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Handel

04.12.2019

Wie sich in Aichach ein Musikhaus behauptet

Ukulele spielen macht glücklich, behauptet Peter Sedlmeyr, Inhaber des Aichacher Musikhauses Sedlmeyr am Oberen Tor.
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Ukulele spielen macht glücklich, behauptet Peter Sedlmeyr, Inhaber des Aichacher Musikhauses Sedlmeyr am Oberen Tor.
Bild: Manfred Zeiselmair

Plus Das Musikfachgeschäft von Peter Sedlmeyr in Aichach ist fast schon ein Exot. Wie der Inhaber Laden und Online-Shop verbindet. Bei ihm gibt es fast 90 Ukulelen.

Würden Sie ein Musikinstrument in einem Online-Shop kaufen? Oder doch lieber in einem Musikfachgeschäft? Das Musikhaus Sedlmeyr am Oberen Tor in der Aichacher Altstadt verbindet beides miteinander – sowohl Ladengeschäft mit individueller Beratung als auch einen Onlinehandel. Für Inhaber und Betreiber Peter Sedlmeyr passt beides zusammen. Der studierte Musikwissenschaftler und Musikpädagoge hat auch einen abwechslungsreichen Berufsweg hinter sich. „Vor meinem Studium in Eichstätt hab ich Musikalienhändler gelernt“, sagt Sedlmeyr und fügt lachend hinzu: „Das hört sich an wie ein Beruf aus einer ganz anderen Zeit.“ Tatsächlich gibt es nur noch wenige seiner Art.

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Die meisten Musikfachgeschäfte sind aus den Zentren großer Städte verschwunden und aus den kleinen Städten nahezu vollständig. Peter Sedlmeyr wehrte sich erfolgreich gegen diesen Trend. Seine Firmenphilosophie, Einsteigern und fortgeschrittenen Musikern vernünftige Musikinstrumente samt Zubehör zu fairen Preisen anzubieten, hat sich offenbar bewährt. Er hat es geschafft, sich mit seinem gut sortierten „Musikalienladen“ in Aichach zu behaupten.

Zithersaiten aus Aichach reisen nach Japan

Angefangen hat Sedlmeyr mit der Übernahme des ehemaligen Musikhauses Peter Hofmann 2013. Schon ein Jahr später kam er auf die Idee, Zither- und Hackbrett-Saiten und Zubehör aus seinem Bestand auch im Internet anzubieten. Mittlerweile sei er auf diesem Gebiet vermutlich Marktführer. Er verschicke Zithersaiten bis nach Japan, erzählt der 39-jährige Unternehmer. Nachdem das Online-Geschäft so gut angelaufen ist, hat er eine professionelle Plattform erstellt und das Internet-Angebot auf sein gesamtes Ladensortiment erweitert. Im Jahr 2015 folgte dann der Umzug von der Gerhauserstraße in der Unteren Vorstadt in die neuen Geschäftsräume am Stadtplatz 44 beim Oberen Tor. Seitdem erweiterte Sedlmeyr seinen Warenbestand ständig.

Wie sich in Aichach ein Musikhaus behauptet

Der Internet-Verkauf mache mittlerweile etwa 30 Prozent seines Jahresumsatzes aus, so Sedlmeyr. Und der Online-Handel erfordere mit E-Mail-Verkehr, Verpacken, Versand und Kaufabwicklung auch einen großen Teil seiner Arbeitszeit, ergänzt er. Hauptsächlich Zubehör und Noten seien gefragt. Sedlmeyr sieht sein Internetangebot zudem als „digitales Schaufenster“. So kann er seinen Ladenbestand an Musikinstrumenten präsentieren. Er betont, wie wichtig es für jeden Musiker ist, ein Instrument vor dem Kauf in die Hand nehmen zu können. Sedlmeyr legt großen Wert auf eine gute, individuelle Beratung. Viele Eltern kämen wegen einer Musikausbildung ihrer Kinder zu ihm. Er bezeichnet sein Geschäft deshalb auch als „Familien-Musikhaus“. Jedem Musikanfänger rät er davon ab, ein Instrument – wie eine Katze im Sack – irgendwo aus der Ferne zu bestellen. Ein Fehlkauf führe da schnell dazu, dass einem die Lust am Musizieren vergehe.

