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Aichach-Friedberg

30.10.2020

Wie Dorfhelferinnen im Landkreis Familien in Not helfen

Das Team des Maschinenring Wittelsbacher Land mitsamt Dorfhelferinnen (von links): Katharina Blei Einsatzleitung, Christina Wagner Einsatzleitung, Veronika Merk Dorfhelferin, Klara Daum Dorfhelferin, Anita Hofner Dorfhelferin, Eva Schade Geschäftsführerin und Franziska Held Dorfhelferin.
Bild: Alice Lauria

Plus Die 61-jährige Klara Daum ist seit 42 Jahren als Dorfhelferin im Wittelsbacher Land im Einsatz und hat eine besondere Auszeichnung erhalten. So sieht ihre Arbeit aus.

Was passiert, wenn Mama krank wird? Wenn Kinder, Haushalt und auf einem Bauernhof womöglich noch Tiere dennoch weiter versorgt werden müssen? Das wäre ein klassischer Fall für Klara Daum. Die 61-Jährige ist Dorfhelferin und seit 42 Jahren beim Maschinenring Aichach-Friedberg im Einsatz. Sie ist sogar preisgekrönt.

Eine Dorfhelferin braucht viele Fähigkeiten: Einfühlungsvermögen, selbstständiges Arbeiten und Aufgaben erkennen ebenso wie Organisationstalent und Verantwortungsbewusstsein, aber auch Flexibilität, Verschwiegenheit und Diskretion.

Klara Daum weiß genau, worauf es ankommt. "Die ersten zwei Tage in einer neuen Familie sind immer kritisch, da muss man sich erst mal umschauen und Leute und Haus kennenlernen" sagt sie.

Wenn eine Familie in Not gerät, kommt die Dorfhelferin

Die Situation ist immer wieder eine andere. Manchmal wird die Dorfhelferin nach einer Entbindung gebraucht, manchmal, weil die Mama auf Reha muss. Immer aber liegt eine Problem- oder Notsituation in einer Familie vor, die auch eine so tragische Ursache haben kann wie eine Suchterkrankung oder ein Todesfall. Klara Daum kennt das alles. Für ihren unermüdlichen Einsatz in den unterschiedlichsten Situationen und Familien erhielt sie 2018 den Betriebshilfe-Award - die höchste Auszeichnung auf diesem Gebiet.

Daum wurde deutschlandweit aus 50 Bewerbungen ausgewählt und als eine von zehn Finalistinnen zum Jubiläumsabend des 60-jährigen Bestehens der Maschinenringe nach Unterschleißheim bei München eingeladen. Vorab konnten die Bewerbungen per Video eingereicht werden. Eva Schade, Geschäftsführung beim Maschinenring Wittelsbacher Land, hatte die Bewerbung für ihre Mitarbeiterin eingeschickt mit einem ebenso einfachen wie emotionalen und, laut Jury beim Festabend, authentischen Video. Darin berichtet sie ganz schlicht vor der Kamera von Daums Arbeit, den tragischen und den freudigen Situationen im Alltag der Dorfhelferin und ihrer unermüdlichen Einsatzbereitschaft. Eva Schade sagt über die Arbeit: "Ich habe nach wie vor unglaublichen Respekt davor, was unsere Dorfhelferinnen leisten."

So geht es Dorfhelferin Veronika Merk am Abend

Dorfhelferin Veronika Merk nennt es "Dienst am Menschen" und stellt den vielleicht wichtigsten Aspekt ihres Berufes fest: "Man weiß am Abend, was man getan hat, und man hat immer jemandem geholfen." Die Einsätze in den Familien sind so unterschiedlich wie jede einzelne Lebenssituation und die Schicksale dahinter, das betrifft ebenso die Aufgaben am Einsatzort.

Dorfhelferin Klara Daum (Mitte) wurde 2018 mit dem Betriebshilfe Award ausgezeichnet. Die Bewerbung hat Eva Schade eingereicht (links).
Bild: Stefan Mayr

Früher wurden die staatlich geprüften Dorfhelferinnen, deren Ausbildung fünf Jahre dauert, hauptsächlich in landwirtschaftlichen Familien und Betrieben eingesetzt. Daher stammt auch die Berufsbezeichnung. Heute wechseln sich die Einsätze in bäuerlichen und nicht bäuerlichen Familien ab - in Großstädten ebenso wie auf dem Land.

Wie Dorfhelferinnen nicht gesehen werden wollen

Dorfhelferin Franziska Held findet: "Das Unerwartete ist der Reiz und es ist jeden Tag eine neue Herausforderung." Sie nennt Beispiele: "Sei es die neue Schreibschrift mit den Kindern zu üben oder die Kindersicherung am neuen Herd zu überwinden." Wichtig sei, dass man nicht wertend oder eingreifend, sondern lediglich unterstützend in die Familien gehe, erzählen die Dorfhelferinnen aus dem Wittelsbacher Land. Ihre Einsatzgebiete verteilen sich über den ganzen Landkreis und darüber hinaus. Denn Maschinenringe helfen sich gegenseitig aus. Den Fachfrauen ist es wichtig, in der Ganzheit ihrer Fähigkeiten und Aufgaben wahrgenommen zu werden, und nicht "als bezahlte Putzfrau von Kranken- oder Pflegekasse", wie Klara Daum sagt.

Dorfhelferinnen sind auch in der Stadt im Einsatz

Die Dauer der Einsätze variiert von einigen Stunden verteilt über wenige Wochen bis hin zu einem Jahr. Bei einem Todesfall auf einem Hof zahlen die Landwirtschaftlichen Kassen sogar bis zu zwei Jahre. Schade erklärt das so: "Der Betrieb muss ja komplett neu strukturiert werden." Die Dorfhelferin wächst hinein. Veronika Merk sagt: "Während eines Einsatzes sind wir wie ein Familienmitglied. Wir backen den Geburtstagskuchen und feiern mit."

Bekam 2018 den Betriebshelfer Award verliehen. Klara Daum arbeitet seit über 42 Jahren als Dorfhelferin. Mit vielen ihrer Einsatzfamilien hält sie über Jahre Kontakt.
Bild: Alice Lauria

Gerade Kinder gewöhnten sich schnell an die Helferin im Haushalt, die einspringt und Halt gibt, wenn die Mutter mal krank ist. Aus diesem Grund fällt manchmal nicht nur den Kindern der Abschied am Ende eines Einsatzes schwer. Die Dorfhelferinnen berühren aber auch schlimme Schicksale, die manchmal hinter ihren Einsätzen stecken. Schade sagt ganz offen: "Wir haben schon oft zusammen im Büro gesessen und geweint." Anita Hofner ist froh darüber: "Wir sind untereinander ein tolles Team und können uns miteinander auch gut aussprechen. Das ist sehr wichtig."

So könnten die Dorfhelferinnen des Wittelsbacher Landes aus ihrem Berufsalltag viele kuriose und lustige, aber auch traurige und bewegende Geschichten und Anekdoten erzählen. Die Verschwiegenheit und Diskretion, die unbedingt zu ihrem Beruf gehören, verbieten das aber. Klara Daum hat nur einen Begriff für ihren Beruf. Für sie ist er "Berufung".

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