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Aichach-Oberbernbach

19.03.2021

Verrückt: Warum ein 40-Jähriger täglich einen Marathon läuft

Dauerläufer: Für den Oberbernbacher Viktor Reger geht es täglich auf die Piste. Der 40-Jährige will im Mai 1308 Kilometer laufen.
Foto: Tatjana Reger

Plus Viktor Reger aus Oberbernbach ist jeden Tag unterwegs. Im Mai will der Ultraläufer unglaubliche 1308 Kilometer zurücklegen. Warum sich der 40-Jährige das antut.

21 Kilometer laufen, acht Stunden arbeiten und dann wieder 21 Kilometer laufen – so sieht bald der Alltag für Extremsportler Viktor Reger aus. Der Oberbernbacher will im Mai jeden Tag die Marathondistanz zurücklegen. Es gibt Menschen, die bereiten sich Monate auf einen Marathon vor, Viktor Reger läuft in einem Monat 31 Mal diese Distanz - egal bei welchem Wetter oder Gemütszustand. Insgesamt sind das 1308 Kilometer – damit würde er bis nach Neapel und noch 200 Kilometer weiter kommen. Das ist allerdings nicht das einzige extreme Ziel des 40-Jährigen.

Wenn Viktor Reger seine Laufschuhe schnürt und losläuft, erntet er meist skeptische Blicke der Nachbarn. „Es wird getuschelt, dass ich krank und verrückt sei. Normale Menschen können das nicht verstehen. Laufen ist meine Leidenschaft, der ich fast alles unterordne“, erzählt Reger. Solche Reaktionen sind für den Schreiner mittlerweile Alltag. Besonders gewundert hätten sich die Leute, als Reger im Februar auch bei Minusgraden und Schneefall das Haus verließ. „Das war wirklich hart, aber ich habe mich durchgebissen. Was sein muss, muss sein.“

Schließlich hat sich der Oberbernbacher ein scheinbar unerreichbares Ziel gesetzt: Er will jeden Tag des Jahres mindestens zehn Kilometer laufen. Bis jetzt hat Reger sein Soll, oft sogar mehr als das Doppelte erfüllt. Die Lockdown-Regelungen hatten ihm aber beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht. Um 21 Uhr begann zeitweise die Ausgangssperre. Nach einem langen Tag in der Schreinerei blieb manchmal nicht mehr viel Zeit für den Halbmarathon. „Ich musste echt Gas geben“, so der Oberbernbacher.

Viktor Reger war auch schon in der Wüste unterwegs.
Foto: Viktor Reger

Der Oberbernbacher läuft im Wittelsbacher Land statt in der Wüste

Im Mai dürfte die Skepsis der Nachbarn sicher noch steigen, denn dann geht es zwei Mal pro Tag für jeweils mehr als zwei Stunden auf die Strecke. Zeiten sind Reger egal, er ist ein gemütlicher Läufer: „Dieses Gerenne kann ich nicht verstehen. Sich über die langen Distanzen durchzubeißen, das ist für mich die größere Herausforderung.“ Auch wenn Reger selten auf die Uhr schaut, so hat er doch immer ein Ziel vor Augen. „Sonst könnte ich das nicht machen. Einfach nur Laufen wegen der Gesundheit oder der frischen Luft, ist nichts für mich. Ich brauche immer eine neue Herausforderung.“

Die hat er nun gefunden. Übrigens von Oktober bis Januar lief Reger nicht einen Meter. „Ich hatte keine Lust, die Luft war raus.“ Grund dafür war die erneute Absage eines Marathons durch die Namib-Wüste in Namibia. 250 Kilometer in einer Woche, dass Reger diese Qualen nun erspart bleiben, ist eine herbe Enttäuschung für ihn: „Ich wollte unbedingt mitlaufen, aber die Pandemie lässt es nicht zu. Das ist schon frustrierend.“ Für den 40-Jährigen wäre es der dritte Wüstenmarathon gewesen. Als Ersatz musste ein neuer Reiz her: „Jeden Tag zu laufen klang jetzt nicht so schwierig und 1000 Kilometer in einem Monat wollte ich schon immer mal schaffen. Ein Marathon am Tag ist doch eine schöne Distanz.“