Kaputte Gitarren werden repariert

„Es gibt so viel Schund auf dem Markt“, sagt er und spricht aus Erfahrung: Oft kämen Leute mit Billig-Gitarren zu ihm, an denen der Steg abgerissen ist – manchmal nur, weil falsche, billige Saiten aufgezogen waren. „Ich versuche immer, erst zu reparieren, weil’s ökologisch sinnvoll ist“, beschreibt er seine Philosophie und leimt die kaputte Gitarre mit einem Spezialleim wieder zusammen: „Auch wenn’s a Glump is.“ Apropos Ökologie: Für Sedlmeyr ist es wichtig, aus ökologischen Gründen möglichst viel aus heimischer Produktion anzubieten. Nicht alles sei aber auch „ökonomisch“ machbar, sagt er. „Ich muss mit meinen Preisen konkurrieren können.“ Dabei legt er Wert auf Markenprodukte: „Bei mir gibt es kein Spielzeug!“

Ukulele ist ein Verkaufsschlager

Besonders ins Auge fallen im Laden die vielen Ukulelen, die sauber aneinandergereiht an der Wand hinter dem Kassentisch drapiert sind. „Ukulele spielen macht glücklich“, ist sich Sedlmeyr sicher. Und als ob er seine Behauptung beweisen wolle, holt er aus den knapp 90 verschiedenen „viersaitigen Miniatur-Gitarren“ seine Lieblingsukulele hervor, um einige Akkorde zum Besten zu geben. Die Ukulele ist hierzulande insbesondere durch Stefan Raabs Sendung „TV total“ bekannt geworden. Das ursprünglich aus Hawaii stammende, leicht zu erlernende Instrument ist laut Sedlmeyr „ein absoluter Verkaufsschlager“. Mittlerweile gibt es ganze „Ukulele-Klassen“, die sein Musikhaus mit dem beliebten Zupfinstrument ausstattet, unter anderem die Mittelschule Aindling.

Der instrumentale Schwerpunkt im Musikhaus Sedlmeyr liegt eindeutig bei den Zupfinstrumenten. Neben den Ukulelen und einem großen Sortiment an Konzert- und Kindergitarren findet sich auch eine kleine, aber feine Auswahl an E-Gitarren und Bässen für Einsteiger. Außer den Zupfinstrumenten gibt’s im Laden Cajons und weitere Percussion-Instrumente, Blockflöten in verschiedenen Größen, Querflöten, Mundharmonikas, Violinen sowie Zubehör für nahezu alle Instrumente. Auch Digitalpianos stehen zum Anspielen bereit. Besonders stolz ist Sedlmeyr auf seine umfangreiche und ständig wachsende Notenabteilung, die über 3000 vorrätige Notenausgaben umfasst.

Auch die Wellküren kaufen bei ihm ein

Peter Sedlmeyr entstammt mütterlicherseits der bairischen Musikerfamilie Well. Da ist es geradezu ein Selbstverständnis, dass zu seinen bekanntesten Kunden auch die drei als Wellküren bekannten Well-Schwestern zählen. Ebenso wie die Musik-Kabarettistin Martina Schwarzmann und viele bekannte und unbekannte Musiker, Musiklehrer und Musikschaffende aus dem näheren und weiteren Umkreis von Aichach.

Neben der Leitung seines Musikhauses arbeitet Peter Sedlmeyr als freiberuflicher Lektor für mehrere Musikverlage, war über fünf Jahre musikalischer Leiter des Musikvereins Hollenbach-Inchenhofen und musiziert aktiv bei der Donkeyhonk Company am Bass. Als ehemaliger Musiklehrer gibt er sich dennoch bescheiden: Er spiele zwar viele Instrumente, „aber nix gscheid“. In seiner Freizeit höre er nahezu alle Arten von guter Musik, schränkt aber ein: „Wenn ich richtig Muse hab, am liebsten Klassik und Jazz.“

Im Dezember will Peter Sedlmeyr nun seine „Belegschaft verdoppeln“. Das heißt, dass dem Alleinunternehmer in Zukunft ein qualifizierter Mitarbeiter zur Seite stehen wird.

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