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Aichach-Friedberg

07.05.2020

Wie Corona-Tests funktionieren und was sie (nicht) aussagen

Menschen können getestet werden, ob sie an Covid-19 erkrankt sind. Doch die Ergebnisse sind nicht immer hundertprozentig verlässlich, warnt das Gesundheitsamt Aichach-Friedberg.
Bild: Jonas Güttler, dpa (Symbolfoto)

Plus Die Tests auf Covid-19 laufen nach einem Standardverfahren ab. Warum sie dennoch nur eine Momentaufnahme sind und ihre Ergebnisse sogar falsch sein können.

Was bringt ein systematischer Test von Bewohnern und Mitarbeitern in einem Heim oder einer anderen Einrichtung bei einem Ausbruch der Erkrankung Covid-19? Dazu vertreten AWO-Bezirksverband Schwaben und Gesundheitsamt Aichach-Friedberg unterschiedliche Auffassungen.

Während die AWO die Reihentestung vor zwei Wochen mehrfach als zu spät kritisierte, wies das Gesundheitsamt wiederholt darauf hin, dass Tests aufgrund der etwa zweiwöchigen Inkubationszeit der Erkrankung nur eine Momentaufnahme am Testtag seien, negativ Getestete daher in falscher Sicherheit wögen und zudem die Treffsicherheit der Tests begrenzt sei.

PCR-Verfahren ist bei Coronatests Standard

Doch wie funktionieren Tests auf Covid-19 und was sagen sie aus? Wie Dr. Friedrich Pürner, selbst Epidemiologe und Leiter des Gesundheitsamts Aichach-Friedberg, erklärt, wird standardmäßig das PCR-Verfahren angewandt, um Menschen auf Covid-19 zu testen. Dabei wird ein Abstrich des Rachen- oder des Nasensekrets genommen. Die so gewonnenen kleinsten Erbgutmengen werden mit PCR, das für Polymerasekettenreaktion steht, in kürzester Zeit vermehrt. Das Resultat zeigt, ob jemand den Erreger in sich trägt.

 

Doch wie gut ist die Qualität der Tests? Nach Expertenmeinungen, so Pürner, liegt ihre Empfindlichkeit – Fachleute sprechen von Sensitivität – bei circa 97 bis 99 Prozent. Mit der Empfindlichkeit ist gemeint, wie verlässlich der Test Erkrankte als solche erkennt. Die Treffsicherheit allerdings – Fachleute sprechen von Spezifität – ist geringer. Sie bezeichnet, wie verlässlich die Ergebnisse bei negativ Getesteten sind. Pürner verweist auf Fachliteratur, wonach ein nicht geringer Teil der negativ Getesteten in Wirklichkeit positiv ist. „Ein negatives PCR-Ergebnis schließt eine Infektion nicht vollständig aus“, so Pürner.

Mangelnde Treffsicherheit der Tests liegt nicht am Verfahren selbst

Diese mangelnde Treffsicherheit liegt jedoch nicht am Verfahren selbst, sondern daran, dass schon vorher einiges schief gehen kann. So gibt es laut Pürner beispielsweise nur ein begrenztes Zeitfenster, in dem das Virus per Abstrich im Rachenraum oder in der Nase nachweisbar ist. Darüber sei noch wenig bekannt. Wenn die Viren schon in den Lungenraum abgewandert sind, kann es sein, dass der Abstrich negativ ausfällt. Dasselbe kann passieren, wenn die Probe falsch transportiert wird oder wenn der Probennehmer nicht tief genug im Rachen abstreicht beziehungsweise abstreichen kann, zum Beispiel weil der Getestete sehr schnell einen starken Würgereiz verspürt.

 

Ein positives Testergebnis wiederum bedeutet nicht unbedingt, dass jemand noch infektiös ist. Zum Beispiel, wenn ein Patient die Erkrankung Covid-19 bereits hinter sich hat. Denn der Test schlägt auch auf bereits abgestorbene Virenbestandteile an und bringt somit auch dann ein positives Ergebnis hervor.

Person aus Aichach-Friedberg zwei Mal fälschlicherweise negativ getestet

Pürner nennt ein Beispiel aus dem Wittelsbacher Land: Eine Person habe sehr typische Symptome für Covid-19 gezeigt. Obwohl der Fall klinisch eindeutig gewesen sei, sei diese Person sogar zwei Mal negativ getestet worden. Erst ein Antikörpertest ergab schlussendlich, dass die Person bereits Covid-19 hinter sich hatte. Doch um Antikörpertests standardmäßig einzusetzen, reichen derzeit laut Pürner die Erfahrungen damit noch nicht aus. Er ist der Auffassung, dass falsche Testergebnisse „gar nicht so selten vorkommen“. Ein negatives Testergebnis vermittle den Getesteten eine falsche Sicherheit.

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