Kommunalwahl

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Aichach-Friedberg

01.01.2020

Vorsicht Satire: Wahlkämpfer und Wahlfiesler - die Jahresglosse für 2020

Unsere Voraussage: Die Kommunalwahl 2020 im Wittelsbacher Land sorgt für Turbulenzen.
Bild: Matthias Becker

Plus Die Kommunalwahl bringt Affing und Co. an seine Belastungsgrenzen. Wir sagen voraus, was im Jahr 2020 garantiert nicht passiert – oder doch?

Diese Einleitung hat Tradition, darum bleiben wir auch im neuen Jahrzehnt dabei: Das Wittelsbacher Land ist und bleibt eine Wundertüte. Das beweist uns der obligatorische Rückblick am Neujahrstag in unsere AN-Jahresglossen der Vorjahre. Danach lässt sich unbewiesen verbreiten, dass die absurdesten Voraussagen von der Realität rechts und links überholt werden und die besten Geschichten sowieso das Leben schreibt. Das ermutigt uns, eine Tradition beizubehalten. In der ersten Ausgabe des Jahres sagen wir nämlich seit der Jahrtausendwende mit einem Augenzwinkern Episoden und Entwicklungen voraus, die in den nächsten zwölf Monaten garantiert nicht eintreffen und über die wir heuer mit großer Sicherheit nicht berichten müssen. Glauben wir zumindest. Aber glauben heißt halt nicht wissen und es gilt die stehende Redewendung unseres Journalisten-Kollegen Marc Twain. Der hat einst in bester Valentin-Manier prognostiziert: „Voraussagen sind immer dann besonders schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen.“ Unsere Jahresglosse ist übrigens einigen der Hauptakteure mittlerweile so lieb geworden, dass sie durchaus enttäuscht nachfragen, wenn sie nicht erwähnt werden . . .

Januar Kurz vor Torschluss nimmt der bis dato dröge verlaufende Kommunalwahlkampf in Affing endlich Fahrt auf. Das bislang äußerst spärliche Angebot mit nur acht Listen für den Gemeinderat verbessert sich entscheidend. Eine ganze Latte von neuen Wahlvorschlägen bewirbt sich um die Ratssitze auf den Kinderstühlen im Affinger Schulhaus: Zum Beispiel „Gemein sein in Affing“, „Einsam sein mit R. F.“, „Vereinigte Ex-Verwaltung is back im Classroom“, „Umgehungsstraßen-Volksfront von Anwalting“, „Anwaltinger Umgehungsstraßen-Volksfront“, die Tierschutzlisten „Katzen aus Tal“ und „Igel aus Bach“, die katholische Liste „Pfaffen aus Zell“ und die Ökohaus-Liste „Frech in Holz hausen“. Aus Sicherheitsgründen werden die Nominierungsversammlungen mit sogenannter Doppel-F angekündigt. Das heißt, jeweils zwei Folgetermine inklusive, um zu erwartende und von einem „Wahlfiesler“ angemahnte Formfehler beheben zu können.

Februar In Inchenhofen bleibt es spannend. Interessenten für das Bürgermeisteramt können sich nicht outen, weil sie nach eigenen Angaben sonst berufliche und persönliche Nachteile haben. Deshalb werden in Leahad mehrere Inkognito-Kandidaten nominiert. Sie treten an als „Katze im Sack“, „Plan B bis Z“ und „Kai aus der Kiste“. Der Gemeinderat Todtenweis lehnt den Antrag für ein Ungarnschlacht-Erlebnisland auf der gesamten Fläche zwischen den Ortsteilen Sand und Bach und dem Lech als überdimensioniert ab. Der Investor versteht die Welt nicht mehr: „Der Bedarf ist da.“

Vorsicht Satire: Wahlkämpfer und Wahlfiesler - die Jahresglosse für 2020

März Die Kommunalwahl in Affing droht aus logistischen Gründen zu scheitern: Die Wahlzettel sind so groß, dass sie nur als gebundenes Buch gedruckt werden können. Der örtliche „Wahlfiesler“ bemängelt kurz vor dem Urnengang, dass dies nach § 104 der Gemeinde- und Landkreiswahlordnung (GLKrWO) nicht zulässig ist. Die Wahllistenbücher werden geschreddert und als Faltstimmzettel neu gedruckt. Damit ihn jeder Wähler komplett ausfalten kann und das Wahlgeheimnis gewahrt wird, kann in Affing laut Anordnung der Kommunalaufsicht nur einzeln in der Sporthalle abgestimmt werden. Jeder Wähler bekommt dafür zwei Stunden Zeit, weil allein schon das Aus- und Einfalten über eine Stunde dauert.

Kommunalwahl 2020: Affing braucht am längsten

April Die frühere Grünen-Kreisrätin Magdalena Federlin gründet im Blauen Palais die neue Fraktion „Freies und unbegrenztes Rederecht und die Dauerwiederholung von abgelehnten Federlin- Anträgen ist ein Menschenrecht und wer anderer Meinung ist oder nicht zuhört, wenn ich logisch und nachvollziehbar argumentiere, verstößt gegen geltende Gesetze und Konventionen der Vereinten Nationen“.