Schnee statt Sand: Extremläufer Viktor Reger nahm zusammen mit Ehefrau Tatjana am Baikalsee-Marathon teil. Bei Minus 15 Grad hatte der Oberbernbacher mit Knieschmerzen zu kämpfen und benötigte so mehr als fünf Stunden für die 42 Kilometer über den gefrorenen See in Sibirien.
Video: Viktor Reger

Zusammen mit seiner Frau: Marathon in Sibirien

Unterstützt wird der Schreiner dabei von seiner Ehefrau Tatjana. Sie ist selbst passionierte Läuferin und begleitet Reger bei mehr als der Hälfte seiner Läufe. „Sie will im Mai auch einen neuen Monatsrekord aufstellen. 600 bis 650 Kilometer sind ihr Ziel.“ Gemeinsam nahm das Ehepaar 2020 an einem Marathon über den Baikalsee in Sibirien teil. „Ohne die Unterstützung meiner Frau könnte ich das gar nicht machen. Ich freue mich, wenn sie mitläuft, denn das sorgt für Ablenkung.“ Aktuell langweile sich Reger sogar ab und zu: „Die Strecken ähneln sich mit der Zeit und ich kann mich ja schlecht auch noch ins Auto setzen und irgendwo hinfahren, um dann zu laufen.“ Der Oberbernbacher nimmt eigentlich nie zwei Mal an einem Lauf teil: „Deswegen wähle ich auch immer einen neuen Wüstenlauf aus. Ich kann Leute nicht verstehen, die seit zehn Jahren immer zu den gleichen Wettbewerben antreten.“

Tatjana und Viktor Reger aus Oberbernbach laufen oft zusammen.
Foto: Sebastian Richly

Derzeit lässt es Reger vergleichsweise ruhig angehen. Aktuell sind es täglich nur zehn Kilometer für den Schreiner, der erst vor einigen Jahren mit dem Laufsport begonnen hat. Am Samstag ist der 40-Jährige aber wieder gefordert. Seine Laufgruppe absolviert einen sogenannten 10x10-Kilometer-Lauf. Reger erklärt: „Man hat zwei Stunden Zeit für zehn Kilometer. Dann muss man mit den neuen zehn Kilometern beginnen. Wer das nicht schafft, ist raus.“ Am Ende werden Reger und seine Mitstreiter, die unabhängig voneinander laufen, 20 Stunden unterwegs gewesen sein. Für den Oberbernbacher nur eine weitere Trainingseinheit auf dem Weg zum „perfekten“ Jahr.

Sorgen, dass er sein Ziel nicht erreichen wird, hat Reger keine. „Vom Körperlichen sollte das kein Problem sein. Mein Körper regeneriert sich sehr schnell. Ich weiß ganz genau, wie ich laufen muss, um auch am nächsten Tag fit zu sein.“ Als größtes Problem sieht der Oberbernbacher die Zeit. „Wir haben viel zu tun in der Schreinerei. Da kann es schon einmal vorkommen, dass ich Überstunden machen muss. Dann kann es abends recht spät werden.“ Reger plant pro Tag einen Lauf zwischen 6 und 8 Uhr sowie einen zwischen 19 und 21 Uhr - insgesamt werden es rund viereinhalb Stunden sein. Nur einmal und dafür doppelt solange zu laufen, kommt für Reger nicht infrage: „Natürlich ist es schwer, sich nach der Arbeit noch für einen zweiten Lauf zu motivieren. Aber ein Marathon am Stück ist nochmals eine andere Hausnummer. Das ist körperlich deutlich anstrengender - das würde ich vielleicht eine Woche durchstehen.“

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