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Infoabend in Sielenbach

23.10.2015

Turbulente Debatte zum Thema Asyl

Rund 80 Interessierte kamen zur Veranstaltung im Sielenbacher Sportheim.
Bild: Gerlinde Drexler (Symbolbild)

Einige Besucher machen beim Infoabend zum Thema Asyl in Sielenbach ihrem Unmut Luft. Doch es gibt auch eine überraschende Ankündigung.

Zeitweise ziemlich turbulent verlief am Mittwochabend die Diskussion bei der Informationsveranstaltung der Gemeinde Sielenbach zum Thema Asyl. Ziel der Veranstaltung im Sportheim war, ehrenamtliche Helfer für einen Asylkreis zu finden. Auf der Liste von Bürgermeister Martin Echter trug sich am Ende der rund dreistündigen Veranstaltung eine Reihe von Helfern ein. Ein Zuhörer kündigte eine großzügige Spende an.

Einige der rund 80 Zuhörer nutzten jedoch die Gelegenheit, um ihrem Ärger darüber Luft zu machen, wie Deutschland mit der steigenden Zahl von Asylbewerbern umgeht. Bei der Entwicklung der Flüchtlingszahlen im Landkreis ist kein Land in Sicht. In Sielenbach sind derzeit 21 Asylbewerber untergebracht. Sie kommen aus der Ukraine, aus dem Senegal, Pakistan und Syrien. Sie sind in Wohnungen und einem Wohnheim untergebracht.

Der Bürgermeister betonte: „Bisher ist alles ohne große Probleme gelaufen.“ Die beiden Gemeinderäte Josef Strasser und Angela Asam betreuen die Asylbewerber. Der Bürgermeister machte jedoch deutlich: „Für die Zukunft brauchen wir mehr Unterstützung.“

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Jede Woche kommen 60 Flüchtlinge in den Landkreis

Laut Simone Losinger, Leiterin der Asylbehörde im Landratsamt, bekommt der Landkreis pro Woche etwa 60 Flüchtlinge zugewiesen. Momentan leben im Wittelsbacher Land 1300 Asylbewerber. Losinger: „Tendenz steigend.“ Das Hauptaugenmerk legt die Behörde im Moment auf die Unterbringung. „Wir wollen auf keinen Fall dauerhaft in eine Turnhalle“, betonte Losinger. „So viele Leute auf einem Haufen ohne Privatsphäre kann nicht gut gehen“, so Losinger. Im November wird die Friedberger Turnhalle zwar noch mal für ein bis zwei Wochen von Flüchtlingen belegt. Aber nicht als Dauerunterkunft, sondern als Erstaufnahmeeinrichtung.

Bis auf drei Gemeinden haben im Landkreis inzwischen alle Asylbewerber aufgenommen. Auch in den drei Gemeinden sei man intensiv dabei, Unterkünfte zu schaffen, berichtete die Leiterin der Asylbehörde. Losinger: „Wir können uns auf alle unsere Bürgermeister verlassen. Sie sind mit großem Einsatz dabei. Das ist nicht selbstverständlich.“

Eine Zuhörerin befürchtete, wenn man es den Asylbewerbern zu leicht mache, sei das eine Einladung und es kämen immer mehr. Die Angst eines Besuchers, das Landratsamt würde Objekte beschlagnahmen, wenn Unterkünfte fehlen, beantwortete Losinger mit einem klaren Nein. Ebenso wie die Aussage einer Zuhörerin, dass sich Asylbewerber während des Oktoberfestes mit Trachten eingekleidet hätten – bezahlt vom Landratsamt. „Das sind Gerüchte“, machte die Leiterin der Asylbehörde deutlich. Ein alleinstehender Asylbewerber bekomme 318 Euro pro Monat und müsse davon seinen Unterhalt bestreiten.

Diskussion drohte auszuufern

Die Gemeinderäte Josef Strasser und Horst Pappenberger bremsten schließlich die Diskussion, die auszuufern drohte: „Wir wollen keine Grundsatzdiskussion führen über die hohe Politik. Das ist hier nicht der richtige Platz.“ Ferryal Weinmüller, die Wirtin des Sportheimes, war vor 30 Jahren selbst als Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Die Ängste der Zuhörer konnte sie nachvollziehen. Dennoch appellierte sie an die Besucher: Nur durch Zusammenhalt könne man die Probleme beseitigen.

Viele Zuhörer hatten konkrete Fragen, die sich um Hilfe für die Asylbewerber drehten. Unter welchen Bedingungen können sie Arbeit annehmen? Wie sieht es mit der Versicherung aus? Gibt es Vorgaben zu Aufbau und Aufgaben eines Asylkreises? Etwa 20 Helfer trugen sich am Ende der Veranstaltung auf der Liste für den Asylkreis ein. Ein Besucher kündigte außerdem an, der Gemeinde 1000 Euro für Notfälle spenden zu wollen.

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