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Aichach-Friedberg

03.02.2014

Wackerls kämpfen um Pflegetochter: Nun spricht der leibliche Vater

Bild: Ulrich Wagner

Die Pflegeeltern Wackerl wollen das Mädchen zurückhaben, das zwölf Jahre lang bei ihnen gelebt hat. Die leiblichen Eltern sehen das anders. Jetzt spricht erstmals der Vater.

Eigentlich haben sie nicht über Sandra (Name geändert) sprechen wollen. Sie wollten auch nichts über ihre Tochter in der Presse lesen. Zu deren Schutz, wie sie betonen. Nachdem unsere Zeitung aber mehrfach über das frühere Pflegekind der Familie Wackerl aus Todtenweis (Landkreis Aichach-Friedberg) berichtet hat, schildern die leiblichen Eltern nun doch ihre Sicht der Dinge. Der Vater sagt: „Ich möchte, dass Sandra in Ruhe gelassen wird von allen Seiten und dass sie zur Ruhe kommt.“

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Im Leben von Sandra ist vieles schon früh schiefgelaufen. Als Baby holt das Jugendamt das Mädchen und ihre Halbschwester aus der Familie. Nach einer Zwischenstation kommen die beiden nach Todtenweis. Sandra ist sechs Monate alt, ihre Halbschwester vier Jahre. Die Große lebt bis heute bei den Wackerls. Die Jüngere wechselte im September 2012 in eine stationäre Einrichtung. Seither kämpfen Petra und Anton Wackerl um sie: mit Rückendeckung aus der Bevölkerung, die 2500 Unterschriften gesammelt hat. Die Liste liegt inzwischen Bayerns Sozialministerin Emilia Müller vor.

Doch der Reihe nach: Die Mutter der Mädchen sei damals völlig überfordert gewesen, sagt Anwalt Ernst Lauffer zur Situation in der Herkunftsfamilie. Die Familie musste die dauerhafte Unterbringung in der Pflegefamilie akzeptieren. Der Vater bezeichnet den Umgang von Anfang an als schwierig. Der damaligen Pflegerin – sie übt mit den leiblichen Eltern das Sorgerecht aus – werfen er und sein Rechtsanwalt vor, dass sie gegen ihn eingestellt war.

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„Es war eine Mauer“, sagt Anwalt Ernst Lauffer. Treffen seien schwierig verlaufen. Es kam zum Umgangsverbot für die leiblichen Eltern. Dann hätten sie resigniert, erzählt der Vater. Vergessen aber hätten sie die Mädchen nie, stets Geschenke zu Geburtstagen oder Weihnachten geschickt. „Meine Frau hat die ganzen zwölf Jahre sehr, sehr gelitten“, sagt der Vater. Der 60-Jährige betont, dass sie durchaus fähig seien, Kinder zu erziehen: Zwei jüngere Geschwister Sandras lebten bei ihnen.

Die Eltern sagen, es geht nicht mehr ums Wohl des Kindes

Es ist nicht so, dass der Vater den Wackerls grundsätzliches Versagen vorwirft. Im Gegenteil. Er sei ihnen dankbar. Auch für das, was sie den Kindern geboten hätten. Zum Beispiel Skifahren. Das wäre ihm nicht möglich gewesen. „Es wird anerkannt von den leiblichen Eltern, dass sich die Wackerls sehr gut um das Kind gekümmert haben, vor allem in materieller Hinsicht“, sagt Anwalt Lauffer. Inzwischen aber findet der Vater: die Wackerls „konzentrieren sich nicht auf das Wohl des Kindes“. Dieser Ansicht ist auch Gertraud Siebenhüter. Sie ist seit Oktober 2010 als sorgeberechtigte Pflegerin für Sandra zuständig und wirft den Wackerls „mangelnde Bindungstoleranz“ vor. Sie hätten Sandra nicht die „innere Erlaubnis“ gegeben für den Umgang mit den leiblichen Eltern.

Auch der Anwalt betont: „Pflegeeltern sind nun mal Eltern auf Zeit, das haben die Wackerls offenbar nicht verstanden.“ Größter Kritikpunkt ist das Verhalten der Wackerls nach dem Schulwechsel Sandras. Der war aus der Sicht Siebenhüters nötig: „Es gab mannigfaltig Probleme im Verhaltens- und emotionalen Bereich.“ Den Wechsel haben die Wackerls selbst in die Wege geleitet, um die bestmögliche Förderung für das Kind zu erhalten, wie Petra Wackerl berichtete. Und zunächst waren sich alle einig: Sandra soll ab September 2012 eine Einrichtung für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen. Dass die Unterbringung stationär ist und sie damit als Pflegeeltern überflüssig werden, sei ihnen nicht klar gewesen, betonen die Wackerls immer wieder.

Sie hätten gewusst, was das bedeutet, ist man hingegen auf der Gegenseite überzeugt. Denn: „Es gibt nur eine Jugendhilfemaßnahme. Beides geht nicht: Pflegeeltern und gleichzeitig stationäre Maßnahme“ (Lauffer). Siebenhüter betont: Es gehe doch nicht um einen Status (der als Pflegeeltern; Anm. d. Red.), sondern um das Beste für das Kind.

Sandra lebte sich in der Einrichtung nicht ein. Eben weil sie die Wackerls nicht unterstützt hätten, kritisiert Lauffer. Siebenhüter schildert, das Kind sei nach Treffen emotional hoch erregt, ihr Verhalten äußerst auffällig gewesen. Die Wackerls hingegen betonten immer wieder, dass Sandra leide, weil sie nach Hause, nach Todtenweis wolle. Sie seien bereit, von dort aus den Umgang mit den leiblichen Eltern zu ermöglichen, versichert Petra Wackerl.

Das letzte Wort werden wohl die Gerichte haben

Inzwischen lebt die 14-Jährige in einer anderen Einrichtung. Da ist sie gut aufgehoben, davon sind die leiblichen Eltern überzeugt. Denn ihr psychischer und emotionaler Zustand sei so, dass ihr in einer Familie nicht adäquat geholfen werden könne. Lauffer betont, die Eltern vertrauten auf die Fachleute. Sie wollten das Kind nicht zurück, aber Kontakt halten. Sandra darf sie regelmäßig besuchen. Die früheren Pflegeeltern nicht. Dabei stehe die gewachsene Beziehung zu den Wackerls nicht in Frage, versichert Siebenhüter. Dieser Kontakt sei wichtig. Sie erwartet jedoch, dass die Wackerls die Entscheidungen akzeptierten und ihr Verhalten radikal änderten. Nach einer Einigung sieht es nicht aus. Das letzte Wort werden wohl die Gerichte haben.

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