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Aichach

13.10.2019

Was beim Pedelec-Fahren anders ist

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3 Bilder
Auch Slalomfahren und eine Punktbremsung üben die Teilnehmer des Kurses unter den wachsamen Augen von Helmut Beck, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Aichach-Friedberg.

Plus In der Jugendverkehrsschule in Aichach kurven diesmal Ältere durch den Parcours. Sie wollen auf dem Pedelec sicherer sein

Bereits beim Aufsteigen und Losfahren ist der Unterschied zu spüren: Ein Pedelec ist deutlich schwerer als ein gewöhnliches Rad. Dafür sorgen der Akku und der Motor. Beim ersten Mal ist es auch für den geübten Radfahrer nicht so einfach, den Antriebsschwung mit der Körperhaltung in Einklang zu bringen. Ist man erst in Fahrt, ist das kräfteschonende, flotte Vorankommen unbestritten ein Vergnügen. Dennoch gilt es, sich der Risiken des schnellen Fahrens bewusst zu sein, um Gefahren und Unfälle zu vermeiden. Das vermittelt die Kreisverkehrswacht Aichach-Friedberg mit einem Kurs speziell für Pedelec-Fahrer im Seniorenalter auf dem Gelände der Jugendverkehrsschule in Aichach-Nord.

Unerfahren ist keiner der Teilnehmer

Ganz unerfahren ist keiner der vier Teilnehmer. Drei sind mit dem eigenen Pedelec da. Ein Aichacher Ehepaar radelt seit gut einem halben Jahr mit elektrischer Unterstützung und ist vom Pedelec begeistert. Ein älterer Herr hat vergleichsweise längere Erfahrung und ist aus Unterschneitbach angeradelt. Auch ein Teilnehmer aus Schnellmannskreuth (Markt Pöttmes) besitzt ein Pedelec, ist aber an diesem Tag ohne da. Er wird vor Ort von Helmut Beck, dem Vorsitzenden der Kreisverkehrswacht, mit einem Bike samt Helm versorgt.

Beck spricht von einem „Alarmzeichen“: Er meint die steigende Zahl von Unfällen, in die ältere Pedelec-Fahrer involviert sind. Auffallend ist das Alter der verunglückten Radler in diesem Jahr: Fünf von zehn waren Senioren, sagt die Unfallstatistik der Aichacher Verkehrspolizei. „Das Pedelec verführt zu schnellem Fahren“, sagt Beck dazu. Hier liegt seiner Meinung nach die eigentliche Ursache für die vermehrten Unfälle. Gerade ältere Menschen seien mit den Tücken, die das elektrisch unterstützte Radeln mit sich bringt, nicht immer ausreichend vertraut, sagt er.

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Tipps zum Kauf und zur Pflege

Der Kurs selbst ist dreigeteilt. Zunächst gibt Werner Pfundmeir vom gleichnamigen Fahrradgeschäft in Friedberg Einblick in die Besonderheiten des Pedelecs. Auf Nachfrage gibt er Tipps zum Kauf und zur nachhaltigen und regelmäßigen Pflege. Beim Kundendienst schränkt er allerdings ein: „Die Zeit des Selberrichtens des Pedelecs ist vorbei.“ Die Bremsen müssen gepflegt und überprüft werden. Wie und wo der Akku aufgeladen wird, wirkt sich laut Pfundmeir auf die Lebensdauer des in der Regel eher kostspieligen Rads aus. Zumal die zunehmend raffinierte Elektronik besondere Aufmerksamkeit verdiene.

Seine Kunden werden interessanterweise immer jünger, berichtet er. Zurzeit boome der Verkauf von Pedelecs bei den unter 40-Jährigen. Vermehrt werden auch Kinder mit den speziellen Bikes ausgestattet, hat er festgestellt. „Das hat nichts mit Faulheit zu tun“, versichert er. Familienausflüge, bei denen nur die Eltern „motorisiert“ sind, machten schlicht keinen Spaß. Die Tendenz gehe schon seit Langem dahin, dass man zwei oder mehr Räder in der Garage stehen habe. Dazu sind Elektro-Leihräder in vielen Touristenorten auch für Kinder und Jugendliche gedacht, ganz abgesehen von den Mountainbikes mit Elektroantrieb.

An das schnelle Fahren muss man sich gewöhnen

Wolfgang Hamann, Moderator der Kreisverkehrswacht, und Helmut Beck sind für die weiteren beiden Kursteile zuständig. Erst gibt es noch etwas Theorie. „Die Wahrnehmung des Pedelec-Fahrers geht oft nicht konform mit der Geschwindigkeit“, sagt Hamann. Vor allem ältere Menschen müssen sich an das ungewohnt schnelle Fahren erst gewöhnen, betont er. „Sie fahren oft nicht so vorbildlich, wie sie glauben.“

Bedenkt man die potenziell auftretenden altersbedingten Schwächen – nachlassendes Seh- und Hörvermögen, Konzentrationsschwäche, nachlassende Beweglichkeit und Defizite in der Reaktionsschnelligkeit – dann sei es schon allein aus Selbstschutz geboten, sich vor dem Kauf umfassend zu informieren und auf Übungsplätzen Probe zu fahren, so Hamann. Er empfiehlt defensives Fahren, gerade im Stadtverkehr, zumal auch Autofahrer die Geschwindigkeit der Pedelecs nicht gut einschätzen können. Anhand von Unfallfotos erläutert Hamann die oft tödliche Falle des „toten Winkels“.

Ebenso eindrucksvoll demonstriert Helmut Beck, wie lebenswichtig das Tragen eines Fahrradhelms ist. Der Schlag mit einer Metallstange auf einen „Kopf“ mit Helm belässt den Pfeil in einer Laptop-Grafik im grünen Bereich. Auf Rot springt er, als den Schlag kein Helm dämpft. „Der Helm schützt und rettet Leben. Das muss ins Bewusstsein der Radfahrer eingehen“, betont Beck. Er und Hamann erläutern, worauf man beim Kauf eines Helms achten sollte, und stellen verschiedene Modelle vor. Darunter ist auch ein Airbag-Helm, der bei einem Sturz auslöst und sich wie ein Airbag um Kopf und Nacken legt. Hamann gibt auch einen genauen Einblick in die Straßenverkehrsordnung. Bei Verstößen werden auch E-Bike- und Pedelec-Fahrer zur Kasse gebeten, warnt er.

Slalom und Punktbremsung

Im dritten Teil treten die Kursteilnehmer im Praxisteil in die Pedale. Auf dem Übungsplatz erwartet sie ein Parcour, den Helmut Beck mit einer Slalom-Strecke und Spuren abgesteckt hat. Konzentration und Gleichgewicht sind da gefragt. Das gilt auch für das Auf- und Absteigen. Bei einer Punktbremsung merken die Radler schnell, wie anders das mit dem schwereren Pedelec ist. Gerade ältere tun sich laut Beck schwer, Distanz, Geschwindigkeit und Bremsweg richtig einzuschätzen. Sein Ziel ist, dass alle das Pedelec so beherrschen, dass sie in jeder Situation richtig und sicher reagieren können. Die vier Teilnehmer sind begeistert: „Ich habe einiges dazugelernt“, sagt die einzige teilnehmende Frau.

Helmut Beck möchte weitere Pedelec-Kurse für Senioren in Aichach anbieten, sofern die Nachfrage da ist. In Friedberg fand ebenfalls schon ein Kurs statt.

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