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Kultur

16.10.2017

„Tschick in Blumenthal gekonnt vertont

Höchst konzentriert und perfekt aufeinander abgestimmt präsentierte sich das Gitarrenquartett Machado bei der musikalischen „Tschick“-Lesung mit Sprecher Benedikt Schregle (rechts): (von links) Ingo Veit, Stefanie Kobras, Komponist Bernhard Prüflinger und Perry Schack.
Bild: Manfred Zeiselmair

Machado-Quartett und Benedikt Schregle bringen das Buch von Wolfgang Herrndorf als  musikalische Lesung auf die Bühne

Welcher Schüler kennt sie nicht, die Geschichte von „Tschick“? Der Kultroman von Wolfgang Herrndorf ist seit 2010 Pflichtlektüre an vielen deutschen Schulen. Mittlerweile wird der in junger Sprache beschriebene Roadtrip zweier 14-Jähriger mit einem „geliehenen, nicht gestohlenen“ Lada als Hörbuch, Theaterstück, Oper und Kinofilm erfolgreich vermarktet. Dass auch eine vertonte Lesung faszinierend sein kann, bewies im Blumenthaler Freiraum das Machado-Gitarrenquartett aus Bad Tölz mit Sprecher Benedikt Schregle.

Die in drei Sätze aufgeteilte mu-sikalische „Tschick“-Komposition schrieb Gitarrist Bernhard Prüflinger für sein Ensemble. In Blumenthal bildete das Quartett eine Einheit mit Sprecher Benedikt Schregle, BR-Moderator und Radiosprecher, der mit seinem Stimmvolumen gekonnt die Aufmerksamkeit der Zuhörer in seinen Bann zog.

Höchst konzentriert und professionell gehen die vier Gitarren-Virtuosen ans Werk. Sie setzen mal extrem leise während einer gefühlvollen Lesepassage ein, lassen Streicher-Töne erklingen, um dann punktgenau an Fahrt und Geschwindigkeit aufzunehmen. Dabei spiegeln sie mit ihren Instrumenten die Stimmungsbilder der Textpassagen wider. Sprecher und Musiker sind perfekt aufeinander abgestimmt, gehen eine Art Symbiose miteinander ein und transferieren dabei die verschiedenen Stimmungen sowohl sprachlich als auch musikalisch auf die Zuhörer. Benedikt Schregle zieht gekonnt einen „roten Faden“ durch die dominierenden Teile des Buches. Er beherrscht die junge Sprache und auch den leichten russischen Akzent von Tschick und hält die Spannung mal mit ruhiger, mal mit schneller, dominanter Stimme stets aufrecht.

Mit falschen Bärten auf wilder Fahrt durch Brandenburg – „ein Wahnsinn!“ Im ersten, als „Lada“ bezeichneten Satz, steht der Roadtrip im Vordergrund. Musikalisch wird dies durch sich steigernden, rollenden Rhythmus und perkussive Elemente zum Ausdruck gebracht. Man glaubt, dabei Motorgeräusche herauszuhören. Der zweite Satz widmet sich „Isa“, dem Mädchen von der Müllhalde, das zunächst schroff und abweisend wirkt („Ihr Schwachköpfe“), später unerwartete Gefühle zu Maik zeigt. Auch das ambivalente Verhalten von Isa wird musikalisch geschickt umgesetzt durch anfänglich schroffe, harte Töne, die im weiteren Verlauf immer harmonischer werden und Balladenklänge annehmen. Isa verschwindet aber nach dem ersten Kuss so plötzlich wie sie aufgetaucht ist. Mit „Survivor“ ist der dritte Satz überschrieben. Darin werden die positiven Erfahrungen der beiden Protagonisten im „Sommer ihres Lebens“ – trotz Unfall mit Krankenhaus und Gerichtsverhandlung – zum Ausdruck gebracht. Durch klare Harmonien kommt die optimistische Stimmung und die Freiheit zum Ausdruck, mit der Tschick und Maik zum ersten Mal sich selbst und ihre Welt erleben.

Nach einem begeisternden Auftritt ernten Sprecher und Musiker großen Schlussapplaus, worauf sich bei Maik urplötzlich „Isa“ in Form eines Briefes noch einmal zu Wort meldet. Ihr sei das geplante Wiedersehen in 50 Jahren doch etwas zu spät. Das Ende bleibt offen.

Wie es mit der vertonten Lesung des Quartetts Machado und Benedikt Schregle weitergeht, ist jedoch bereits angedacht: Neben weiteren Bühnenauftritten will das Ensemble den Stoff auch an Schulen als musikalische Lesung weitervermitteln. Von einem derartig kombinierten Musik-Deutsch-Unterricht kann man als Schüler eigentlich nur träumen.

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