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Todtenweis

10.03.2020

Todtenweiser Funde beschäftigen Archäologen

Die Ausgrabungen in Todtenweis geben Historikern noch einige Rätsel auf.
Bild: Sofia Brandmayr

Plus Bei den Ausgrabungen von Todtenweis sind noch viele Fragen zu klären. Im Mai wollen sich Fachleute dazu äußern. Auch ein Sondengänger meldet einen Fund.

Ganz im Westen des Landkreises Aichach-Friedberg ist eine Gemeinde angesiedelt, die ausgesprochen reich ist. Derzeit freilich nicht in finanzieller Hinsicht, sondern wenn es um archäologische Funde in ihrem Bereich geht. Steht in dieser Kommune ein neues Bauprojekt an, ist jedes Mal damit zu rechnen, dass die Arbeiter früher oder später auf Zeugen einer Zeit stoßen, die zum Teil 4000 oder gar 6000 Jahre zurückliegt.

Es gibt 560 Fundstellen rechts des Lechs

Dass es viele Belege für eine Besiedlung der Region auf der rechten Seite des Lechs gibt, das zeigte sich kürzlich wieder, als die Erweiterung des Gewerbegebiets anstand. Nicht weniger als 560 Fundstellen wurden dort markiert. Mittlerweile ist die aufwendige Suche nach wertvollen Fundstücken abgeschlossen, in Kürze könnten die Arbeiten auf den zum größten Teil bereits verkauften Flächen starten.

Eine erste Bilanz dessen, was bei den Ausgrabungen alles entdeckt wurde, zog kürzlich Franz Riß bei seinem Vortrag zum Abschluss der Versammlung des Fördervereins. Dem Archivar war unschwer anzumerken, wie sehr ihn dieses Projekt beeindruckte, wenn nicht gar begeisterte. Er betonte wiederholt, dass seine Erkenntnisse nicht in jedem Fall der Weisheit letzter Schluss sein müssen („Ich bin kein Archäologe“), wenngleich er beinahe jeden Tag bei den Grabungen zu sehen war. Riß bemüht sich, versierte Fachleute einzuladen, die detailliert Auskünfte erteilen können. Dazu ist ein noch offener Termin im Mai vorgesehen.

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Die gefundene Siedlung in Todtenweis hatte wohl etwa 30 Häuser

Vorerst sind noch viele Fragen offen; was in den vergangenen Monaten im Westen von Sand aus der Erde geholt wurde, das muss erst in München von Experten genauer begutachtet werden. Laut Franz Riß ist aber jetzt schon davon auszugehen, dass im Bereich der Erweiterung des Gewerbegebiets vor langer Zeit circa 30 Häuser standen. Auch Skelette von Pferden kamen ans Tageslicht. Diese Vierbeiner standen bei den Kelten und Germanen hoch im Kurs. Eine Art Entwässerungsgraben wurde ebenfalls entdeckt. Ein gewisses Erstaunen löste die Erkenntnis aus, dass ein Gehöft wesentlich älter sein müsste als die Bauten in dessen Umgebung.

Was kaum jemand zur Kenntnis genommen hat: Ende des vergangenen Jahres wurde eine weitere Ausgrabung in der Nähe des Gewerbegebiets vorgenommen. Sondengänger Robert Gans hatte ein Urnengräberfeld entdeckt aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. Dabei entstanden der Gemeinde keine Kosten. So wurde die Leiche eines Mädchens entdeckt, dessen Alter mit acht Jahren eingeschätzt wurde. Die Beigaben lassen einen verlässlichen Schluss auf das Geschlecht zu. Diese Überreste untersuchte vor Ort eigens eine Anthropologin. Besondere Beachtung verdient auch das Vorkommen von Fibeln, die man als Gewandnadeln einstufen könnte. Dieser Fund deutete darauf hin, dass Elbgermanen in die Gegend um Todtenweis zugewandert sein könnten.

Zur Zeit der Römer war es in Todtenweis wesentlich wärmer

Die aktuellen Veränderungen beim Klima werden heute oft debattiert. So eine Entwicklung gab es auch schon früher. Als die Römer in Todtenweis lebten, da war es wesentlich wärmer als im 21. Jahrhundert. Darum war damals dort Weinbau möglich, der Straßenname Weinleite erinnert daran. Von 1200 bis 1600 nach Christus gab es eine kleine Eiszeit und die bedeutete das Ende für die kleinen Früchte hierzulande. In diesem Gemeindebereich herrscht wahrlich kein Mangel an interessanten Fundstellen. So berichtete etwa Josef Kodmeir, der langjährige Bürgermeister, wie er vor langer Zeit bei Ausgrabungen an der Nordseite der Gaststätte zuschauen konnte: „Da war ich wirklich dabei mit meinen 14, 15 Jahren.“ Zwei Leichen, die in Ost-West-Richtung in der Erde lagen, wurden dabei ausgegraben.

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