Mai Zwei Monate nach der Kommunalwahl haben endlich auch alle Affinger in der Sporthalle abgestimmt. Jetzt beginnt die Verwaltung gemeinsam mit 1500 freiwilligen Helfern mit dem Auszählen. Auf Anordnung von Landrat Klaus Metzger bekommen „Wahlfiesler“ aus Affing bei Besuchen in der Kommunalaufsicht im Landratsamt in Aichach Begleitschutz von der Polizei.

Juni Der neue Bürgermeister von Inchenhofen kommt inkognito ins Amt, bleibt weiter anonym und nennt sich jetzt „Kisten-Kai“. Er begründet das mit der Datenschutzgrundverordnung. Der Gemeinderat entschließt sich ganz konsequent für Burkas als Dienstkleidung bei Sitzungen. Mit einer Ganzkörperverschleierung könnten Entscheidungen völlig unbelastet getroffen werden. In der ersten Kreistagssitzung kommt Berta Arzberger (ÖDP) insgesamt nur achtmal zu Wort und sieht sich klar benachteiligt. Sie entschließt sich spontan zum Wechsel in die FF (Federlin-Fraktion).

Juli Nach zwei Monaten Auszählung und doppelter Nachkontrolle in Affing steht endlich ein Ergebnis fest. Doch eine Wahlanfechtung des örtlichen „Wahlfieslers“ wird zum Super-GAU. Weil ein Kreuz gewertet worden ist, das deutlich von der Mitte des Kreises abweicht, muss die gesamte Wahl wiederholt werden. Die Kommunalaufsicht geht auf Nummer sicher und verfügt, dass alle Wahlzettel im Landkreis mit Micrometer-Scannern oder Teiler-Auswertungsmaschinen von Schützenvereinen nachkontrolliert werden müssen. Wahlkreuze, die um mehr als drei Tausendstel von der absoluten Mitte abweichen, sind ungültig.

August Sitzplatz-Affäre im Kreistag: Neben Rudi Fuchs, Marc Sturm und zehn weiteren FW-Kreisräten sowie Xaver Hörmann von den Unabhängigen ist die versprengte Rest-SPD bei der Federlin-Fraktion eingetreten. Weil die anderen Kreisräte auf ihren Sitzplätzen beharren, müssen die FF-Räte zu dritt auf einem Stuhl sitzen. Die Situation eskaliert, als Berta Arzberger den frustrierten FW-Einzelkämpfer Helmut Lenz zum Platzwechsel auffordert: „Jetzt rutsch endlich mal.“

Warum der Leonhardiritt weltweit übertragen wird

September Landrat Metzger ruft Katastrophenfall und Notstand aus und alarmiert Feuerwehr und Bundeswehr, um das Landratsamt und das Affinger Becken zu verteidigen. Ein aufgebrachter Mob aus genervten Bürgermeistern, frustrierten Kreis- und Gemeinderäten, völlig überarbeiteten Verwaltungsmitarbeitern und zwangsverpflichteten Wahlauszählern aus dem Wittelsbacher Land belagert nämlich das Blaue Palais und die Gemeinde und fordert die freiwillige Auslieferung von Kommunalaufsicht und „Wahlfiesler“.

Oktober Die Bürgerinitiative „Sicherer Fußweg an der Rehlinger Hauptstraße“ feiert einen vollen Erfolg. Die Straße wird für den Verkehr komplett gesperrt. Der Landkreis baut für 25 Millionen Euro eine Umgehungsstraße mit Brücke über die Lechleite. Es bildet sich eine neue BI. Das Ziel ist noch unklar, der Name steht dagegen fest: „Wir sind keine Berufsquerulanten.“ Weil die Federlin-Fraktion im Kreistag ankündigt, Ex-SPD-Kreisrat Hansjörg Krazeisen als Antragsberater zu engagieren, beantragt Landrat Metzger gleich mal 25 zusätzliche Planstellen in der Verwaltung.

November Der Gemeinderat von Inchenhofen ist beim Leonhardi-Ritt inkognito mit seinem Burka-Gespann dabei. Der Umzug wird vom arabischen Fernsehsender „Al Dschasira“ live und weltweit übertragen. Auf der Seenplatte zwischen dem Todtenweiser Ortsteil Sand und Lechauwald soll das größte überdachte Badeland in Europa entstehen. Der Gemeinderat lehnt das Projekt als überdimensioniert ab. Der Investor fällt vom Glauben ab: „Der Bedarf ist da und irgendwo müssen die Menschen schwimmen lernen.“

Dezember Auf der ganzen Welt laufen Friedensbemühungen für Affing an. Ministerpräsident Markus Söder ist bereit, das Verkehrsproblem mit zwei Ringtunneln für rund zwei Milliarden zu lösen. Trump, Johnson, Macron und Putin bieten an, die Gemeinde in einem Vier-Mächte-Status wie früher in Berlin zu übernehmen. Papst Franziskus spricht den Weihnachtssegen „Affi et orbi“ für das Affinger Becken und den Erdkreis an der Salzbergkapelle bei Anwalting.

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