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Warum sich die Corona-Tragödie nicht relativieren lässt

Kommentar Von Christian Lichtenstern
14.02.2021

Plus Die Inzidenzwerte im Landkreis sinken, die Gefahr ist aber nicht gebannt. Und wer Corona relativiert, um seinen Egoismus zu rechtfertigen, sollte über sein Menschenbild nachdenken.

Die Corona-Inzidenz im Wittelsbacher Land sinkt auf Werte, die Hoffnung machen: endlich! Das liegt vor allem daran, dass sich der überwiegende Teil der Menschen hier an Regeln gehalten hat – auch wenn es allen spürbar an die Nerven geht und die Schmerzgrenze von direkt betroffenen Geschäftsleuten, Soloselbstständigen und vielen Eltern bereits überschritten ist.

Es hat aber auch unter anderem so lange gedauert, wieder unter die 50er- und jetzt unter die 35er-Grenze zu kommen, weil sich einige unter uns seit November eben nicht an die Auflagen gehalten haben. Weil sie glauben, dass es sie nicht betrifft und weil sie offensichtlich der Meinung sind, dass Einschränkungen nur für die anderen da sind. Ähnliches beobachten wir jetzt ja auch bei der Impfvordrängelei – aber das ist eine eigene Geschichte.

Auch vor der zweiten Welle wollten manche die Realitäten nicht akzeptieren

Jetzt gilt es, nicht sorglos zu werden und sich keiner Illusion hinzugeben. Die Gefahr ist eben nicht gebannt. Durch die Mutationen und durch den nahezu automatischen Anstieg der Infektionen bei Lockerungen in den nächsten Wochen. Das haben die Skeptiker und Leugner und auch die Optimisten vor der zweiten Welle auch nicht wahrhaben wollen.

Aber die Kausalität ist nun mal so: Niedrige Inzidenz bedeutet weniger Infizierte, weniger Erkrankte und weniger Tote. Hohe Inzidenz bedeutet mehr Infizierte, mehr Erkrankte und leider mehr Todesopfer. Allein im Landkreis waren es seit Herbst über 60 Menschenleben. Eine schreckliche Zahl.

Ein Feuer im Seniorenheim ist eine Katastrophe - und Corona ist das nicht?

Für Corona-Relativierer aber kein Grund, innezuhalten und nachzudenken: Es würden ja nur die sterben, die sowieso bald gestorben wären – also die Alten und die Vorerkrankten. Was ist das nur für ein Menschenbild! Wollen wir wirklich in einer Gesellschaft ohne Solidarität leben? Würde irgendjemand das sagen, wenn 60 alte und vorerkrankte Menschen bei einem Feuer in einem Seniorenheim im Wittelsbacher Land ums Leben kommen? Nein, wir würden alle von einer furchtbaren Katastrophe sprechen. Jeder Mensch mit gesundem Verstand würde auch bei einem Verkehrsunfall, bei dem zehn oder 20 ältere oder auch kranke Menschen sterben, schockiert sein über dieses Unglück. Und auf die Idee, diese Toten in der jährlichen Verkehrsunfallstatistik des Landkreises nicht aufzuführen, weil sie ja schon älter waren und sowieso bald gestorben wären, ist auch noch niemand gekommen.

Nur weil die Corona-Beschränkungen uns alle betreffen, begleiten uns seit fast einem Jahr solche egoistischen und absurden Relativierungen. Dabei gibt es nur eine Wahrheit: Wir haben insgesamt 80 Menschen durch das Coronavirus verloren – das ist eine Tragödie. Tun wir alles dafür, dass es nicht noch mehr werden.

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