „Früher war ich gerne auf Rock-Konzerten“, sagt er und spricht von Tina Turner und den Ärzten. Für das letzte Michael-Jackson-Konzert habe er leider keine Karte mehr bekommen.

Was er sonst noch gerne in seiner Freizeit macht

Was er noch gerne in seiner Freizeit macht? „Ich esse und koche sehr gerne, besonders italienisch“, sagt Immler. Das habe er sich selbst beigebracht – während der Elternzeit mit seiner Tochter. „Aus elementaren Kochbüchern, nicht aus TV-Sendungen“, betont Immler. Wenn er – wie vor Kurzem – Pasta mit Lachs, Spinat und Kirschtomaten zubereitet, bedient er sich für die Zutaten gerne mal im Internet. „Dann steht meine Einkaufsliste im Smartphone“, schmunzelt der Hobbykoch. In seiner Freizeit fährt er auch gerne Fahrrad, im Sommer sogar manchmal nach Friedberg zur Schule. „Wir wandern auch gerne, besonders im Urlaub. Nur am Strand liegen ist mir zu wenig.“

Ob er bei seinen Auftritten Lampenfieber habe? „Wenn ich mit meinem Chor oder meinen Musikern gut vorbereitet bin, hält sich das in Grenzen. Richtig aufgeregt bin ich nur, wenn die eigenen Kinder auf der Bühne stehen“, sagt er.

Was er sich für seine Zukunft wünscht

Auf die Frage nach seinem Lebensmotto überlegt Stefan Immler nicht lange: „In der Gegenwart leben, das Beste daraus machen und keine Angst vor morgen haben“, antwortet er und ergänzt: „Ich kann auch über mich selber lachen.“ Mit dieser Einstellung sei es für ihn weniger schlimm, wenn mal Fehler passieren. Was er sich für seine Zukunft wünscht? „Gesund alt werden – und im Pensionsalter noch irgendwas Ungewöhnliches anstellen. Vielleicht Ballett-Unterricht nehmen?“, sinniert Immler lachend. Oder eine große Symphonie mit mehreren Sätzen komponieren? Und damit in die Fußstapfen der großen Komponisten treten? Wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwann einmal in Aichach oder Friedberg eine Stefan-Immler-Straße?

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