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Aichach-Friedberg

20.04.2016

Tiere gerissen und Menschen bedroht: Gefürchtete Hunde verlassen Dorf

Unser Bild zeigt einen anderen Mischling der Rasse Akita Inu, der auch die „Zahlinger“ Hunde angehören.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Zwei Hunde haben in Zahling Menschen gestellt und eine Katze gerissen. Beobachter vermuten die Schuld beim Hundehalter. Der verlässt jetzt wohl den Landkreis.

Beim Obergriesbacher Bürgermeister Josef Schwegler glühte am Dienstagvormittag das Telefon. Zahlreiche Medien, darunter auch der Bayerische Rundfunk, wollten ihn interviewen. Der Grund: Unser Bericht über die beiden jungen Hunde, die den Menschen im Obergriesbacher Ortsteil Zahling Angst einjagen. Auch auf der Facebook-Seite der Augsburger Allgemeinen führte das Thema zu heftigen Diskussionen.

Wie berichtet, haben die Hunde Kinder und eine Zeitungsfrau bedroht und zuletzt eine Katze und eine Henne im Aichacher Stadtteil Sulzbach gerissen. Auf Facebook gab es dazu viele Kommentare. Die meisten Schreiber waren sich einig: Das Problem ist der Hundehalter. Eine Nutzerin betonte: „Es gibt von Natur aus keine bösen Hunde. Die Menschen machen die Hunde zu Kampfhunden.“ Eine andere Stimme forderte: „Dem Halter gehören die Tiere abgenommen, bevor noch Schlimmeres passiert.“

Bürgermeister sieht das Problem noch nicht als gelöst an

Von einer neuen Entwicklung berichtete am Dienstag der Sprecher des Landratsamtes in Aichach, Wolfgang Müller. Der Hundebesitzer ziehe in den Nachbarlandkreis Augsburg und nehme die Hunde mit. Der Mann, der offiziell im Westen des Wittelsbacher Landes wohnt, hat laut Müller nachgewiesen, dass er eine Immobilie gemietet hat, in der Hunde erlaubt sind. Künftig müsse das Veterinäramt Augsburg prüfen, ob der Tierschutz gewährleistet sei. Die Mitarbeiter wurden von ihren Aichacher Kollegen informiert. Die Polizei hatte die Hunde zuletzt in eine Zuchtstation nach Ecknach gebracht.

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Trotz dieser Neuigkeit sieht Schwegler das Problem nicht gelöst. Zumindest geht der Bürgermeister davon aus, dass die privaten Besuche des Mannes in Zahling weitergehen und die Hunde weiter im Ort unterwegs sein werden. Sie gehören der schäferhundähnlichen Rasse Akita Inu American an. Schwegler setzt zunächst auf eine Lösung im Guten. Deshalb habe er auch alle Interviewanfragen abgelehnt, um den Ball flach zu halten. Wie berichtet, kennt Schwegler eine Hundeexpertin, die bereit wäre, die Hunde zu übernehmen. Die Frau werde selbst mit dem Hundehalter sprechen und versuchen, ihn zur Einwilligung zu bewegen.

Veterinäramt: Die Hunde wurden falsch gehalten

Wie Schwegler erklärt, ist der Hundehalter auf ihn nicht gut zu sprechen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Gemeinde schon seit einiger Zeit eine Anleinpflicht für die Hunde verhängt hatte und jetzt noch eine Maulkorbpflicht hinzugefügt hat. Als letztes Mittel kann die Gemeinde dem Mann sogar die Hundehaltung untersagen. Die Aichacher Polizei ermittelt gegen den Hundehalter, weil er gegen die Auflagen der Gemeinde verstoßen hat. Drei bis viermal im Jahr hat die Aichacher Polizei nach eigenen Angaben mit „Problemhunden“ zu tun.

Das Veterinäramt im Landkreis kam nach einer Überprüfung der „Zahlinger“ Hunde zu dem Schluss, dass sie nicht grundsätzlich aggressiv seien, sondern falsch gehalten wurden. Die Tiere hatten demnach zu wenig Licht und nicht genügend Auslauf. Wohl auch deshalb büxten sie oft aus. Generell gibt es laut Müller im Landkreis jährlich bis zu fünf Fälle, bei denen das Amt einschreitet, weil Hunde nicht artgerecht gehalten werden. Um Kampfhunde handelt es sich in Zahling nicht.

In Aichach ist beispielsweise nur ein Kampfhund gemeldet. Wie Klaus Stepper vom Ordnungsamt der Stadt mitteilt, handelt es sich um einen Bullterrier, der laut Gutachten aber als nicht gefährlich gilt. Stepper berichtet: In Aichach kommt es immer wieder zu Zwischenfällen mit Hunden, oft verursacht durch „uneinsichtige Hundehalter“.

Vor einem Jahr wurde ein Jogger im Wald gebissen

So sei erst vor einem Jahr ein Jogger im Wald in den Oberschenkel gebissen worden, weil der Hundehalter das Tier – trotz erkannter Gefahr – nicht an die Leine nahm. Stepper rät allen Hundehaltern zur Hundeschule. Er appelliert aber auch an die Menschen, die sich von Hunden gestört oder bedroht fühlen, als allererstes mit dem Hundehalter zu sprechen.

Elisabeth Koch aus Hollenbach ist Problemhundetherapeutin. Sie erläutert, dass es vielen Hunden an Führung fehle, daher übernehme der Hund die Rolle des Chefs. Wenn der Halter dies nicht steuere, folge der Hund, der ein Raubtier ist, seinen Instinkten. Dazu gehöre es, zu jagen und auf eine Bedrohung durch etwas Fremdes, etwa durch Kinder, aggressiv zu reagieren.

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