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Aichach

20.10.2019

Warum Reparieren alle glücklich macht

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4 Bilder
Eine etwa 40 Jahre alte Nähmaschine ist die „Patientin“, um die sich (von links) David Seyfarth und Klaus Ehmanns kümmern.
Bild: Gerlinde Drexler

Plus Beim Repair-Café der Caritas in Aichach ist am Samstag viel los gewesen. Experten haben Nähmaschinen, Fahrräder und CD-Spieler wieder in Gang gebracht

Die Köpfe dicht zusammengesteckt haben Klaus Ehmanns und David Seyfarth. Die beiden sind ehrenamtliche Helfer beim Repair-Café, das am Samstag in der Tagesstätte des Kreiscaritasverbandes in Aichach geöffnet hat. Der „Patient“ ist gerade eine etwa 40 Jahre alte Nähmaschine, die streikt. Im Laufe des Nachmittags landen auch noch eine kaputte Fernbedienung oder eine Schublade, bei der eine Halterung abgebrochen ist, auf dem Tisch der Helfer. Den Besitzern geht es bei der Reparatur meist auch um Nachhaltigkeit.

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Einer der Stammgäste des Repair-Cafés ist Franz Schmidt. Beim letzten Mal hatte er ein Radio richten lassen. Eine kaputte Sicherung sei ausgetauscht worden, erzählt er. Diesmal ist der Aichacher mit seinem Fahrrad gekommen. „Es hat vorne und hinten einen Achter drin.“ Otmar Schneider ist gerade dabei, das in der Fahrradwerkstatt, die in der Garage untergebracht ist, zu reparieren. Speiche für Speiche müsse ausgeglichen werden, sagt er. „Man muss ein gutes Auge haben und Geduld.“ Schneider ist ein leidenschaftlicher Radfahrer und kennt sich mit Rädern aus. Beim Repair-Café hilft er mit, weil es ihm Spaß macht.

In zwei Minuten war alles erledigt

Die Cafeteria ist an diesem Nachmittag eine Mischung aus Nähstube und Kaffeekränzchen. Manuela Montag hat ihre Nähmaschine aufgebaut und näht gerade ein Kopfkissen zu, das mit Zirbenholz gefüllt ist. Der Besitzer sitzt am Nachbartisch und lässt sich inzwischen Kaffee und Kuchen schmecken. Dort sitzt auch Inge Schiller. Ihr Sorgenkind, die Nähmaschine, ist schon repariert. „Beim Nähen hat es getuckelt“, sagt die Aichacherin. Grund war ein herausgefallenes Gehäuse, das Montag wieder einsetzen konnte. „In zwei Minuten war alles erledigt“, freut sich Schiller.

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Manchmal würden die Besucher des Repair-Cafés ihre eigene Nähmaschine mitbringen und wollen Anleitung, erzählt Montag. Andere brauchen ihre konkrete Hilfe. „Meistens trauen sie sich nicht, etwas abzuschneiden“, sagt sie und ergänzt lachend: „Ich habe da keine Hemmungen.“ Montag ist eigentlich Dekorateurin, schneidert aber schon seit sie 14 Jahre alt ist.

Maria Emmerig-Nadler aus Dasing hat eine Jacke mitgebracht, die sogar eine Geschichte hat. Ihr Sohn habe sie in Japan auf einem Second Hand-Markt gekauft, erzählt sie. „Mein Sohn ist groß und schlank und die Ärmel waren ihm zu kurz.“ Also kamen die beiden auf die Idee, die Ärmel heraus zu trennen und die Jacke als Weste anzuziehen. „Ich habe sie rausgetrennt und dann festgestellt, dass die Armlöcher zu eng sind“, sagt die Dasingerin. Nun hofft sie, dass Montag ihr einen Rat geben kann, was sie machen soll.

Tüfteln an einer 40 Jahre alten Nähmaschine

In der Elektrowerkstatt tüfteln Ehmanns und Seyfarth gerade an der 40 Jahre alten Nähmaschine. „Der Transporteur ist kaputt und ich muss den Stoff von Hand schieben“, sagt Marga Schütt. Sie ist zum ersten Mal ins Repair-Café gekommen. „Wenn ein Teil nur kaputt ist und man schmeißt es weg, das ist nicht umweltbewusst“, sagt sie. Am Nebentisch testet Rudolf Spieleder gerade die Lichterkette, die Andrea Schymura mitgebracht hat. „Da ist der faule Hund“, sagt er und zeigt auf das Lämpchen, das die ganze Lichterkette lahmgelegt hatte. Vorher hatte er schon ein Fach, das an Schymuras CD-Spieler klemmte, repariert. „Mei, bin ich froh“, sagt Schymura. Mit dem CD-Spieler war sie schon zum zweiten Mal im Repair-Café. Wenn er nicht zu reparieren gewesen wäre, dann hätte sie zumindest alles probiert gehabt, sagt die Aichacherin. Die Termine des Reparatur-Cafés stehen bei ihr im Kalender und sie hebt Kaputtes ganz bewusst bis dahin auf. Hätte sie die Weihnachtsbeleuchtung wegwerfen müssen, dann wäre das viel Plastikmüll gewesen, sagt sie.

Die Nachhaltigkeit ist auch Inge Schiller wichtig. Deshalb ist sie froh, dass es das Repair-Café gibt. Sie hat sich schon die Termine für das kommende Jahr geben lassen. „Wenn etwas ist, dann bin ich wieder hier“, sagt sie.

Termin Das nächste Repair-Café findet am Samstag, 15. Februar 2020, in der Tagesstätte der Caritas in der Münchener Straße 19 in Aichach statt.

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